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Wechsel zu Leipzig: Max Eberl hat seine Seele verkauft

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Von: Thomas Kilchenstein

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Max Eberl
Mal sehen, ob er sich mit Leipzig einen Gefallen getan hat: Manager Max Eberl. © Uwe Anspach/dpa

Schön, dass es dem Manager Max Eberl wieder gut geht, ein unschönes Geschmäckle verleiht der Geschichte aber die Wahl seines neuen Arbeitgebers: RB Leipzig.

Selbstverständlich ist es schön, dass sich Max Eberl, acht Monate nach seinem gesundheitlich bedingten Ausscheiden bei Borussia Mönchengladbach, „wieder bereit“ fühlt und „voller Kraft“ sei, wie er selbst sagt. Die Auszeit hat ihm offenbar gut getan. Im Januar konnte und wollte er mit Fußball nichts mehr zu tun haben, der Fußball, den er so liebt, hatte ihn krank gemacht, er war ausgebrannt, kaputt, am Ende. Es ging nicht weiter, er brauchte dringend eine Auszeit, sofort, musste raus aus dieser Tretmühle, die empathisch fühlende Menschen noch einmal mehr mitnimmt. Tränenreich war das Ende, schmerzhaft, auch für Außenstehende, die voller Respekt einen Mann sahen, der sich weder seinen Tränen schämte, noch dem Eingeständnis eigener Schwäche

Jetzt kehrt Eberl zurück. Er kehrt genau in diese Tretmühle zurück, die ihn hat krank werden lassen, die ihn ausbrannte und weswegen er das Handtuch werfen musste im Januar.

Max Eberl wechselt von Borussia Mönchengladbach zum RB Leipzig

Dass der 49-Jährige zurück und freiwillig ins Hamsterrad gesprungen ist, ist sicher nicht verwerflich. Er hat sich offenbar erholt, hat die Zeit der Muse für sich genutzt. Insofern geht der Vorwurf der Gladbacher Faninitiative am Thema vorbei, die dem Niederbayer „Schäbigkeit“ vorwarf, weil er mit seinem Abgang im Januar seinen Wechsel nach Leipzig vorbereitet haben soll.

Aber an den Hebeln der Macht zu sitzen, an Strippen zu ziehen, ist nun mal sein Job, mehr noch: seine Berufung. Und natürlich ist dieses Fußball-Geschäft auch eine Droge, die einen süchtig machen kann und macht - nach Einfluss, nach Bedeutung, nach im Fokus stehen. Auch ein Ralf Rangnick hat nach seinem Burnout 2011 und einer Pause weitermachen können und wollen, intensiver und umfangreicher denn je.

Max Eberl: Sein Image hat Risse bekommen

Was der ganzen Sache aber ein unschönes Geschmäckle verleiht, ist der neue Arbeitgeber, RB Leipzig, jenes erst 2009 erschaffene Vereinskonstrukt, das gegründet wurde, um ein Getränk zu promoten. RB Leipzig verkörpert genau das Gegenteil dessen, für was Eberl in 23 Jahren Gladbach immer stand: Tradition, Leidenschaft, Emotion, Mitbestimmung. Viel gegensätzlicher hätte ein neuer Arbeitgeber nicht sein können, ein Arbeitgeber, den er zu Gladbacher Zeiten regelmäßig kritisiert, ja abgelehnt hatte. Jetzt spricht er vom „riesigen Potenzial“, das er in Sachsen vorgefunden haben will. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Max Eberl dürfte ab 15. Dezember, da beginnt offiziell sein Job am Cottaweg, von vielen anders gesehen werden, die Wahrnehmung dürfte sich verändert haben. Sein Image als sympathischer, angenehmer, kluger Macher, der einen Traditionsklub durch allerhand raues Gewässer über viele Jahre erfolgreich steuerte, hat definitiv Risse bekommen. In Leipzig hat Eberl deutlich mehr finanziellen Spielraum als am Bökelberg, der Klub ist intakt. Aber sicher ist: Ein Stück weit hat er mit dem Wechsel auch seine Seele verkauft. (Thomas Kilchenstein)

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