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Serge Gnabry zeigte eindrucksvoll, warum Joachim Löw nie auf ihn verzichten mag.

Kommentar

Die guten Momente der deutschen Nationalmannschaft

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Ein Sieg für die DFB-Auswahl gegen Argentinien wäre am Ende zwar nicht verdient gewesen, und doch bleiben eher die guten Momente hängen als die matte Schlussphase. Der Kommentar.

Mit einer etwas sensibleren Preispolitik hätte der offenbar schwer erziehbare Deutsche Fußball-Bund vermutliche so viele Menschen in die fast halbleere Dortmunder Arena gelockt, wie das muntere Testspiel gegen Argentinien verdient gehabt hätte. Hoch motiviert ist eine personell arg gebeutelte deutsche Nationalmannschaft an die Arbeit gegangen. Der Verdacht drängt sich auf, dass das gerade deshalb so war, weil ein paar Leute aus der zweiten und dritten Reihe ihrer rare Chance beim Schopf packen wollten. Was dann aber auch dazu führte, dass die durchweg noch recht jungen Männer eine Stunde lang ein bisschen zu viel aus ihren Körpern herausholten. Am Ende fehlten neben Erfahrung auch ein paar Körner, um den ökonomischer agierenden Südamerikanern den Ausgleich zu verbauen. Fast hatte es so ausgesehen, als bettelten die Deutschen um das 2:2, das dann ja auch fiel.

Ein Sieg wäre am Ende nicht mehr verdient gewesen, und doch bleiben rückblickend eher die guten Momente hängen als die matte Schlussphase, als niemand mehr in der Lage war, vorn Bälle festzumachen, in der Mitte Passpassagen zum Ausruhen hinzukriegen und hinten Ballverluste in schmerzlichen Zonen vor dem eigenen Strafraum zu vermeiden. Dafür war einfach keine Puste mehr da. Was auch mit den vielen, vielen Tempoläufen der ersten Halbzeit zu tun hatte. Selten hat man einer deutsche Nationalmannschaft unter dem Ballbesitztrainer Joachim Löw so konsequent und flink in der sogenannten „Umschaltbewegung“ gesehen. Die armen Argentinier wussten bisweilen gar nicht, wie ihnen geschah, wenn Kerle wie Serge Gnabry, Kai Havertz, Julian Brandt, Lukas Klostermann oder Luca Waldschmidt in Hochgeschwindigkeit in die Gegenoffensive gingen. Das Publikum nahm das mit beachtlichem Wohlwollen zur Kenntnis.

Kein Muster ohne Wert

Auch der Bundestrainer war zufrieden, zufriedener jedenfalls als vor der Partie, als er noch arg gehadert hatte mit 14 Ausfällen, zu denen sich am Spieltag noch ein 15. gesellte, weil sich der Berliner Niklas Stark einen Magen-Darm-Virus eingehandelt hatte. Löw mag einem zuweilen ein wenig entrückt vorkommen, aber er ist deshalb ja bestimmt nicht blöd. Er weiß natürlich, dass ein DFB-Team, das im nächsten Sommer bei der EM eine Chance haben soll, sich Handlungsweisen erarbeiten muss, die eingeschliffen sind. Das geht aber nur über Erfahrungen in der Gruppe, die dann auch 2020 so beisammen ist. Einige der Akteure, die am Mittwoch auf dem Feld unterwegs waren, werden dann mutmaßlich auf der Couch zusehen.

Und doch war der Test gegen Argentinien kein Muster ohne Wert: Kai Havertz, der Jüngste und Talentierteste im Kader, hat erstmals über die volle Spielzeit für sein Land demonstrieren dürfen, wie gut er ist. Serge Gnabry zeigte nicht nur bei seinem in absoluter Weltklassemanier erzielten Tor eindrucksvoll, warum Löw nie, nie, nie auf ihn verzichten mag, Julian Brandt demonstrierte einige Streicheleinheiten für den Ball, die ihn eines nicht allzu fernen Tages zu einem Stammspieler machen könnten. So blieb der auffälligste technische Fehler im Spiel dem Bundestrainer höchstpersönlich vorbehalten. Löw misslang die saubere Ballannahme eines verunglückt in seiner Coachingzone gelandeten Abschlags von Torwart Marc-André ter Stegen. Schwamm drüber.

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