Gib mir Fünf: Die Gladbacher Torschützen Mathias Ginter (links) und Lars Stindl (Mitte) jubeln mit Tony Jantschke.
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Gib mir Fünf: Die Gladbacher Torschützen Mathias Ginter (links) und Lars Stindl (Mitte) jubeln mit Tony Jantschke.

Borussia Mönchengladbach

Gladbacher Muskelkater

  • vonAndreas Morbach
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Die Borussia freut sich über ein wichtiges Last-Minute-Remis gegen Hoffenheim, aber die Verletztenliste gibt Rätsel auf.

Matthias Ginter grinste genüsslich, rieb sich andächtig die Nase, dann sprach er über seine ungewöhnliche Rolle in der laufenden Spielzeit. Der gebürtige Freiburger absolviert seine erste Saison in Gladbach – und entwickelt dabei neben dem Hauptjob in der Defensive ungeahnte Torjägerqualitäten. Beim höchst unterhaltsamen 3:3 gegen Hoffenheim wurde Ginter mit seinem Treffer in der letzten Minute zum Punktlieferant für die Borussia. In sieben Monaten am Niederrhein schraubte der Nationalverteidiger seine Quote damit bereits auf fünf Treffer – genauso viele brachte er zuvor in fünf Profijahren in Freiburg und Dortmund zustande. 

„Ich baue quasi meinen eigenen Rekord aus“, sagte Ginter schmunzelnd, der mit seiner Handvoll Treffer weiter gleichauf liegt mit Lars Stindl, prinzipiell ein absoluter Experte auf diesem Gebiet. Die Expertise ihres Kapitäns vermissten die Gladbacher zuletzt allerdings sehr: Als Stindl einen feinen Pass von Jonas Hofmann zum zwischenzeitlichen 2:2 nutzte, hatte er eine persönliche Trefferdürre von vier langen Monaten beendet. „Das war eine Riesenfreude und sehr wichtig für mich. Genauso wie für die Mannschaft“, betonte der 29-Jährige. 

Dieser Meinung war auch Dieter Hecking, dessen Team gleich dreimal einen Rückstand wettmachte. „Es war ein spektakuläres Spiel, aber auch eines mit vielen Fehlern. Aber mit welcher Leidenschaft, welchem Charakter wir immer wieder zurückgekommen sind, das steht über allem“, kommentierte der VfL-Coach. Und während sich sein Hoffenheimer Pendant Julian Nagelsmann („Mehr als ein Punkt für uns wäre deutlich zu viel gewesen“) in Bescheidenheit übte, erklärte Hecking etwas diffus: „Aufgrund der Situation hätten wir vielleicht einen Sieg verdient gehabt.“

Die erwähnte Situation beim VfL jedenfalls ist nicht sehr rosig – und einigermaßen diffus. Besonders heikel ist das Thema Verletzte, speziell die zahlreichen Ausfälle wegen Muskelblessuren bereiten den Gladbachern Kopfzerbrechen. Auch das Selbstbewusstsein der Fohlen hat darunter gelitten, die kinderleichte Gästeführung durch Benjamin Hübners Kofball nach einem Eckstoß von Andrej Kramaric war der beste Beleg. 

Wenig später verlängerte Raul Bobadilla die rekordverdächtige Verletztenliste der Borussia dann auf elf Profis: Der bullige Angreifer musste wegen einer Oberschenkelzerrung vom Feld, seinen Job übernahm Josip Drmic. Durch den Schweizer kam die Hecking-Elf immerhin zu ihrem ersten Comeback an diesem Nachmittag – der Treffer von Drmic, der den Ball zuvor unabsichtlich mit dem Oberarm berührt hatte, erteilte Referee Martin Petersen per Video-Assistent die Anerkennung.

Richtig wild wurde es nach der Pause: Hoffenheim ging durch einen von Kramaric verwandelten Foulelfmeter (Hofmann an Serge Gnabry) zum zweiten Mal in Führung. Und – begünstigt durch eine weitere Unachtsamkeit von Hofmann sowie eine ungeschickte Ortswahl von Schiedsrichter Petersen mitten im größten Getümmel – durch Florian Grillitsch auch noch ein drittes Mal. Zwischendurch genoss Stindl seinen langersehnten Glücksmoment – ehe Ginter die Hoffnungen der Fohlen auf einen Platz in der Europa League wieder aufglimmen ließ. 

Vor allem aber ist die niederrheinische Borussia aktuell ein nervöses Gebilde: Wie über TV-Mikrofone deutlich zu hören, beschimpfte Sportdirektor Max Eberl Gästetrainer Nagelsmann in der ersten Halbzeit als „kleinen Pisser“, später entschuldigte er sich für die verbale Entgleisung. Zudem war das Aus für Bobadilla bereits die siebte Muskelverletzung eines Gladbacher Spielers in dieser Saison – was dem Rautenklub nun sogar kurzzeitig einen hämischen Querverweis bei Wikipedia einbrachte. „Das muss kritisch analysiert werden, das wissen wir. Aber im Moment ist es nicht zu ändern“, murrte Übungsleiter Hecking zum Thema Muskelmisere etwas kleinlaut. Und Rekordmann Ginter sagte auf die Frage nach den Gründen für dieses enorme Ärgernis vielsagend: „Oh, wo soll ich da anfangen?“

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