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Sebastian Hoeneß: Die prominente Familie ist nicht sein Lieblingsthema.

Bayern München

Großer Name – großer Trainer?

Der Neffe von Uli, der Sohn von Dieter: Sebastian Hoeneß hat mit seinem großen Namen leben gelernt. Doch auch in seinem neuen Job bei Bayern München ist er zunächst mehr Bürde als Hilfe.

Von der Ablehnung der eigenen Fans bekam Sebastian Hoeneß gar nichts mit. „Großer Name macht noch keinen großen Trainer“ und „Kompetenz schlägt Name! Seitz muss bleiben!“, hatten die Anhänger der „kleinen Bayern“ beim Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth II am 10. Mai auf mehrere Banner geschrieben. Er habe von den Plakaten, die auf seine Kosten eine Weiterbeschäftigung von Meistercoach Holger Seitz forderten, „ehrlich gesagt gar nichts gewusst“, sagte Hoeneß dieser Tage. Die Vorbehalte gegenüber seiner Person wegen seines großen Namens kennt er allerdings zu gut.

„Das begleitet mich schon mein Leben lang“, sagte Hoeneß, der die zweite Mannschaft des Rekordmeisters als Nachfolger von Aufstiegstrainer Seitz in die neue Drittligasaison führt: „Ich heiße nun mal schon immer Hoeneß. Der Name polarisiert, deswegen kenne ich das gar nicht anders.“ Das war schon so, als der Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß beim VfB Stuttgart in der Jugend spielte.

Und es hörte längst nicht auf, als der offensive Mittelfeldspieler nach Stationen bei der TSG Hoffenheim und Hertha BSC II 2010 mit erst 28 Jahren seine aktive Laufbahn beendete. Als Bürde betrachtete er seinen Namen aber nie. Auch nicht beim Start seiner Trainerkarriere in der A-Jugend von Hertha Zehlendorf nach Abschluss seines Sportmanagementstudiums 2011. 2013/14 machte er an der Seite von Manuel Baum, Achim Beierlorzer oder Valerien Ismael seinen Fußballlehrer, dann holte ihn Ralf Rangnick in den Nachwuchsbereich von RB Leipzig. 2017 übernahm er die U19 der Bayern, mit der er in der abgelaufenen Saison in der Staffel Süd/Südwest nur Vierter wurde.

Dass er Seitz trotzdem beerben darf, der auf eigenen Wunsch in die sportliche Leitung des Münchner Nachwuchsleistungszentrums wechselte, führten manche Fans auf familiäre Bande zurück. „Es ist ganz normal, dass man versucht, eine freie Stelle intern zu besetzen“, entgegnete Hoeneß, „das spricht für Kontinuität.“ Er erweckt den Eindruck, als könne er gut mit den tausendfach gehörten Vorurteilen umgehen. „Natürlich nimmt das jetzt zu, nun wird die Schlagzahl erhöht“, sagte er, aber er nehme das positiv: „Ich mag Herausforderungen.“

Die prominente Familie ist zwar nicht sein Lieblingsthema, Distanz zu ihr sucht er aber nicht – im Gegenteil. Vater Dieter sei in vielen Dingen sein „erster Ansprechpartner“, sagte er, auch mit Onkel Uli tausche er sich „regelmäßig aus“. Ansonsten bliebe ihm nur, „authentisch zu bleiben“.

Bei seiner neuen Mannschaft, die nach sieben Jahren Regionalliga endlich wieder drittklassig ist, kommt der Nachfolger prominenter Trainer wie Mehmet Scholl, Erik ten Hag oder Tim Walter an. „Der erste Eindruck vom Trainer ist schon einmal sehr gut“, sagte Aufstiegsheld Paul Will. Dabei hilft Hoeneß seine offene Art.

Am Ende wird er am Erfolg gemessen. Hoeneß sieht die 3. Liga als „Riesenherausforderung“, Ziel ist der Klassenerhalt. „Mutig und forsch“ solle seine Elf auftreten – damit bald nicht mehr über seinen Namen, sondern über seine Handschrift berichtet wird. (sid)

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