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Eins, zwei und drei: Haris Seferovic trifft wie er will.

Nationalmannschaft Schweiz

Der große Haris Seferovic

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Ex-Eintracht-Spieler Haris Seferovic schnürt beim 5:2 der Schweiz gegen Belgien einen Dreierpack.

Es ist fast ein Jahr her, die liebevoll Nati genannte Schweizer Auswahl hatte sich gerade in Basel mit einer drögen Nullnummer gegen Nordirland zur WM gerumpelt, da saß ein Nationalspieler wie ein Häufchen Elend in der Umkleide und heulte wie ein Schlosshund, nicht vor Freude, sondern aus Wut, Fassungslosigkeit und Unglauben: Haris Seferovic. Der Stürmer von Benfica Lissabon war kurz zuvor in der Schlussphase von den eigenen Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen worden, weil er zwei, drei gute Möglichkeiten vergeben hatte. Noch auf der Ersatzbank kullerten ihm Tränen über die Wangen, die Mitspieler trösteten ihn. „Das hat uns richtig mitgenommen“, sagte Granit Xhaka.

Die Mannschaft war geschockt, und auch die Medien schlugen scharfe Töne an. Die „Basler Zeitung“ kommentierte: „Dass ein paar Idioten nun Seferovic auspfiffen, ist für die Schweizer Fußball-Hauptstadt Basel peinlich.“ Und die „Neue Zürcher Zeitung“ urteilte tiefergehend: „Es war eine kollektive Geste, die für Befremden sorgte nach früheren Debatten über Migrationshintergründe und die Zusammensetzung dieses Teams.“

Zwölf Monate später liegt die kleine Schweiz dem großen Haris zu Füßen, mit einem Dreierpack hat er die Eidgenossen in Luzern zum 5:2-Erfolg gegen Belgien geschossen, weshalb sie sich nun fürs Final-Four-Turnier der Nations League qualifiziert haben. Ein großer Erfolg, den Haris Seferovic, das Stehfaufmännchen, ermöglicht hat.

Öfter Ärger mit den Fans

„Das war mein erster Dreierpack. Ich hoffe, es ist nicht der letzte“, sagte der ehemalige Angreifer der Frankfurter Eintracht. Die fiesen Unmutsbekundungen von damals hat er natürlich nicht vergessen, vor der Begegnung ist er vom „Blick“ sogar gefragt worden, ob er womöglich an Rücktritt gedacht hatte. „Nein, so weit ist es nicht gegangen“, antwortete er, räumte aber ein: „Die Pfiffe haben mir sehr wehgetan. Aber hätte ich aufgehört, hätten sich die Menschen, die gepfiffen haben, nur bestätigt gefühlt. Ich habe die Pfiffe mittlerweile gut weggesteckt. Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch stärker wurde.“

Auf einmal Stammkraft

Seferovic, der zuweilen ein bisschen lustlos und aufreizend lässig wirkt, ist nicht das erste Mal in den Fokus geraten, zu seiner Frankfurter Zeit beschimpfte er seine Kritiker mal mit der durchaus kreativen Wortschöpfung: „Internet-Pimmelberger.“ Schon vor längerer Zeit erhielt er den Spitznamen „Dirty Haris“.

Dabei läuft es für den wuchtigen Angreifer zurzeit ganz gut. Bei Benfica Lissabon ist er zum Stammspieler aufgestiegen, in der Liga hat er in sieben Partien dreimal getroffen, in der Champions League     einmal. Das ist keine schlechte Quote, zumal die Formkurve des Schweizers mit bosnischen Wurzeln in der vergangenen Saison nach verheißungsvollem Beginn stetig nach unten zeigte. An einen Vereinswechsel, es wäre schon sein neunter mit 26 Jahren, dachte er aber nicht. „Ich fühle mich sehr wohl, bin glücklich und zufrieden. Ich wusste, dass ich mich durchsetzen kann, und wollte es zeigen.“

Zwei der drei Treffer gegen die Belgier, die mit 2:0 in Führung lagen, genügten höchsten Ansprüchen, ein Schlenzer mit seinem schwächeren rechten Fuß, ein Kopfball ins entfernte Eck – das war nicht so einfach. Seferovic, der in Frankfurt rund 1,4 Millionen Euro verdient hat, in Portugal hingegen zwei Millionen Euro netto einstreicht, freut sich über die jüngste Volte, doch er ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass so eine Laufbahn, gerade seine, oft einer Achterbahnfahrt gleicht. „Mal läuft’s gut, mal weniger. So ist das im Fußball.“ So einfach ist es manchmal, das Leben des Haris S..

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