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Den deutschen Nationalspielern Gündogan und Emre Can, in Gelsenkirchen und Frankfurt geboren und sozialisiert, gefiel das Foto.

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Ilkay Gündogan und Emre Can sollten das nächste Mal die Finger stillhalten

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Ilkay Gündogan und Emre Can sind selbst Schuld, dass sie in der Kritik stehen  - aber im Diskurs dürfen nicht die Fehler gemacht werden wie einst bei Mesut Özil. Ein Kommentar. 

Zumindest bei Ilkay Gündogan hätten die Alarmglocken läuten müssen. Salutierende türkische Fußball-Nationalspieler, darunter auf Türkisch der Text: „Für unser Land, für unsere Soldaten, für unsere Märtyrer.“ Er hätte sich fragen müssen: Soll ich so ein Foto bei Instagram wirklich liken? Nach all den wochenlangen Diskussionen im vergangenen Jahr über das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Mesut Özil und Cenk Tosun? Hätte Gündogan auch nur eine Minute nachgedacht, er hätte den Like-Button wahrscheinlich nicht gedrückt.

Das besagte Foto hatte Freund Tosun, geboren in Wetzlar, nach dem 1:0-Sieg gegen Albanien bei Instagram geteilt. Tosun hatte das Siegtor geschossen, einen Tag vorher war die türkische Armee in Nordsyrien einmarschiert. Den deutschen Nationalspielern Gündogan und Emre Can, in Gelsenkirchen und Frankfurt geboren und sozialisiert, gefiel das Foto.

Uefa ermittelt gegen Can und Gündogan

Die Solidaritätsbekundung der türkischen Nationalspieler mit den eigenen Soldaten, die gegen die YPG, den Ableger der Terrororganisation PKK, kämpfen, wird in ihrer Heimat von den Fußballern fast schon erwartet. Mit der Geste haben sie sich von der Politik vereinnahmen lassen. Die Uefa hat die Ermittlungen aufgenommen, weil sie politische Äußerungen nicht duldet. Und Can und Gündogan sind intelligent genug, zu wissen, dass der türkische Militäreinsatz in Nordsyrien völkerrechtswidrig ist und eine wie auch immer geartete Zustimmung in Deutschland gar nicht gut ankommt.

Allerdings haben sie glaubhaft versichert, dass sie gegen jedwede Form von Krieg sind. Im öffentlichen Diskurs sollte nicht der gleiche Fehler wie im vergangenen Jahr gemacht werden, als insbesondere Mesut Özil Ziel zahlreicher rassistischer Anfeindungen wurde. Ja, die Nationalspieler haben sich für Erdogans Wahlkampf instrumentalisieren lassen und sind dafür auch zu Recht kritisiert worden. 

DFB stellt sich hinter seine Nationalspieler

Gleichzeitig offenbarten sich Abgründe der Fremdenfeindlichkeit, die Özil, der im Gegensatz zu Gündogan keine Einsicht zeigte, als Grund für seinen Rücktritt aus der Nationalelf anführte.

Auch wenn die Aussage von Bundestrainer Löw, Gündogan habe die Antwort auf dem Platz gegeben, Blödsinn ist, ist es richtig, dass der DFB sich vor die Spieler stellt. Und Gündogan und Can sollten beim nächsten Mal lieber die Finger stillhalten.

Der Fall Erdogan war ein Puzzlestück im deutschen Scheitern bei der WM. Daran trägt Mesut Özil zumindest eine Mitverantwortung. Ein Kommentar.

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