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Sieht die Bayern aktuell wieder in der Spur: Liverpools Trainer Jürgen Klopp, leicht angespannt.

FC Liverpool

Großer Fußball, keine Titel

Ein Ausscheiden würde die Stimmung in Liverpool kippen lassen

Silverware“ ist ein magisches Wort des englischen Fußballs. Trophäen. Titel. Pokale. Jürgen Klopp hat dem FC Liverpool zum Amtsantritt 2015 versprochen, er werde sich am Nachschub für den prunkvollen Trophäensaal der Anfield Road messen lassen. Liefere er nicht ab, „dann werde ich wohl nicht mehr hier sein“. Und er betonte: „Es ist nicht wichtig, was die Leute denken, wenn du kommst. Es ist wichtig, was sie denken, wenn du gehst.“

Vier Jahre später hat er Liverpool neu aufgestellt, es wird dort ganz hervorragender Fußball gespielt. Der Verein stand im Finale der Europa League und in jenem der Champions League. Nur der „Silberschmuck“ – der ist bislang nicht hinzugekommen. Keine Meisterschaft, kein Pokal, kein Ligapokal, kein Europacup. Das große Spiel bei Bayern München am Mittwochabend (21.00 Uhr/live Sky) um den Viertelfinal-Einzug wird auch für Jürgen Klopp wegweisend.

Allerdings sieht der Teammanager Bayern München aktuell deutlich besser in Form als noch beim Hinspiel vor drei Wochen. „Sie sind offenkundig in einer anderen Phase, es ist ein deutlich besserer Zeitpunkt für Bayern“, wurdee Klopp auf der Vereinshomepage zitiert. „Sie sind wieder Tabellenführer, sie gewinnen ihre Spiele wieder locker – sie sind wirklich zurück in der Spur, falls sie diese überhaupt je verlassen haben“, sagte Klopp. Liverpool hingegen hatte zuletzt Probleme, was der 51-Jährige nicht als Nachteil sieht: „Wir sind stark genug, ihnen einen guten Kampf zu liefern. Ich überlege: Wie können wir ihnen Probleme bereiten, die ihnen in dieser Saison noch kein Gegner bereitet hat?“ Dafür brauche Liverpool „eine außergewöhnliche Leistung“. Das Hinspiel an der Anfield Road hatte 0:0 geendet. „Das bedeutet: Es ist nichts passiert“, sagte Klopp.

Erlösung vom Meisterfluch

„Sollten sie ausscheiden und auch diesmal nicht Meister werden, kann sich die Stimmung drehen“, sagt Dietmar Hamann, der den FC Liverpool aus Spielerzeiten ganz genau kennt. „Das Ding ist auf der Kippe. Das Ganze geht so lange gut, wie die sehnsüchtigen Fans den Glauben haben: Es geht noch was! Wenn nicht, wird es irgendwann heißen: Ist der Trainer wirklich so gut, wie wir ihn gesehen haben?!“

Klopp verkauft Emotionen und Hoffnung. Die Yellow Press schrieb ihn schon zum sechsten Beatle hoch (der fünfte war George Best). Auch dadurch, sagte Hamann der „SZ“, werde der Trainer nicht an Gerard Houllier oder Rafa Benitez gemessen, die Europapokale in die Reds-Vitrine stellten. Hamann gewann die Champions League 2005 mit Benitez im legendären Finale gegen den AC Mailand nach 0:3-Rückstand. Nein: „Sie vergleichen ihn mit Bill Shankly und Bob Paisley.“

Also mit jenen Manager-Legenden, die den Verein erst erweckten (Shankly, 1959-74) oder eine Ära der Dominanz prägten (Paisley, 1974-83). Beide stehen in Bronze gegossen an der Merseyside. Hamann meint: „Klopp wird von den Fans mit diesen beiden auf eine Stufe gestellt, obwohl er jetzt vier Jahre da ist – und noch nichts gewonnen hat. In 20 Jahren werden die Leute fragen: Welche Trophäen hat dieser Trainer gewonnen?“ 2018 unterlag man im Champions League-Finale Real Madrid 1:3.

Dabei ist den Fans die Königsklasse womöglich sogar weniger wichtig als die Erlösung vom Meisterfluch. Seit 1990 wartet Liverpool darauf, die Rivalen aus London und dem leidenschaftlich verhassten Manchester in der Liga von ganz oben zu verspotten.

Noch im Dezember sah es aus, als werde Klopp der „Erlöser“ sein: Doch aus sieben Punkten Vorsprung auf Manchester City ist ein Ein-Punkte-Rückstand geworden. Aber niemand muss befürchten, dass sich die Arbeiterstadt von Klopp abwendet. Er wird verehrt wie lange niemand vor ihm, an der Ecke Jordan Street/Jamaica Street ist er riesengroß auf einer roten Backsteinmauer verewigt. Ein lächelnder Klopp hält sich die Hand aufs Herz, darunter steht: „We are Liverpool. This means more.“

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