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Er weiß, wie es geht, muss aber schon ganz schön lange auf den Henkelpott warten: Pep Guardiola, 2011 Sieger mit dem FC Barcelona.

Manchester City

Pep Guardiola und die große Sehnsucht

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Trainer Pep Guardiola und Manchester City wollen endlich die Champions League gewinnen.

Es war ein launiger Abend bei der Preisverleihung des englischen Sportjournalistenverbandes im vergangenen November. Alles, was Rang und Namen im Fußball hat, war nach London gekommen. Natürlich auch Champions-League-Sieger-Trainer Jürgen Klopp und Premiere-League-Sieger-Trainer Pep Guardiola, die beide für ihre Titel mit dem FC Liverpool und Manchester City ausgezeichnet wurden. Während Klopp bei jedem Auftritt für Lacher sorgt, war sogar der sonst schwer aus der Reserve zu lockende Guardiola imstande, das Publikum zu amüsieren. „Ich würde gerne meine Trophäe zurückgewinnen“, sagte Guardiola und nickte mit dem Kopf auf den rechts am Rand aufgestellten Champions-League-Pokal. „Und ich bin ziemlich sicher, dass er (Klopp) diese gewinnen will“, sagte er und deutete mit dem Finger auf den links am Rand aufgestellten Premiere-League-Pokal. „Vielleicht können wir tauschen?“

Die Lacher des Publikums waren dem Katalanen sicher und dennoch schwang ganz viel Sehnsucht in seinen Worten mit. Sie zeigten zum einen das Selbstverständnis mit dem Guardiola den Henkelpott für sich proklamiert, den er als Spieler mit dem FC Barcelona 1992 gewann, als er noch Pokal der Landesmeister hieß. Als Trainer triumphierte er 2009 und 2011 mit Barça im höchsten europäischen Fußballwettbewerb. Danach scheiterte er dreimal mit dem FC Bayern München jeweils im Halbfinale. Seit 2016 versucht er es nun mit Manchester City, kam aber nie über das Viertelfinale hinaus. Das alljährliche Scheitern in der Königsklasse nagt am erfolgsverwöhnten Perfektionisten, der 29 Titel als Trainer gesammelt hat.

Und natürlich wäre der Champions-League-Sieg die ultimative Krönung für den gesamten Klub nach dem Einstieg der Abu Dhabi Investment Group im Jahr 2008. Vor zwei Jahren sagte der Vorstandsvorsitzende Khaldoon Al Mubarak: „Wir sollten die Champions League in den nächsten zehn Jahren gewinnen, natürlich lieber schneller als später.“ In diesem Jahr könnte die vorerst letzte Chance dazu bestehen, denn die Uefa hat City wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay für zwei Jahre aus der Königsklasse verbannt. Der Vorwurf: Der Klub soll in der Bilanz Sponsoreneinnahmen aufgehübscht haben. City hat den Fall vor den Sportgerichtshof CAS gebracht, Ausgang offen.

In der Liga liegt Manchester City abgeschlagen 22 Punkte hinter Tabellenführer Liverpool auf Rang zwei. Im FA-Cup stehen die Himmelblauen im Achtelfinale, am Sonntag steht das Finale im Ligapokal gegen Aston Villa an. „Der wirkliche Test“, so Guardiola wird jedoch das heutige Duell im Champions-League-Achtelfinale bei Real Madrid sein. 2016 scheiterte City im Halbfinale, damals noch mit Manuel Pellegrini als Teammanager, unglücklich durch ein Eigentor (0:1 und 0:0) am spanischen Rekordmeister.

Guardiola kann mit Ausnahme von Leroy Sané (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) aus der Fülle seines Kaders schöpfen, nachdem seine Innenverteidiger John Stones und Aymeric Laporte rechtzeitig genesen sind. Ihnen fehlt zwar noch die Spielpraxis, doch im dominanten Ballbesitzfußballspiel von City ist jeder Ballverlust gleich eine Riesenchance für den Gegner, vor allem dann, wenn statt schnellen Innenverteidigern nicht ganz so schnelle defensive Mittelfeldspieler wie Fernandinho aushelfen müssen.

Neben dem Umschaltspiel nach hinten, sind die unfassbar vielen vergebenen Torchancen das größere Problem der Citizens. In der Premier League haben sie die meisten Großchancen (61) ausgelassen – 19-mal ging der Ball ans Aluminium. Trotz allem war Guardiola meistens mit den Spielen an sich zufrieden. So gut schöner Fußball ist, am Ende zählen aber nur Titel. Das weiß niemand besser als Pep Guardiola.

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