+
Traf als erster Spieler in der Bundesliga an den ersten neun Spieltagen: Bayern-Torjäger Robert Lewandowski.

Bayern - Union Berlin 2:1

Ein Händchen fürs Unangenehme

  • schließen

Der FC Bayern macht Spiele derzeit unnötig spannend. Lewandowski stellt beim 2:1 gegen Union den nächsten Rekord auf.

Den richtigen Moment abpassen, das sagt man zur Aktion, die Manuel Neuer am Samstag um kurz vor 18 Uhr in Perfektion vorgeführt hat. Nicht nur, dass er den langen Gang vorbei an den Journalisten betrat, als sein Kollege Thomas Müller gerade eine große Traube um sich versammelt hatte. Nein, der Kapitän des FC Bayern kam nach dem 2:1 gegen Union Berlin auch noch just in jenem Moment an seinem plappernden Kollegen vorbei, als der in übertrieben sonorer Stimme folgenden Satz in die Mikrofone brummte: „Das sind solche Momente, die an frühere Zeiten erinnern, die ganz glorreichen.“ Die Zuhörer mussten schmunzeln, Neuer musste schmunzeln, und er verließ die Arena nach einem Schulterklopfer für Müller sowie den Worten „Danke, Thomas“, so schnell er konnte. Sollten doch die anderen mal reden, Neuer selbst hatte das auf dem Platz getan.

Kurz nach der Halbzeit war dem Torhüter der Kragen geplatzt war. Vollkommen in Rage war der Keeper geraten, als seine Vorderleute wiederholt nachlässig agiert hatten. Immer wieder hob er die Arme, brüllte. Vor allem die Innenverteidiger Benjamin Pavard und Jerome Boateng wussten kaum mehr, wie ihnen geschah, als Neuer für seinen Wutausbruch von der Südkurve auch noch Szenenapplaus erntete. 1:0 stand es nach dem Treffer von Pavard (13.) zu dem Zeitpunkt. Keine zehn Minuten später hatte Neuer einen Strafstoß pariert, bald darauf führte der FC Bayern nach einem Tor von Robert Lewandowski mit 2:0. Der 31-Jährige schrieb damit Bundesligageschichte, er traf als erster Spieler in den ersten neun Saisonspielen mindestens einmal ins Tor.

Neuer ist ein „Vorbild“

„Natürlich freue ich mich und bin stolz, aber es zählt, dass wir gewonnen haben“, sagte der Angreifer. „Er ist in der Form seines Lebens“, hatte Trainer Niko Kovac den Polen schon vor der Partie gelobt: „Wir sind wirklich froh, dass wir ihn haben, er ist derjenige, der uns im Moment oben hält.“ Thomas Müller hoffte entsprechend, „dass sein Lauf noch sehr lange anhält. Lewy hat eine überragende Verfassung“. Der Stürmer, der in 13 Pflichtspielen der Münchner in Serie erfolgreich war, hat nun in der Bundesliga bereits 13 Treffer auf dem Konto. Insgesamt sind es 19 in dieser Saison, auch fünf in der Champions League und eins im Pokal.

Hasan Salihamidzic lobte dennoch viel lieber Torhüter Neuer, er nannte ihn „Kapitän, Vorbild und Führungsspieler“ und lobte vor allem „seine Kommunikation“. Tatsächlich ist der 33-Jährige zum Sprachrohr geworden, seitdem er auch körperlich wieder Bestform hat. Zuletzt hatte er Missstände direkt angesprochen. Diesmal aber mussten die anderen sprechen. Was war das also auf dem Rasen? Ein Sieg, klar, und trotzdem passte das viel zitierte Unwort „Bayern-like“ wieder nicht gut zu dem, was dieses so offensiv aufs Feld geschickte Team da geboten hatte. Trainer Niko Kovac war schon froh, diesmal nicht wie zuletzt fünfmal hintereinander zwei Gegentore kassiert zu haben. Defensiv hatte es im Kollektiv besser funktioniert als noch zuletzt.

Sogar Mittelfeldspieler Thiago grätschte ab und an effektiv dazwischen, auch Alphonso Davies machte als Ersatz für David Alaba auf der linken Abwehrseite eine gute Partie. Der Ertrag von zwei Treffern aus Einzelaktionen sowie die Tatsache, dass Union nur wegen des von Neuer parierten Elfmeters nicht schon vor dem Strafstoßanschluss durch Sebastian Polter (86.) zurück in die Partie fand, sprachen dennoch eine eigene Sprache.

Erfolge sollen dafür sorgen, dass der Glanz nach und nach zurückkommt beim FC Bayern. Trotzdem nervt es Spieler wie Fans, dass die Mannschaft laut Müller „momentan ein Händchen dafür hat, Spiele, in denen wir viele Sachen gut machen, noch spannend zu gestalten“. Hoffenheim schoss spät den Siegtreffer, in Augsburg kassierten die Bayern in der Schlusssekunde den Ausgleich. Auch Piräus war nah dran am 3:3. „Ich würde mir wünschen, dass wir wieder Spiele machen, die wir früher entscheiden“, sagte Salihamidzic, der auf der Bank sichtlich nervös geworden war. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion