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Gibt die Richtung in Leipzig vor: Der neue Trainer Julian Nagelsmann (r.) spricht mit Stefan Ilsanker.

RB Leipzig

Der Großangriff von RB Leipzig

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Mit der Verpflichtung von Julian Nagelsmann ist RB Leipzig gewillt, den nächsten Schritt zu machen – der erste Titel ist das erklärte Ziel der Sachsen.

Vom Versteckspiel an neuer Wirkungsstätte hält Julian Nagelsmann wenig bis gar nichts. Erstaunlich viele Übungseinheiten veranstaltete der neue Hoffnungsträger bei RB Leipzig öffentlich. Am Cottaweg fällt nicht nur kleines Containerdorf für die Verwaltung eines expandierenden Erstligisten gegenüber dem Trainingszentrum auf, sondern auch die vielen Motivationssprüche, die das Trainingsgelände zieren. Schon Vorgänger Ralf Rangnick hatte mit den dunkelblauen Bannern versucht, seine Fußballer mit Hilfe von Leitmotiven anderer Sportstars zu erhöhter Leistungsbereitschaft anzustacheln. Nagelsmann wählte zusammen mit Teampsychologe Max Pelka nun acht neue Sprüche aus. Allerdings sind nicht nur Sportgrößen wie Michael Jordan („Sag niemals nie, denn Limits, wie Ängste, sind meist nur eine Illusion“) verschriftlicht, sondern sogar der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry („der kleine Prinz“) kommt jetzt zu Wort: „Ein Ziel ohne Plan dahinter ist nur ein Wunsch“. Was ja mal vortrefflich die Mission beschreibt, der sich der bereits vor einem Jahr verpflichtete Fußballlehrer Nagelsmann verschrieben hat.

Wie ist die Stimmung?
Verbessert! Denn der Übervater ist zwar immer noch da, aber er kann nicht mehr so viel Reibung erzeugen: Ralf Rangnick verknüpft nur noch in übergeordneter Funktion das Netzwerk der Red-Bull-Standorte in Leipzig, Salzburg, New York und Brasilien. Ins Tagesgeschäft soll er sich nicht mehr einmischen, auch wenn der 61-Jährige im Trainingslager in Seefeld durch permanente Präsenz auffiel. Es ist kein Geheimnis, dass Rangnick mit seiner extrem fordernden Art für eine mitunter angespannte Atmosphäre sorgte. Nagelsmann will zusammen mit dem neuen Sportdirektor Markus Krösche eine Leichtigkeit einbringen. Der 31-jährige Trainer und der 38-jährige Manager funken nicht nur aufgrund ihres Alters auf einer Wellenlänge und wollen den Spaßfaktor nicht zu kurz kommen lassen. Besser dürfte auch das Binnenverhältnis des Cheftrainers zum Vorstandschef Oliver Mintzlaff sein, denn der frühere Langstreckenläufer hat inzwischen ein Faible fürs Radfahren entwickelt und sich vom bekennenden Mountainbike-Liebhaber Nagelsmann Ratschläge geben lassen.

Wie stark ist der Kader?
Platz drei in der Liga und der Einzug ins Pokalfinale wäre in einer bärenstarken Rückrunde nicht gelungen, wenn die Mannschaft nicht mit Topspielern bestückt wäre. Torwart Petar Gulacsi hat das Fachmagazin „Kicker“ zu Recht als besten Bundesligakeeper eingestuft und eine Kategorie vor Manuel Neuer geführt, weil der 29 Jahre alte Ungar sich eben keine spielentscheidenden Aussetzer leistete. Der französische Innenverteidiger Ibrahima Konaté hat Anlagen zum Weltklassespieler, Willi Orban ist seit Jahren einer der besten Abwehrspieler der Liga. Die Verteidiger Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann haben es in die Nationalmannschaft geschafft, der Schwede Emil Forsberg ist an guten Tagen immer für eine Überraschung gut. Und an der Seite von Timo Werner hat sich auch Yussuf Poulsen zum Stürmer von internationalem Format entwickelt.

