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Die Fanproteste wurden erhört.

Kommentar Montagsspiele

Große Geste

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Niemand mag den Montag - das haben jetzt auch die Erstligisten endlich eingesehen und schaffen ihn ab. Zumindest als Spieltag. Ein Kommentar.

Am Mittwoch vermeldeten die Agenturen eine erfreuliche Nachricht: Der Montag wird abgeschafft. Schnell verlor die Nachricht zwar an Wucht und Reichweite, denn leider war nicht der Montag an sich gemeint, der als Grundkonzept auch noch nie funktioniert hat. Aber immerhin: keine Bundesligaspiele mehr montags, ab 2021. Das ist gut, ein Zeichen. Zeichen sind wichtig in Zeiten wie diesen, unübersichtlich und frostig, gerade im Fußball.

Dass sich die Erstligisten einstimmig entschlossen haben, die Montagsspiele nach Ablauf des TV-Vertrags zur Saison 2021/22 zu verbannen, kann man nur begrüßen. Es ist ein Signal an die Fans, dass man sie hört, ihre Proteste auch in den Chefetagen der kapitalorientierten Fußballunternehmen angekommen sind. Die Frankfurter ließen in der vergangenen Saison Tennisbälle regnen, als die Eintracht montags gegen RB Leipzig spielen musste; die Freiburger Fans terrorisierten sich selbst und alle anderen im Mainzer Stadion mit Trillerpfeifen beim Auswärtsspiel im vergangenen Frühjahr, ebenfalls an einem Montagabend. Und neulich, im September, schwiegen alle Fans in allen Stadien zwanzig Minuten lang, um gegen die Zerstückelung der Spieltage zu demonstrieren. Botschaft: So wird das bald immer klingen, in Zukunft, wenn die Belange der TV-Zuschauer weiter wichtiger genommen werden als jene der Stadionbesucher.

Robin Dutt, der Trainer des Zweitligisten VfL Bochum, sagte damals: „Grundsätzlich geht mir das in dieser Gesellschaft total auf den Geist, wie jeder protestiert gegen alles und jeden – völlig undifferenziert.“ Undifferenzierte Kritik an angeblich undifferenzierten Protesten („Sollen doch alle selber ein bisschen mehr anpacken und Ehrenamt leisten.“) – Dutts absurder Vortrag, getätigt nach irgendeinem lässlichen Wochentagsspiel gegen Dynamo Dresden, fand durchaus Widerhall in der Branche. Freiburgs Präsident Fritz Keller sagte einmal: „Fans müssen überlegen, was sie machen, ob sie damit dem eigenen Klub schaden.“

Das entspricht einer Denke im Profifußball, wonach der Fan seine Mannschaft zu unterstützen habe, und um den Rest habe er sich gefälligst nicht zu scheren, auch wenn der Rest mit einschließt, werktags quer durch die Republik zu reisen für ein Auswärtsspiel. Dass die Klubs sich nun auf die Abschaffung des verhassten Montagstermins geeinigt haben (sind ja eh nur fünf, die weniger als ein Prozent der Medienerlöse ausmachen), ist nun ein relativ kleines Zugeständnis ans Kernpublikum, das in den Fanblöcken steht. Aber auch eine große Geste.

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