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Der Souverän: Manuel Neuer.

Nationalmannschaft

Gnabry und Neuer: Irrwisch und Ruhepol

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Die Münchner Serge Gnabry und Manuel Neuer sind die Gewinner des Länderspiel-Doppelpacks im September.

Serge Gnabry ist keiner, der im Nachgang für die vertiefende Analyse zu haben ist. Der Flügelflitzer vom FC Bayern hat es eigentlich am liebsten, wenn die Auskunftspflicht zeitlich limitiert werden kann. Kaum verwunderlich, dass der Irrwisch sich auch im Windsor Park mit dieser Prämisse behalf, um den ZDF-Reporter an eine getroffene Vereinbarung zu erinnern. Zwei Fragen, nicht mehr. Weitergehen.

Andere äußerten sich über den 24-Jährigen ausführlicher. In erster Linie Bundestrainer Joachim Löw, der kürzlich mit der „Gnabry-spielt-immer“-These aufhorchen ließ, die einst mal Louis van Gaal für Thomas Müller erfand. „Serge macht es wirklich klasse, er ist fußballerisch auf einem extrem hohen Niveau. Und seine Quote bei uns ist überragend“, lobte Löw seinen „Zielspieler“ mit der Nummer 20. Neun Tore bei erst zehn Länderspieleinsätzen sind eine famose Bilanz, die Löw mit Superlativen jonglieren ließ: „Er ist nicht nur deswegen toll, sondern weil er die Bälle vorne super fest macht und unsere anderen Spieler dort super einsetzt. Er bewegt sich gut und schlau, daher ist Serge für mich vorne im Moment gesetzt.“ Gegen die Niederlande (2:4) und gegen Nordirland (2:0) führte der Torschütze seine Veranlagung vor.

Wenn Leroy Sané im nächsten Jahr zurückkommt, müssen Marco Reus und Timo Werner aus dem Dreiersturm zittern, aber nicht der in England ausgebildeter Gnabry, der nach seinem furiosen Auftritt beim Olympischen Fußballturnier 2016 einen sehr klugen Karriereweg über Werder Bremen und die TSG Hoffenheim gegangen ist, um sich für das höchste Level in die bestmögliche Verfassung zu bringen. Der gebürtige Stuttgarter verkörpert die Hoffnung auf eine durchschlagskräftige Offensive bei der EM 2020. Als Unruheherd in vorderer Reihe, diesmal besonders gut assistiert von Julian Brandt. .

Um bei einem solchen Turnier weit zu kommen, braucht es aber auch einen Ruhepol in letzter Instanz. Und da haben die jüngsten Länderspiele den Kapitän auf der Kommandobrücke der Nationalelf als zweiten Gewinner hervorgebracht. Anders als Gnabry nahm sich Manuel Neuer mehr Zeit, die Geschehnisse einzuordnen. So wie es von dem fast zehn Jahre älteren Mitstreiter aus München ja auch erwartet wird. Er sei deshalb in Belfast so ruhig geblieben, berichtete der gebürtige Gelsenkirchener nach seinem 90. Länderspiel, „weil der Platz zehnmal besser als in Hamburg war“. Wenn der Ball bei Rückpässen nicht tückisch versprang, konnte er zielsicher den Aufbau koordinieren, erklärte der Keeper, den an den Vorderleuten nur störte, „dass wir ein bisschen zu spät das zweite Tor machen“. Mit seiner eigenen Leistung war der 33-Jährige zufrieden. „Ich denke, ich habe Ruhe ausgestrahlt.“

Ganz bestimmt. So wurde auch die Nummer eins vom Bundestrainer später geadelt. „Manuel ist seit einem halben Jahr für uns wieder ein sehr, sehr großer Rückhalt.“ Tatsächlich ist dessen Extraklasse, auch in Bedrängnis gegen einen wild anrennenden Gegner nie in Hektik zu verfallen, nicht zu unterschätzen. Wenn er dann noch im Eins-gegen-Eins seine Fähigkeiten entfaltet, wird die Wachablösung auf dieser Position definitiv am längsten auf sich warten lassen.

Löw gab im Nachgang zu, dass ursprünglich mal angedacht war, Marc-Andre ter Stegen in Nordirland spielen zu lassen. Aber nach den vielen Absagen und Umstellungen wanderte dieser Plan in die Schublade. „Wir wollten nicht auch noch den Torhüter wechseln.“ Allerdings könne er versprechen, dass der wertgeschätzte Herausforderer („Marc ist auch Weltklasse“) bald seine Einsatzchance erhalten. Womöglich schon am 9. Oktober gegen Argentinien. Der Stammtorwart vom FC Barcelona würde in Dortmund aber nicht gegen Vereinskollege Lionel Messi antreten. Der Weltstar fehlt in dem Freundschaftsspiel wegen einer Sperre. Genug zu tun bekäme ter Stegen im noch alles andere als stabilen DFB-Team wohl trotzdem.

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