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Da wurde noch in Argentinien gekickt. Am 24.11. trafen River Plate und Boca Juniors im Hinspiel aufeinander.

Copa Libertadores

Grenzenlose Leidenschaft

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Die Copa war die Chance für die Argentinier, der Welt zu zeigen, dass ihre Passion für den Sport auch friedlich geht. Stattdessen wurden alte Stereotype bedient. Ein Kommentar.

Rodolfo D’Onofrio, der Präsident von River Plate, hat eine weitreichende Frage in den Großraum Argentinien gestellt: „Wenn wir Argentinier dieser Tage den G20-Gipfel organisieren können, wieso werden wir dann nicht ein Fußballspiel ausrichten können?“

Das Rückspiel der Copa Libertadores, der Kontinentalmeisterschaft des südamerikanischen Klubfußballs, das Duell zweier Landesrivalen aus Argentinien, zweier Stadtrivalen aus Buenos Aires, das alles verschlingende Spiel zwischen den Erzfeinden River Plate und Boca Juniors, wird woanders stattfinden: Im Bernabeu-Stadion von Madrid, 10.000 Kilometer entfernt vom ursprünglichen Austragungsort, dem Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti von River Plate.

Das ist schwierig zu verstehen, vor allem für die Argentinier. „Sie haben uns die Copa geklaut“, titelte am Freitag die vielgelesene Sportzeitung „Olé“. Aber die Wahrheit ist: Sie haben sich die Copa selbst geklaut.

Der Fußball ist ja immer und überall mehr als er selbst, aber in Argentinien ist er womöglich zu viel und zu groß und zu wichtig. Viele leben für ihren Klub, die Leidenschaft schlägt dann schnell in Gewalt um, die Attacke auf den Boca-Teambus ist nur das jüngste Beispiel und bei weitem nicht das schlimmste. Im vergangenen Jahrzehnt sind 93 Menschen ums Leben gekommen bei Zwischenfällen mit Bezug zum Fußball.

Die Copa war die Chance für die Argentinier, der Welt zu zeigen, dass ihre Passion für den Sport auch friedlich geht. Stattdessen wurden alte Stereotype bedient, nun findet das wichtigste Spiel in der Geschichte des argentinischen Fußballs auf der anderen Seite des Atlantiks statt. Es ist ein Debakel mit nicht absehbaren Folgen.

Alejandro Dominguez, seit 2016 Präsident des südamerikanischen Fußballverbandes, sagt: „Leidenschaft hat nichts mit Gewalt zu tun, auch wenn viele Fans das nicht verstehen. Wir können wie verrückt für unsere Teams leben. Aber Gewalt werden wir nicht akzeptieren.“

Dominguez weiß, dass er sich in einem schwierigen Spannungsfeld bewegt zwischen der Ursprünglichkeit des südamerikanischen Spiels, die man im domestizierten Europa durchaus bewundert, und der Notwendigkeit, Grenzen zu setzen, wo die Leidenschaft keine Grenzen kennt. Es gibt Stimmen, die sagen, der Copa-Eklat käme einigen in Argentinien nicht ungelegen, um aufzuräumen im Fußball. Warum der Boca-Bus eine seltsame Route zum Stadion fuhr, direkt vorbei am größten Treffpunkt der River-Plate-Fans, kann bis heute jedenfalls niemand erklären.

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