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Andreas Christensen, verzweifelt.

Aus im Halbfinale

Gladbach am Boden

Der Pokal-Traum geplatzt, das Lazarett gefüllt, und nun auch noch Ärger mit den Fans: Borussia Mönchengladbach geht vor dem Saisonfinale am Stock.

Das Ende seines Traums erlebte Max Eberl in einer stillen Ecke. „Ich habe das Elfmeterschießen nicht gesehen. Ich war drinnen, ich wollte nicht dabei sein. Leider hat das auch nicht geholfen“, sagte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach nach dem bitteren Pokal-Aus gegen Eintracht Frankfurt. In seiner Stimme lag eine Mischung aus Resignation und Enttäuschung. Kein Wunder: Für den 43-Jährigen war es das vierte verlorene Halbfinale in Folge mit Gladbach.

„Wenn wir nächstes Jahr wieder dabei sind, fahre ich nicht mit. Egal, wo es ist“, sagte Eberl.
Wochenlang hatte die Borussia dem Highlight im eigenen Stadion entgegengefiebert, am Ende platzte der Traum vom Finale in Berlin in letzter Sekunde. Von einem „der bittersten Momente meiner Karriere“, sprach André Hahn, Sturmkollege Lars Stindl von „einer Enttäuschung für die Mannschaft, für die Fans, für die ganze Region“. Der K.o. kam wieder einmal erst im Elfmeterschießen, so wie schon im Halbfinale 2001 gegen Union Berlin und 2012 gegen Bayern München.

Und als wäre das nicht genug, platzt Gladbachs Lazarett vor den letzten Bundesliga-Wochen aus allen Nähten. „Wir pfeifen aus dem letzten Loch, was den Kader angeht. Damit meine ich nicht, dass wir das nicht auffangen können. Aber es fehlt ein Stück Qualität“, sagte Trainer Dieter Hecking.

Neuestes Mitglied auf der Krankenstation ist Außenverteidiger Oscar Wendt, der gegen Frankfurt einen Ellenbogenbruch erlitt. „Nummer neun“, zählte Eberl angesichts der langen Verletztenliste, die Stützen wie Raffael, Christoph Kramer, Thorgan Hazard oder Fabian Johnson umfasst.
 

Die Erfahrung jener Spieler vermisste die Borussia besonders gegen die Eintracht, wo am Ende Jungspunde wie László Benes (19), Djibril Sow (20), Nico Elvedi (20) oder Mahmoud Dahoud (21) auf dem Rasen standen. Dass dann auch noch Sow mit seinem verschossenen Elfmeter zur tragischen Figur wurde, passte ins Bild. „Im Pokal werden Helden geboren und es gibt Deppen. Djibril ist leider der, der verschossen hat. Aber das war nicht entscheidend“, sagt Eberl.

Vier Spiele hat die Borussia noch, um über die Bundesliga den Traum von Europa zu verwirklichen. Als Tabellenzehnter darf sich die Hecking-Elf aber keinen Ausrutscher mehr erlauben, schon am Samstag wartet in Mainz eine knifflige Aufgabe. „Wir haben keine Wahl, wir müssen uns wieder aufrichten. Wir wissen, dass es die letzte Chance ist. Wir wollen alle wieder in Europa spielen und daran werden wir alles setzen“, sagte Hahn.

Verzichten muss die Borussia dabei zumindest in den Heimspielen auf die Unterstützung durch einen Teil der Fanszene. Weil eine vorbereitete Choreographie in der Nacht vor dem Halbfinale offenbar vom Reinigungsdienst massiv beschädigt wurde, kündigte die Ultragruppe Sottocultura Konsequenzen an. Der Vorfall sei nicht der erste und habe „das Fass zum Überlaufen gebracht“, hieß es in einem Flugblatt, das Verhältnis zum Verein sei „schwer belastet.“

Die Folge: „Ab dem nächsten Heimspiel gegen Augsburg stellen wir unsere Aktivitäten als Gruppe bei Heimspielen komplett ein.“ Eine Rückkehr zu „normalen Verhältnissen“ sei so lange nicht vorstellbar, bis sich grundlegende Dinge geändert hätten. Es passte ins Bild rund um den Borussia-Park, wo zumindest am Mittwoch von „normalen Verhältnissen“ nicht viel zu sehen war. Dazu saß der Frust noch immer viel zu tief. (sid)

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