1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Grummeln am Müllberg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jakob Böllhoff

Kommentare

Einer von vielen rassigen Zweikämpfen am Samstag: Der Mainzer Anton Stach (links) grätscht Freiburg-Stürmer Lucas Höler ab. dpa
Einer von vielen rassigen Zweikämpfen am Samstag: Der Mainzer Anton Stach (links) grätscht Freiburg-Stürmer Lucas Höler ab. dpa © dpa

Mainz ärgert sich über vergebene Chancen, Freiburg über einen seltsamen VAR-Fehler.

Nach wie vor gewöhnungsbedürftig, dass der SC Freiburg nicht mehr in seiner Hütte an der Dreisam Fußball spielt, sondern in einem Neubau am anderen Ende der Stadt, zwischen Flugplatz und einem alten Müllberg. Der Wandel ist allgegenwärtig, das wird auch den Mainzer Fußballern nicht entgangen sein, als sie am Samstag erstmals das moderne Freiburger Stadion im Industriegebiet Nord ansteuerten. Dann wiederum: Manche Dinge scheinen sich nie zu ändern, unabhängig von Zeit und Ort. So bieten die Duelle zwischen den Freiburgern und Mainzern seit 20 Jahren ein verlässliches Bild, eng, intensiv, emotional, mit einem Hang zur Kontroverse. Und hinterher hat man sich wieder lieb.

Als Freiburgs Trainer Christian Streich und sein Mainzer Gegenüber Bo Svensson nach diesem 1:1 (0:1) Arm in Arm den Rasen verließen, symbolisierte das die grundsätzliche Zuneigung zwischen den seelenverwandten Kultklubs, und auch das gerechte Endergebnis. Grund zum Grummeln hatten sie dennoch beide nach einer Partie, die phasenweise so umkämpft aussah, als seien alle 22 Spieler Dominik Kohr, der Mainzer Fighter.

Die Gäste aus Rheinhessen haderten mit der Tatsache, dass es ihnen nicht gelang, den Freiburgern zu entkommen in der ersten Halbzeit. Da spielten sie stark, mit Wucht und Tempo. Doch weil vor allem der rasende Stürmer Jonathan Burkardt einen Unglückstag in Sachen Torabschluss erwischte, blieb es bis zur Pause bei der 1:0-Führung durch Innenverteidiger Alexander Hack im Anschluss an eine Ecke (31. Spielminute). Und eigentlich hätte es nicht einmal diesen Treffer geben dürfen.

Der Videoassistent in Köln, Sascha Stegemann, schaltete sich zwar ein, um ein mögliches Handspiel des Torschützen zu prüfen (das es nicht gab). Dabei achtete er nicht darauf, dass Hack im Abseits stand. „Das Tor hätte nicht zählen dürfen, aber der Fokus lag komplett auf Handspiel“, räumte Schiedsrichter Deniz Aytekin zerknirscht ein, selbst war er nicht an der Prüfung der Szene beteiligt gewesen.

Christian Streich zeigte Verständnis für das Unverständliche. „Man denkt dann immer, es kann doch nicht sein, dass so was passiert, aber man selbst hat ja auch schon solche Fehler gemacht und kann sich nachher nicht erklären, warum“, sagte der SC-Coach, der noch am Abend nach Berlin aufbrach, um am Sonntag als von den Grünen gesandter Delegierter bei der Wahl des Bundespräsidenten mitzuwirken.

Streich konnte halbwegs entspannt in den Zug Richtung Hauptstadt steigen, weil sein Superjoker Nils Petersen bei einer Ecke zu Stelle war und zum 1:1 traf, zwei Minuten nach seiner Einwechselung. Das war der Lohn für die Freiburger Steigerung nach der Pause, was auch die Mainzer so sahen – wenngleich Sportdirektor Martin Schmidt glaubte, „dass wir uns mehr ärgern als Freiburg, dass es nicht drei Punkte geworden sind.“ Aber auch dieses Grummeln war schnell verstummt.

Auch interessant

Kommentare