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Gleich wieder am Boden

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Von: Daniel Schmitt

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Wenigstens die Emotionen sind da: Hertha-Profi Maximilian Mittelstädt schreit in Bochum sein Frust raus.
Wenigstens die Emotionen sind da: Hertha-Profi Maximilian Mittelstädt schreit in Bochum sein Frust raus. © dpa

Der VfL Bochum zeigt Hertha BSC, wie Abstiegskampf funktioniert. Dem Hauptstadtklub drohen ganz düstere Wochen. Ein Kommentar.

Was waren das für tolle Tage in der Sonne Floridas, in der Kleinstadt Bradenton mit der riesigen Sportakademie, die einst auch Eintracht Frankfurt im Winter besuchte. „Alles, was wir uns vorgenommen hatten, haben wir hier mit viel Fleiß abgearbeitet“, bilanzierte der Berliner Trainer Sandro Schwarz die elf USA-Tage. Und dann? 21. Januar, Temperaturen am Gefrierpunkt, Stadion an der Castroper in Bochum, ein 1:3 aus Hertha-Sicht und der nächste Tiefpunkt für den vormaligen Relegationsteilnehmer, das Abrutschen auf den vorletzten Platz.

Die Berliner stecken tief drin im Schlamassel, die positiven Vibes der Testphase sind mit einem Spiel verflogen, der mühsam aufgepäppelte Glaube an sich selbst sofort wieder angeknackst. „Das ist nicht unser Anspruch“, sagt Schwarz, logisch. Doch die nächsten Aufgaben der Berliner, die den Kader verschlankten und mit dem Augsburger Niederlechner einen noch verletzten Hoffnungsträger dazu holten, lassen längst Böses erahnen: daheim gegen erstarkte Wolfsburger, Stadtderby bei Union, Gastspiel beim Zweiten in Frankfurt, dann Gladbach, Dortmund. Die Saison dauert zwar noch eine Weile, die Hinrunde ist nicht mal beendet, Alarmstimmung aber sollte das Mindeste sein, was bei der Hertha herrscht. Der Abstieg ist kein unrealistisches Szenario.

Zumal sich andere, vermeintlich schwächere Teams wehren mit optimal ausgeschöpften Mitteln. Trainer Thomas Letsch hat in Bochum etwas geschafft, was dem VfL im Herbst des letzten Jahres nur wenige zutrauten: Tatsächlich um den Ligaverbleib ein ernsthaftes Wörtchen mitreden zu können. Der VfL hat keine gute Mannschaft, zumindest fußballerisch, jedoch ziehen alle an einem Strang - Spieler, Trainer, Fans. Vier Heimsiege nacheinander zeugen davon, ebenso der Sprung auf den Nichtabstiegsrang. Da hat eine Einheit verstanden, um was es geht, wie sie mit ihren begrenzten Mitteln das Ziel Klassenerhalt packen könnte.

Dass das am Ende nicht reichen muss, dass sich eventuell doch die höhere individuelle Qualität etwa in Berlin, Stuttgart oder Augsburg durchsetzt - dafür taugt ein anderer Klub als Beispiel: Schalke 04. Die Königsblauen machten in Frankfurt ein Superspiel, jedenfalls für ihre Verhältnisse. Sie kämpften, bissen, setzten den Plan des Trainers Thomas Reis (fast) optimal um, spielten gar ab und an einen guten Ball. Doch: 0:3, kein Tor, keine Punkte. Die These, das so ein Absteiger aussieht, also wacker kämpfend und erfolglos, ist eher keine gewagte. In Sachen Einstellung aber taugen die Schalker doch als Vorbild für andere, der Gruß geht in die Hauptstadt.

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