+
Mit viel Präzision und Schnitt: Die Pässe von Kevin de Bruyne.

Premier League

Guardiola über De Bruyne: „Er hat alles“

  • schließen

Mittelfeldspieler Kevin De Bruyne ist der überragende Mann beim englischen Meister Manchester City.

Kevin De Bruyne kann sich ganz genau an sein erstes Treffen mit Pep Guardiola erinnern. Der Belgier, damals im Sommer 2015 aus Wolfsburg auf den letzten Drücker für 75 Millionen Euro zu Manchester City gewechselt, kam ins Büro des Teammanagers und hörte dann die Worte, die er anfangs gar nicht fassen konnte. „Er setzte sich und sagte: Kevin, hör zu. Du kannst mühelos einer der Top-Fünf-Spieler der Welt werden“, berichtet De Bruyne auf der Internetplattform Players Tribune. Der unerschütterliche Glaube des Katalanen „hat meine ganze Mentalität geändert. Ich fand das genial, weil ich wollte, dass er Recht behält.“

Auch wenn der 28-Jährige weder in der Wahl zum Weltfußballer des Jahres noch beim Ballon d’or unter die Top Ten gekommen ist, wird De Bruyne von den Experten Woche für Woche als bester Mittelfeldspieler der Premier League und der Welt gepriesen. Und das vollkommen zu Recht. Seine unfassbare Form ist der Hauptgrund, warum Manchester City trotz gehörigem Rückstands auf Tabellenführer FC Liverpool immer noch die Hoffnung auf eine Aufholjagd hat, um den Titel-Hattrick zu schaffen.

Vor zwölf Tagen schlug De Bruyne den FC Arsenal (3:0) mit zwei Toren und einem Assist quasi im Alleingang. Beim 3:1-Sieg gegen Leicester vor einer Woche stach er aus einem herausragenden Ensemble heraus - auch wenn er nur einen Assist gab. De Bruyne spielte die Bälle in die Schnittschnellen, öffnete Räume für Rechtsaußen Riyad Mahrez, der das 1:1 erzielte. Er attackierte die Innenverteidiger Leicesters im Aufbau im hohen Pressingsystem von City und hatte am Ende Krämpfe, weil er so viel gelaufen war. „Egal ob mit oder ohne Ball. Er hat alles“, lobt Guardiola den wohl komplettesten Mittelfeldspieler der Welt.

Natürlich ist City auch heute (20.45 Uhr) bei den Wolverhampton zum Abschluss des Boxing Days Favorit. Und natürlich wird De Bruyne wieder im 4-3-3-System im halbrechten Mittelfeld starten. Zu finden ist der Mann aus Drongen aber überall auf dem Feld. Der ehemalige Bremer und Wolfsburger orchestriert das Spiel der Citizens aus dem defensiven Mittelfeld, hinter der einzigen Spitze und aus dem rechten Halbfeld. Er schlägt die zweitmeisten Flanken der Liga (170) und kreiert die meisten Großchancen (16).

„Es ist meine Obsession“

„Kevin sieht Pässe, die normale Menschen nicht sehen“, sagt Guardiola. Das einzige, was er ihm im Gespräch kritisch vorwirft: „Du musst mehr Tore schießen.“ Gegen Arsenal hat er das beherzigt, zudem hat er in dieser Saison schon drei Mal Latte und Pfosten getroffen und steht aktuell bei sechs Treffern. Seine große Qualität sind aber die Vorlagen, elf sind es aktuell. Den Rekord für die meisten Assists in einer Saison hält Thierry Henry mit 20 aus der Saison 2002/2003. Er wackelt.

Kevin De Bruyne sind seine eigenen Statistiken gar nicht so wichtig, es ist viel mehr die Art und Weise zu spielen, die ihn befriedigt. „Simpel Fußball zu spielen, ist das schwierigste in der Welt. Aber wenn es rollt? Für mich ist es die größte Freude, die ich im Leben habe“, sagt er über die den Gegner zermürbenden Ballzirkulationen mit maximal ein oder zwei Kontakten.

Das macht ihn zum idealen Spieler unter Pep Guardiola, der nichts weniger als Perfektion verlangt. „Er lebt Fußball noch intensiver, als ich es tue“, sagt De Bruyne, der im Alter von 14 Jahren in die Akademie vom KRC Genk ging. Fußball war so ziemlich das einzige wobei er so richtig aufblühte, „es ist meine Obsession“, sagt er. Außerhalb des Platzes war er schüchtern, introvertiert, redete kaum. „Die ersten zwei Jahre waren die einsamsten meines Lebens“, sagt De Bruyne.

Erst im dritten Jahr nahm ihn eine Pflegefamilie für ein halbes Jahr auf und für den talentierten Fußballer lief alles normal – bis er im Sommer nach Hause kam. Da sah er seine Mutter weinen, die ihm erzählte, dass die Familie ihn nach den Ferien nicht wieder aufnehmen wolle, weil er zu still ist. Der damals 17-Jährige Kevin ging nach draußen und kickte den Ball stundenlang gegen den Zaun und nahm sich fest vor, es in den Profikader zu schaffen. Nach den Ferien ging er zurück nach Genk, zur zweiten Mannschaft.

An einem Freitagabend änderte sich alles. De Bruyne saß zunächst auf der Bank. Mit Anpfiff zur zweiten Halbzeit wurde er eingewechselt, schoss fünf Tore und stand zwei Monate später in der ersten Mannschaft. Kurz darauf bot ihm die Pflegefamilie an, ihn wieder aufzunehmen, doch der tief gekränkte De Bruyne lehnte ab. „Ich hätte einfach Danke sagen sollen. Diese Erfahrung war das Benzin meiner Karriere. Aber leider hat diese Wolke mich für eine lange Zeit begleitet.“

Das Gefühl nicht gewollt zu werden, hatte De Bruyne auch beim FC Chelsea. Nach einer Leihsaison in Bremen durfte er unter Jose Mourinho nur drei Mal spielen. Also ließ er sich im Januar 2014 nach Wolfsburg ausleihen, gewann ein Jahr später den DFB-Pokal und wurde Fußballer des Jahres in Deutschland. Da war schon klar, dass De Bruyne nicht mehr zu halten sein wird.

Die restlichen dunklen Wolken in seinem Kopf fegte dann Pep Guardiola endgültig beiseite.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion