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Polytan Kunstrasensystem.

Kommentar

Auf Gummi gebaut

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Umweltschonende Sportanlagen müssen möglich sein. Ein Kommentar.

Viele tausend kleine Funktionäre in Fußballklubs hierzulande haben irgendwann in den vergangenen paar Jahren aufatmen können. Genau an jenem Tag nämlich, an dem sie auf ihrem Sportgelände statt eines knüppelharten Ascheplatzes oder abgetretenen Restrasens endlich ein Kunstrasenspielfeld der neusten Generation liegen hatten. Endlich war es da, das in einer mühsamen kollektiven Anstrengung von Verein, Kommune und Land gelegte Geläuf, auf dem auch im Winter alle Kinder-, Jugend- und Seniorenmannschaften einen bespielbaren Untergrund finden und nicht von November bis März im Matsch waten müssen – oder es dann lieber ganz sein lassen. Zur Eröffnung wurden meist Feste gefeiert, die Politiker ließen sich aus diesen Anlässen gern vor Ort sehen.

Der Clou an den modernen Kunstrasenplätzen war jahrelang das in die Kunstfasern eingearbeitete Gummigranulat. Es sorgt für eine bessere Bespielbarkeit als jene vormaligen artifiziellen Spielfelder, die wenig Rücksicht auf Sehnen und Gelenke der Spieler nahmen, deren Oberschenkel nach Sliding-Tacklings regelmäßig so aussahen, als seien sie mit einem Rasiermesser aufgeschlitzt worden.

Mittlerweile ist das absorbierende Füllmaterial in Verruf geraten, und wie es scheint, gibt es dafür gute Gründe. Wer den Umweltschutz ernstnimmt, sollte bei sich selbst anfangen und keine Zweifel an einer Studie des anerkannten Frauenhofer-Instituts anstellen, die zu dem Ergebnis kommt, dass der Anteil von Mikroplastik durch Sport hinter Reifenabrieb, Abfallentsorgung, Abrieb durch Asphalt und Verlusten von Kunststoffresten bei industrieller Fertigung bereits an fünfter Stelle steht. Ergo: Es herrscht Handlungsbedarf, weil von den bereits angelegten rund 6000 großen und kleinen Kunstrasensportplätzen massenweise umweltbelastendes Zeug aufs Land, in Umkleidekabinen und in die Kanalisation verteilt werden.

Keine Lösung kann es allerdings sein, dass eines nicht allzu fernen Tages, womöglich schon in zwei, drei Jahren, aufgrund einer geplanten EU-Richtlinie nur noch verwaiste Kunstrasenspielfelder in Städten und Gemeinden herumliegen, weil der Untergrund der Zukunft über Nacht zu einem Belag der Vergangenheit geworden ist. Politik, Wissenschaft und Sport tun deshalb gut daran, das offenkundige Problem ohne zu zögern anzugehen. Vor 50 Jahren haben die Menschen es schon bis auf den Mond geschafft. Sie sollten nun nicht daran scheitern, umweltschonend Sportanlagen zu bauen oder umzurüsten.

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