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BVB-Neuzugang Erling Braut Haaland.

Kommentar

Der Coup des BVB

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Mit der Verpflichtung von Stürmer Erling Haaland hat Borussia Dortmund eine kluge Entscheidung getroffen - der 19-Jährige wurde von Klubs aus halb Europa gejagt. Der Kommentar.

Neulich, beim grob fahrlässigen 1:2 in Hoffenheim, ist Lucien Favre halb verrückt geworden, ach was: ganz verrückt fast schon. Bestimmt ein halbes Dutzend Mal waren Flankenläufe von Rechtsverteidiger Hakimi nicht verwertet worden, weil in der Mitte niemand zeitig zur Stelle war. Borussia Dortmund hätte andernfalls schon früh den Deckel draufgemacht und wäre jetzt in bester Schlagdistanz zu Tabellenführer Leipzig. „Dumm, das war dumm“, stöhnte Favre und sah dabei mitleiderregend aus.

Den Verantwortlichen der Borussen hat dieser letzte Bundesliga-Hinrundenspieltag noch einmal schmerzhaft vorgeführt, dass Mario Götze und Paco Alcacer im ansonsten ausgewogen besetzten Kader nicht diejenigen sein können, die in ausreichender Regelmäßigkeit dort vorne so zur Stelle sind, wie es sich für eine europäische Spitzenmannschaft gehört. Insoweit hatte die Niederlage in Hoffenheim aus BVB-Sicht sogar ihr Gutes: Das Bemühen um den 19-jährigen Norweger Erling Haaland von RB Salzburg wurde nochmals intensiviert. So sehr intensiviert gar, dass Dortmund den von halb Europa gejagten Torjäger nun tatsächlich verpflichten konnte. Ein Coup!

Haaland zum BVB: Überschaubares Risiko

Denn auch Juventus Turin, der FC Chelsea, Manchester United mit Haaland-Landsmann Ole Gunnar Solskjær als Trainer und nicht zuletzt RB Leipzig mit besten Kontakten zum Schwesterverein nach Salzburg buhlten um den stämmigen Kerl mit dem ausgeprägten Torriecher. Linksfuß Haaland hatte schließlich nicht nur in der österreichischen Liga vielfach gezeigt, sondern auch in der Champions League, dass er über ein ausgeprägtes Gespür im Freilaufverhalten verfügt, dazu über das nötige Tempo, überragende Athletik und eine sehr gute Abschlusstechnik.

20 Millionen Euro festgeschriebene Ablösesumme sind wenig Geld für einen, der als Teenager schon mehr als bloß das ist, was in der Fußballersprache als „Rohdiamant“ bezeichnet wird. Wiewohl sein als ziemlicher Raffzahn und komplizierter Verhandlungspartner berühmt-berüchtigte Berater Mino Raiola es den BVB-Verhandlungsführern nicht leicht gemacht haben dürfte. Inklusive Honorar und Gehalt auf die Vertragsdauer von viereinhalb Spielzeiten gestreckt, kostet der große Blonde den Borussen bei den zu vernehmenden acht Millionen Euro Jahresgehalt rund 60 Millionen. Hört sich nach viel an, und doch ist das Risiko für die gut betuchte BVB-AG überschaubar.

Haaland zum BVB: Tor pflastern seinen Weg

Denn in den Kontrakt dürften hohe Ausstiegsklauseln für ein vorzeitiges Vertragsende eingebaut sein, die beiden Seiten (und natürlich Mino Raiola) zu gegebener Zeit Gutes tun. So abgezockt, selbstbewusst und widerstandfähig, wie sich das 1,94 Meter große Milchbubigesicht bisher präsentiert hat, gibt es wenig Anlass zu Befürchtungen, Haaland könnte die Erwartungen nicht erfüllen. Tore pflastern seinen Weg. Er darf sich nur nicht verletzen.

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