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Halbtagsarbeit an der Costa del Sol

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Von: Frank Hellmann

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Im Football Center von Marbella wird man von Fußballlegenden begrüßt.
Im Football Center von Marbella wird man von Fußballlegenden begrüßt. © dpa

Mit einem Regenerationstrainingslager in Marbella will Bundestrainer Flick den Fokus zur WM in Katar schärfen / Kader ohne große Durchlässigkeit

Das „Marbella Football Center“ hat schon viele prominente Fußballer auf seinem Gelände begrüßt. Nicht nur Borussia Dortmund, sondern auch der FC Liverpool oder Manchester United, die argentinische oder französische Nationalmannschaft haben das Panorama mit Palmen und Bergen mitsamt erfrischender Brise vom Meer genossen. Aktuell hält sich gerade der scheidende Bundesliga-Star Erling Haaland auf der Anlage fit – seine Familie hat ein Haus ganz in der Nähe. Dass diese Woche auch das deutsche Nationalteam auf die prominent besetzte Gästeliste kommt, erfüllt die spanischen Organisatoren mit Stolz. „Große Stars wie Rüdiger, Reus, Werner, Neuer werden an der Costa del Sol eintreffen und sich unter besten Trainingsbedingungen vorbereiten können“, heißt es auf vor dem Eintreffen des DFB-Kaders überschwänglich.

Genau genommen ist das Fußballtraining unter dem fast immer blauen Himmel aber nur ein Teil der Aufgabe: Denn auch die Frauen, Freundinnen oder Kinder sind ausdrücklich willkommen beim bis Freitag angesetzten Regenerationstrainingslager, das Hansi Flick in Absprache mit Spielern und Vereinen zu vier anstehenden Nations-League-Aufgaben gegen Italien (4. und 14. Juni), England (7. Juni) und Ungarn (11. Juni)vorgeschaltet hat,

Aufgabe ist es, den berühmten Mix aus Anspannung und Entspannung hinzubekommen. Kopf und Körper fahren ein bisschen runter und doch wieder rauf – die WM in Katar (21. November – 18. Dezember) kommt schließlich schneller als viele denken. Konkret spiegelt sich der Spagat nun in klassischer „Halbtagsarbeit“ wider: Vormittags wird trainiert, nachmittags könnten die Spieler dann entweder mit den Kids im Pool des „The Westin La Quinta Resort“ plantschen, eine Runde Golf spielen oder am Strand liegen. Flick verlangt lediglich: „Wenn wir trainieren oder eine Sitzung haben, brauche ich den absoluten Fokus.“

Luft nach oben hat sein Team über die vollen 90 Minuten beim Gegenpressing, Umschalten oder Ballbesitz – das war die Lehre aus dem Härtetest Ende März gegen die Niederlande (1:1). Noch hat es der 57-Jährige nicht ganz geschafft, seiner Mannschaft das Abgleiten in eine eigentümliche Passivität, die sich unter Joachim Löw speziell in den Schlussphasen eingeschlichen hatte, gänzlich auszutreiben. Dass es jetzt gegen „zwei der besten Teams der Welt“ geht, wie der gebürtige Heidelberger die EM-Finalisten Italien und England nennt, sei „eine tolle Chance zu zeigen, wie weit wir sind.“ Oder wie weit weg (noch) von der Weltspitze. Dass auch die acht nominierten Akteure des FC Bayern in der Champions League wieder Nachholbedarf verspüren, kommt Flick sicherlich gelegen.

Es ehrt den Bundestrainer, dass er kein Langzeitziel wie die Heim-EM 2024 vorschiebt, sondern bereits in diesem Jahr für die Wüsten-WM „all in“ gehen will. Die Ansprüche sind hoch und Julian Draxler, Robin Gosens, Emre Can, Matthias Ginter, auch Florian Neuhaus oder Ridle Baku und erst recht der nicht fitte Mats Hummels durchs Rüttelsieb gerauscht, weil nicht nach Marbella geladen. Das 26-köpfige Aufgebot, zu dem Ilkay Gündogan als Meistermacher für Manchester City wegen ausgedehnter Feierlichkeiten erst am Dienstag stoßen wird, sei „vom Stamm her das Maß aller Dinge“. Zwar sei der Kader gewiss nicht „endgültig“, doch es dürfte schwierig werden, noch einen Fuß in die Tür zu bekommen.

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