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Innige Freude: Die U21 bejubelt das 2:0. Rechts: Der Frankfurter Aymen Barkok.

U19-Nationalmannschaft

Mit großen Zielen nach Georgien

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Die U19 löst in Frankfurt das Ticket zur Europameisterschaft. Auch Hoffnungsspieler der Eintracht sind dabei.

Die Jubelarien am Bornheimer Hang hielten sich an diesem sommerhaften Frühlingstag in Grenzen. Niemand aus der deutschen U19-Nationalmannschaft kam nach dem souveränen 4:0 (2:0)-Erfolg gegen die Slowakei – gleichbedeutend mit dem Gewinn einer Eliterunde, um die EM-Endrundenteilnahme – in Versuchung, bei Schlusspfiff überschwänglich einem Kollegen um den Hals zu fallen. Und auch andere Verführungen fielen aus. „Wir feiern ein bisschen, aber wir dürfen das Hotel ja nicht verlassen“, berichtete Aymen Barkok brav. Der 18-Jährige widersprach der These, er ziehe mit den jungen Kollegen vielleicht noch durchs Frankfurter Nachtleben. Trotzdem freut er sich auf den Trip nach Tiflis Anfang Juli. Und wenn man erst einmal in Georgien sei, „dann wollen wir die EM auch gewinnen.“

Renommierte Nationen wie Spanien, Frankreich oder Italien blieben an der zweiten Qualifikationshürde hängen, während neben dem Gastgeber und Deutschland nun auch Niederlande, England, Portugal, Bulgarien, Tschechien und Schweden qualifiziert sind. „Unsere Mannschaft hat sich über alle drei Spiele in der Qualifikation gesteigert“, bilanzierte Horst Hrubesch, nachdem sich der DFB-Sportdirektor zuvor die lange nicht so überzeugenden Partien in Rüsselsheim gegen Zypern (2:1) und in Kelsterbach gegen Serbien (2:0) angesehen hatte. Es sei ein schöner Erfolg für die Nachwuchsabteilung, „dass wir in so vielen Jahrgängen für den Sommer große Ziele haben.“

U19-Nationaltrainer Frank Kramer gefiel am Jahrgang 1998, wie geschlossen er seine Pflichtaufgaben abarbeitete. Gegen die überforderten Slowaken sei von der ersten Minute der Wille sichtbar gewesen, „das Ding durchzuziehen“. Der 44-Jährige hatte im Vorfeld vermieden, seine durch Verein, Internat und Schule teils extrem belasteten Akteure weiter unter Druck zu setzen. So kam am Ende eine befreiende Leistung heraus.

Die Späher auf der Pressetribüne machten sich umfassende Notizen. Sicherlich über die drei Torschützen: Dem trickreichen Robin Hack von der TSG Hoffenheim, der nach einem feinen Solo das 1:0 besorgte (5.), gehört ebenso die Zukunft wie dem beim 1. FC Köln schon in der Bundesliga erprobten Kapitän Salih Özcan, der zum 2:0 abstaubte (18.). Auch von Etienne Amenyido von Borussia Dortmund, der das 3:0 und 4:0 erzielte (57. und 74.), dürfte ob seiner draufgängerischen Ader noch zu hören sein.

Barkok auffällig unauffällig

Und dann war da ja noch Aymen Barkok, auf den die Eintracht für die Zukunft baut. Bloß: Dem Auftritt des feinen Technikers, von Kramer wegen seiner individuelle Qualität gerne als „Dosenöffner“ bezeichnet wird, fehlte es an der nötigen Klarheit. Zu oft traf Barkok vor seinen vielen Freunden und Verwandten die falsche Entscheidung – bei seiner Auswechslung nach 70 Minuten gab es dennoch Applaus von den 1543 Zuschauern. „Völlig normal in seinem Alter, dass er auch mal nicht so auffällig spielt. Die Entwicklung eines 18-Jährigen verläuft nie linear, sondern immer wellenförmig“, erklärte Kramer. „Der Spieler ist eben längst noch nicht fertig“, ergänzte Hrubesch. Barkok selbst räumte ein, „etwas schwere Beine zu haben“.

Wer aus den im grauen Dress angetretenen Nachwuchskickern wirklich mal in der A-Nationalmannschaft auftaucht, das ist zwar nicht so schwer vorherzusagen wie die Lottozahlen, aber ähnelt mitunter selbst bei 18-, 19-Jährigen fast einem Glücksspiel. Ein Agent einer renommierten Spieleragentur erinnerte an den aus Hessen stammenden Weltmeister Shkodran Mustafi: „Da hätten wir damals im Juniorenalter alles darauf verwettet, dass der es gerade nicht schafft.“ Doch in dieser Phase würde eben nicht nur Talent, sondern vermehrt Lernwille, Einstellung und Fleiß zählen – und das nötige Quäntchen Glück, vom richtigen Trainer gefördert zu werden.

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