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Antoine Griezmann beim Torjubel.

Antoine Griezmann

Der Goldjunge wird laut

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Antoine Griezmann hilft Frankreich mit feinen Toren und einer wütenden Halbzeitansprache.

Mit kleinen Bewegungen, manchmal erst in der Wiederholung erkennbar, Großes zu vollbringen – Antoine Griezmann kann das, vielleicht besser als jeder andere. Schon in der ersten Halbzeit im Spiel Frankreich gegen Deutschland, Spielminute 40, eines dieser delikaten Kunststücke Marke Griezmann, als er den Ball gefühlvoll in den deutschen Sechzehner löffelte, als serviere er da das feinste Amuse-Gueule von Paris. Sturmpartner Kylian Mbappé rauschte nur knapp an der Vorlage vorbei.

Und dann halt das unscheinbare Zauberwerk zum 1:1 (62.), das dieser Nations-League-Partie den Impuls zur Wende zugunsten Frankreichs gab: Eine kurze Bewegung mit dem Kopf nach rechts, mehr nicht. Griezmann hatte den Schwung der harten Flanke Theo Hernandez‘ genutzt, und im hohen Bogen senkte sich der Ball ins Tor der Deutschen, in dem Manuel Neuer nurmehr blieb, sich panisch wie vergebens in die Luft zu schmeißen.

In den Top Ten der Torjäger

Tore wie dieses wird man zeigen, am 3. Dezember, sollte Antoine Griezmann dann tatsächlich in der französischen Hauptstadt den „Ballon d’Or“ in Empfang nehmen, die prestigeträchtige Auszeichnung zum besten Fußballer der Welt. Die Chancen stehen im Jahr des WM-Gewinns so gut wie nie, dass ein Franzose die Auszeichnung erstmals seit 20 Jahren erhält. Damals, im fernen Jahr 1998, gewann Zinedine Zidane, nachdem er die Equipe Tricolore im eigenen Land zum Titel geführt hatte. Wiederholt sich hier Geschichte: Frankreich der Weltmeister, eine Franzose der „Ballon d’Or“-Gewinner?

Griezmann musste am Dienstagabend im Stade de France lachen, als er auf die Wahl angesprochen wurde. Neben den üblichen Verdächtigen wie Ronaldo und Messi gilt ja ein anderer Franzose als heißer Kandidat auf die Auszeichnung, welche die Fußball-Fachzeitschrift „France Football“ 1956 ins Leben rief. Ob er also mit Kylian Mbappé in der Kabine über die Sache mit dem Goldenen Ball rede? „Wir werden sehen, mein Freund, wir werden sehen“, antwortete Griezmann so lässig, wie er den Ball beim Elfmeter zum 2:1-Siegtreffer (80.) ins Tor geschubst hatte.

Griezmann ist der unbestrittene Anführer der Weltmeister-Offensive, das spricht für ihn, und zudem erlebt er gerade das erfolgreichste Jahr seiner Karriere; mit Atletico Madrid Gewinner der Europa League und des Uefa-Supercups (nach Sieg über den Stadtrivalen Real), dazu der WM-Titel, bei dem natürlich auch dem Mann mit der unprätentiösen Wuschelfrisur eine tragende Rolle zukam. Gegen Deutschland schoss er seine Länderspieltore 25 und 26, er ist damit in den Top Ten der ewigen französischen Torjägerliste angelangt. „Das ist wunderschön“, säuselte Griezmann: „Es ermutigt mich, nach mehr zu streben.“ 

In der Halbzeit noch, in der Kabine, soll er etwas lauter geworden sein. Der Vorwurf an die Mitspieler nach der verdienten Pausenführung für die DFB-Elf: Zu wenig Einsatz, wie schon beim schmeichelhaften 2:2 im Test gegen Island fünf Tage zuvor. Ja, sagte Trainer Didier Deschamps nach dem Spiel, „es gab dieses Problem“. Griezmann aber „muss die Motivation nicht auf diese Art forcieren“. Deschamps nennen sie zwar General, aber er bevorzugt einen gemäßigten Umgangston. Inhaltlich war der 50-jährige auf einer Linie mit seinem Stürmerstar. Es sei nötig, wieder mit der Einstellung wie bei der WM zu Werke zu gehen, sagte Griezmann, auch wenn es „physisch und mental schwierig“ sei. Deschamps: „Unsere Stärke ist unsere Solidarität, die dürfen wir nicht verlieren. Und die haben wir in der zweiten Halbzeit wiedergefunden.“ Auch dank Antoine Griezmann, dem französischen Goldjungen. (mit sid) 

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