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War einfach nicht zu überwinden: Barcelona-Keeper Marc-André ter Stegen pariert gegen Vincius (l.).

Clasico in Spanien

Gigant schlägt Dieseltraktor

Die deutschen Nationalspieler ter Stegen und Kroos nehmen beim 3:0 des FC Barcelona gegen Real Madrid entscheidende Rollen ein - wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise.

Unterschiedlicher hätte der Gemütszustand der beiden Deutschen nicht sein können: Marc-André ter Stegen lag seinen Kollegen jubelnd im Arm, Toni Kroos lief mit gesenktem Haupt über den Rasen. Gerade hatte der FC Barcelona das Halbfinal-Rückspiel des spanischen Pokals mit 3:0 (0:0) bei Real Madrid für sich entschieden und war nach dem 1:1 im Hinspiel ins Endspiel am 25. Mai eingezogen - in erster Linie dank Torhüter ter Stegen. Die spanische Presse bezeichnete den Keeper wahlweise als „Gigant“, „unüberwindbare Mauer“ oder „kalt wie Stahl“.

Die deutsche Nummer zwei war bester Mann seiner Elf - mal wieder. Das deutliche Ergebnis spiegelte den Verlauf der Partie nicht wider. Nach dem 1:1 im Camp Nou war Real vor eigenem Publikum über weite Strecken das gefährlichere Team. Vor allem der junge Brasilianer Vinicius wirbelte die Gästeabwehr immer wieder durcheinander. Doch die Abschlussschwäche des 18-Jährigen und der deutsche Keeper ter Stegen verhinderten Tore des Gastgebers.

Beim Stand von 0:0 rettete der ehemalige Gladbacher jeweils gegen die allein vor ihm stehenden Vinicius und Karim Benzema, nach der Pause verhinderte er mit einer spektakulären Parade ein Kopfballtor von Sergio Reguilon (62.). Neben ter Stegen waren auch Doppeltorschütze Luis Suarez (50./73. Foulelfmeter) sowie der frühere Dortmunder Bundesligaprofi Ousmane Dembele als Flankengeber für den Barça-Sieg entscheidend. Raphael Varane erzielte per Eigentor (69.) das 0:2. Am Samstag stehen sich die beiden Erzrivalen im Ligaspiel im Bernabeu-Stadion erneut gegenüber. Tabellenführer Barcelona und den Tabellendritten Real trennen vor dem nächsten Clasico aber schon neun Punkte.

In die Kritik bei Real Madrid ist deshalb auch der deutsche Ex-Weltmeister Toni Kroos geraten. Bernd Schuster, einstige Ikone der Hauptstädter, ließ kein gutes Haar am Mittelfeldmann: „Über meinen Landsmann spreche ich schon gar nicht mehr. Kroos ist in diesem Moment ein Dieseltraktor, er trabt nur vor sich her und macht nichts“, sagte der Europameister von 1980. Der ehemalige Münchner und Leverkusener Kroos war nach dem bitteren Rückschlag gegen Barcelona zwar enttäuscht, zeigte aber Zweckoptimismus. „Es schmerzt noch immer“, schrieb der 29-Jährige auf Instagram, „aber ich bin stolz auf das Team. Auf die Art und Weise, wie wir gespielt haben. Kopf hoch.“

Dennoch: Als Suarez mit einem frechen Panenka-Elfmeter zum Endstand traf, sank die Stimmung bei den Königlichen im heimischen Estadio Santiago Bernabeu endgültig in den Keller. Nach der nächsten Demütigung gegen Barca und dem Aus im Pokal bleibt Real nur noch eine letzte Titelhoffnung in der Champions League - es wäre der vierte Königsklassen-Erfolg nacheinander. Real-Trainer Santiago Solari schlug in die gleiche Kerbe wie Spieler Kroos. „Wir sind mit Ehre gefallen. Wir haben alles versucht, aber waren nicht energisch genug“, sagte der Argentinier. Solari, der seit vergangenen Oktober auf der Trainerbank sitzt, ist in Madrid allerdings nicht mehr unumstritten. Frühere Leistungsträger wie Gareth Bale, Isco oder Marcelo haben ihren Stammplatz trotz des Abgangs von Superstar Cristiano Ronaldo verloren und sind offenkundig unglücklich. Außerdem sorgten schwache Leistungen in der Liga und in der Königsklasse immer wieder für Kritik.

Die Katalanen streben nach den jüngsten Erfolgen dagegen das Triple aus Liga, Pokal und Champions League an. „Wir wollen alles gewinnen“, sagte Trainer Ernesto Valverde, „das wollen auch unsere Fans“. Barcelona erreichte das sechste Pokalfinale nacheinander. Die Katalanen um Superstar Lionel Messi, der in Madrid blass blieb und Suarez sogar den Elfmeter überließ, haben die vergangenen vier Ausgaben der Copa del Rey, des Königspokals gewonnen. (dpa/sid/FR)

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