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Werden sich beim Gipfeltreffen nicht gegenüberstehen: Franck Ribery (rechts) und Lukasz Piszczek.

Bayern München - Borussia Dortmund

Showdown in München

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Der FC Bayern München und Borussia Dortmund kämpfen vor dem Gipfeltreffen auf den Außenpositionen um die richtige Balance.

Vergangenen Sonntag ist Lukasz Piszczek bei Borussia Dortmund ins Training zurückgekehrt. Zwei Monate hat der Pole mit Fersenproblemen pausieren müssen, und es ist kein Zufall, dass sich seine Leidenszeit mit der seines Vereins überschnitt. Piszczek (33) hat dem BVB nicht nur als Rechtsverteidiger gefehlt. Noch schmerzlicher war sein Ausfall als Persönlichkeit, der den jüngeren Spielern Halt gibt, wenn es unruhig wird. Als Niko Kovac am Donnerstag die Bedeutung solcher Spieler für den FC Bayern erwähnte (der auf diesem Gebiet gerade ein Defizit hat), hätte er Piszczek als Beispiel nennen können.

Für die Startelf ist der Pole in München eher noch kein Kandidat. Dort dürfte am Samstag der gelernte Rechtsaußen Marius Wolf den Vorzug erhalten, der mal für den TSV 1860 kickte und im Vorjahr bei Eintracht Frankfurt groß aufspielte. Aktuell durchläuft er ein Umschulungsprogramm, das noch lange nicht abgeschlossen ist, aber vielversprechend anlief. Die rechte Abwehrseite ist das geringere Problem der Borussia.

Anders sieht es links aus. In weniger als einer halben Stunde verlor der BVB vor einer Woche gleich zwei Verteidiger. Abdou Diallo verletzte sich an der Wade, ist in München aber wieder an Bord. Achraf Hakimi brach sich einen Mittelfußknochen. Der Tabellenführer wird in München improvisieren müssen. Der leichtfüßige Raphael Guerreiro, der als Linksverteidiger gekommen war, sich aber in der Offensive unentbehrlich gemacht hat, fällt wegen muskulärer Probleme aus. Bleibt der zuletzt kaum berücksichtigte Marcel Schmelzer. 

Hoeneß: „Gegen Dortmund muss geliefert werden“

Vor Spitzenspielen wie am Samstag werden beide Teams gerne im direkten Vergleich gemessen, Position für Position. Ergiebiger ist diesmal jedoch der Blick auf jene Pärchen, die sich besonders häufig begegnen werden. Wenn die Borussen gerade ein mulmiges Gefühl beschleichen sollte, dann weniger wegen des Ausfalls von Torjäger Paco Alcacer. Der lässt sich durch Mario Götze womöglich auffangen. Bedrohlicher ist die Situation vor dem eigenen Tor, vor allem hinten links.

Wenn auch vieles beim FC Bayern in den vergangenen zwei Spielen zu wünschen übrig ließ, so ist die Besetzung des rechten Flügels doch über jeden Zweifel erhaben. Serge Gnabry hat mit seinen schnellen Füßen schon viele Abwehrreihen durchtrennt, über ihn schwärmte sein Trainer Niko Kovac einmal, der Angreifer sei „technisch so sauber, so stark. Man kann gar nicht sagen, ob er einen starken linken oder rechten Fuß hat.“ Sein Hintermann Joshua Kimmich wiederum ist als einer der besten Vorlagengeber der Liga anerkannt. Dieses Duo könnte der Schlüssel zum Sieg und zur Tabellenführung sein.

Es sei denn natürlich, die Entscheidung fällt auf dem anderen Flügel. Auch dort prallen eine furiose Offensive und eine geschwächte Defensive aufeinander. David Alaba hat zwar seine muskulären Probleme überwunden und am Donnerstag wieder das Mannschaftstraining aufgenommen. „Das sah gut aus“, berichtete Kovac anschließend, „ich gehe davon aus, dass er bereitsteht.“ Aber ein bisschen aus der Übung ist Alaba halt schon. Wegen diverser Beschwerden an Rücken und Wade hat der Österreicher in den vergangenen sechs Wochen nur zwei Partien bestritten, gegen Liverpool und Mainz, dazu kam ein Länderspiel. War er dabei, spielte er solide. Doch an die gute, alte Zeit, als er mit Franck Ribery Angst und Schrecken verbreitete, kommt er momentan nicht heran, und das liegt nicht nur am Alter des Franzosen.

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Am Sonntag feiert Ribery seinen 36. Geburtstag. Jadon Sancho ist zarte 19, aber in der Kategorie Flügelstürmer seit dieser Saison das Maß aller Dinge. Sancho versus Alaba kann mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit ein Duell des Abends werden wie Gnabry gegen Schmelzer). Der Engländer steht für all das, was auch die Bayern im Jahr des großen Umbruchs so eifrig suchen: Tempo, Jugend, Effizienz, Nervenstärke – und das alles zu einem unschlagbaren Preis (7,8 Millionen Euro). Mit 17 Torbeteiligungen ist er der beste Vorlagengeber der Liga. Selbst Joshua Kimmich (13) kann da nicht mithalten.

Trotz der hohen Erwartungen, die sie selbst an sich richten (Uli Hoeneß: „Gegen Dortmund muss geliefert werden“), werden die Bayern sich hüten, dem BVB eine allzu offene Flanke anzubieten. Sie haben zwei Punkte Rückstand aufzuholen, aber auch mehr als 90 Minuten Zeit dafür. Und sie haben reichlich Respekt vor einer Angriffsreihe, die aus dem Nichts ein Spektakel inszenieren kann.

„Die Mannschaft, die weniger Fehler macht, wird gewinnen“, ist sich Niko Kovac sicher. Streng genommen gilt das für jedes Fußballspiel, aber individuelle und kollektive Aussetzer sind in München gerade ein großes Thema. Kovac sprach unter dem Eindruck einer Pokalpartie, in dem seine Mannschaft Fehler für ein Dutzend Spiele produziert hatte. In Dortmund wird man genau hingeschaut haben.

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