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Unzufrieden mit sich und der Fußballwelt: Der Mainzer Cheftrainer Bo Svensson in Frankfurt.
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Unzufrieden mit sich und der Fußballwelt: Der Mainzer Cheftrainer Bo Svensson in Frankfurt.

Mainz 05 zwischen den gefühlen

Gutes Jahr mit schlechtem Ende

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der Mainzer Trainer Bo Svensson ärgert sich über den Vortrag in Frankfurt: „Ich bin mir nicht komplett treu geblieben“ - und präsentiert sich am Tag danach schon wieder entspannter,

Am Tag danach wirkte Bo Svensson schon wieder ziemlich aufgeräumt. Der Ärger über die aus seiner Sicht mangelhafte Vorstellung im Frankfurter Stadtwald bei der 0:1-Niederlage weitgehend verraucht, als der Mainzer Cheftrainer am Sonntag in einer digitalen Presserunde die Jahresbilanz anstellte. „Ich war sehr genervt“, räumte der 42-Jährige ein, doch es überwiege natürlich „der Stolz auf die Mannschaft“, die unter seiner Anleitung im Kalenderjahr 2021 immerhin 57 Punkte eingesammelt hat. Das ist für einen Mittelklasseverein à la Mainz eine fabelhafte Gesamtbilanz. „Das ist alles kein Glück oder Zufall. Das ist ein Resultat von harter und sehr, sehr guter Arbeit“, lobte Vorstand Christian Heidel.

Mainz spielte in der Hinrunde teilweise wieder so aufregend Fußball wie zu Zeiten der heiligen Lehrmeister Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Heidel hat in der Domstadt festgestellt, „dass die Menschen wieder positiv von Mainz 05 reden“ – und das zeige ihm, dass der Verein auf einem „sehr guten Wege“ sei. Der 58-Jährige möchte keine Punktevorgabe für die Rückrunde ausgeben: Mainz 05 wolle einfach „den Vertrag mit der Bundesliga verlängern. Wir fangen nicht mit irgendwelchen Träumereien an“. Der Boss scherzte ansonsten noch über seinen Anfang Dezember angeschafften Tannenbaum, der es erst am vierten Advent auf die Terrasse schaffte. Nun müsste Zeit sein, ihn aufzustellen, um in diesem Jahr wirklich besinnlich Weihnachten zu feiern. Cheftrainer Svensson wird die Feiertage mit der Familie in seiner Heimat Kopenhagen verbringen. Für den Dänen war im Rückblick vor allem das erste Saisonspiel gegen RB Leipzig (1:0) besonders, als der von Corona gebeutelte Rumpfkader mit Fan-Unterstützung das erste Ausrufezeichen setzte. Irgendwann habe er in der Kabine den Stimmungsaufschwung gegenüber seinem Amtsantritt gespürt: „Das hat jeder geredet. Eine Kultur des Miteinanders: Das ist ein sehr entscheidender Faktor.“

Zudem freut ihn, dass seine Elf „nicht nur Power und zweite Bälle“ zu bieten hatte, sondern auch „Flachpässe und Positionsspiel“ im Repertoire führte. Man sei definitiv variabler geworden. Nur war davon in Frankfurt wenig zu sehen, wo die Eintracht nicht nur bei Körperlichkeit und Robustheit Vorteile hatte, sondern auch die größere fußballerische Qualität aufbieten könnte.

Svensson war danach auf der Pressekonferenz am Samstag hart mit deiner Mannschaft und sich selbst ins Gericht gegangen. „Ich habe das Gefühl, dass wir uns alle ein Stück weit zurückgelehnt haben.“ Den Vortrag fand er über 90 Minuten „fußballerisch sehr dünn mit Ball“, die erste Halbzeit aber auch „dünn gegen den Ball“ – und das geht nach Svenssons Selbstverständnis gar nicht. Zu viele Schulterklopfer hätte es nach dem Heimsieg gegen Hertha BSC (4:0) gegeben, gegen die Eintracht habe man das Spiel nur verwalten wollen. Man sei „nicht am Anschlag“ gewesen, er sei leider Kompromisse eingegangen, die er im Nachgang bereue. „Ich bin mir nicht komplett treu geblieben“, kritisierte sich der Coach und kündigte auch für sich Lerneffekte an.

Svensson tickt ähnlich wie der ehrgeizige Ex-Mainzer Tuchel. Leistung wird immer und überall eingefordert. Viele Bundesliga-Kollegen hätten mit Verweis auf die Gesamtbilanz wohl sofort ihren Frieden mit der letzten Partie gemacht. Das man überhaupt solche Debatte führe, erklärte Routinier Stefan Bell am ZDF-Mikrofon treffend, zeige doch eigentlich, wie weit sich Mainz 05 binnen nur eines Jahres entwickelt habe.

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