Worauf steht der Trainer?
Einer seiner ersten Kabinenansprachen ging so: „Ich möchte, dass keiner satt ist. Mein Wunsch ist es, dass jeder realisiert, dass noch der eine oder andere Step zu gehen ist.“ In den vier Jahren seiner Vertragslaufzeit will er sich nicht damit begnügen, eine gute Rolle zu spielen. Sondern: „Das Ziel ist es, etwas Größeres zu gewinnen, etwas Blechernes herzuholen.“ Da redet einer unverhohlen vom ersten Titel für RB.

Wo hapert’s noch?
Es soll an den bislang erfolgreichen Grundprinzipien, gerne RB-DNA genannt, festgehalten werden. Hohes Tempo, aggressives Pressing, schnelles Umschalten. Wobei Nagelsmann vorschwebt, mehr abgeklärte Alternativen in petto zu haben. Denn für den dauerhaften Powerstil in Champions League, Bundesliga und DFB-Pokal scheint der Kader noch nicht breit genug. Der noch unfertige Brasilianer Luan Candido (FC Sao Paulo) und der mit gebrochenem Knöchel lange fehlende Hannes Wolf (FC Salzburg) können von den Neuen vorläufig nicht eingeplant werden können. Leipzig hat mit der Ausleihe des 18-jährigen Walisers Ethan Ampadu reagiert, der vom FC Chelsea kommt. Weitere Transfers sind geplant.

Wer sticht heraus?
Vieles fokussiert sich auf den neuen Übungsleiter. Wichtigstes Hilfsmittel ist Nagelsmanns Taktiktafel, deren Aufzeichnungen den Akteuren direkt am Trainingsplatz gezeigt werden. Er pflegt seine komplexe Vorstellungen und tüftelt diverse Matchpläne aus, um im Spiel seine Systeme schneller wechseln zu können als ein Chamäleon seine Hautfarbe.

Wie geht’s dem Schatzmeister?
Eine heikle Thematik. Zwar hat sich der erst vor zehn Jahre aus der Taufe gehobene Verein keinen Maulkorb auferlegt, und Boss Mintzlaff bekommt auch keine Hitzepickel, wenn dazu Fragen aufkommen, doch Transparenz im Finanzbereich war lange ein Fremdwort. Bis die Deutsche Fußball-Liga (DFL) Ende Mai die Kennzahlen aller Bundesligisten offenlegte. Demnach hat RB Leipzig bereits 2017/2018 stolze Personalkosten von 105 Millionen Euro geschultert. Mehr Geld in den Kader steckten neben den Branchenriesen Bayern München und Borussia Dortmund nur noch Bayer Leverkusen, FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg. Nicht aufgeschlüsselt war in der Aufstellung, wie viel von den Gesamterlösen von 245 Millionen Euro dabei vom Brausekonzern aus Österreich geflossen ist. Es wird kein Pappenstiel sein.

Was ist drin?
Trainer und Team genügen höchsten Ansprüchen. National sowieso und international teilweise. Die Qualität macht mindestens Platz drei in der Liga möglich. Diesmal auch das Achtelfinale in der Champions League.

Was ist drin?
Trainer und Team genügen höchsten Ansprüchen. National sowieso und international teilweise. Die Qualität macht mindestens Platz drei in der Liga möglich. Diesmal auch das Achtelfinale in der Champions League.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Ademola Lookman (FC Everton), Christopher Nkunku (Paris Saint-Germain), Tom Krauß, Frederik Jäkel (beide eigene Jugend), Luan Candido (SE Palmeiras Sao Paulo), Hannes Wolf (Red Bull Salzburg)

Abgänge: Marius Müller (FC Luzern), Bruma (PSV Eindhoven), Erik Majetschak (FC Erzgebirge Aue), Julian Krahl (1. FC Köln), Emile Smith Rowe (FC Arsenal, Leihe beendet)

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