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Hat gerade einen Lauf: der Wolfsburger Stürmer Daniel Ginczek.

Bundesliga

Gierige Wölfe

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Der VfL Wolfsburg befindet sich in der Bundesliga im Aufwind - ein Stürmer hat großen Anteil daran.

Arbeit. Fußball. Leidenschaft. So lautet seit geraumer Zeit der Gleichklang beim VfL Wolfsburg, um das Verbindende für einen Standort zu betonen, an dem die Grenzen zwischen Stadt, Verein und Werk so fließend sind wie nirgendwo anders in der Bundesliga. Der Startschuss der Kampagne fiel mitten in jene Sinnkrise, die mit dem Dieselskandal auch die Fußballtochter ergriff. Zweimal bewahrte ein üppig ausstaffierter Klub erst in der Relegation seine Bundesliga-Zugehörigkeit, was nicht nur den VW-Bossen die Schamesröte ins Gesicht trieb.

Als Jörg Schmadtke im Sommer als neuer Geschäftsführer anfing, war der neue Macher zwar einerseits über die perfekte Infrastruktur verblüfft, aber auch vom erschütterten Selbstwertgefühl erschrocken. 20 Jahre Bundesliga-Zugehörigkeit seien überlagert worden von den vergangenen beiden Jahren: „Das hat alles gedrückt.“ Dazu hätten Leitlinien und Orientierungshilfen gefehlt, „auch ein bisschen mehr Selbstverständnis und so einen kleinen Touch mehr Arroganz, den der VfL Wolfsburg schon vertragen kann.“ Deutscher Meister 2009, Vizemeister 2015, im gleichen Jahr auch Pokalsieger – das kann sich doch nicht alles verflüchtigt haben?

Am Sonntag im Wontorra-Talk auf Sky hat der 54-jährige Rheinländer klargestellt, dass die Blickrichtung möglichst bald wieder nach oben gehen sollte. „Mittelfristig muss es heißen, dass wir mit unseren Möglichkeiten unter die ersten Sechs rutschen müssen.“ Aktuell ist der VfL vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (Dienstag, 20.30 Uhr) Achter. Mit stark steigender Tendenz nach zehn Punkten aus den vergangenen vier Spielen.

Die Niedersachsen verblüffen mit Widerstandsfähigkeit und Wehrhaftigkeit. Trainer Bruno Labbadia hat der Mannschaft eine Mentalität vermittelt, die ihr lange völlig abging. Die Spieler laufen, sie kämpfen, sie kratzen, sie beißen. So wie hungrige Wölfe, die im Rudel so lange die Beute jagen, bis sie zur Strecke gebracht ist. Maximilian Arnold, der als mit Abstand dienstältester Profi schon alle Höhen und Tiefen erlebt hat, weiß, welch schleichendes Gift die fehlende Identifikation sein kann. Aber gerade würden Alt und Jung, die bewährten Kräfte und die neuen Kadermitglieder gut zusammenwachsen.

„Die vergangenen vier Spiele waren extrem wichtig, um Boden unter die Füße zu bekommen“, sagt Schmadtke. „Und dann schauen wir, wo wir noch hinrennen können.“ Nur mal so: In seiner Meistersaison 2008/2009 startete der VfL Wolfsburg nach der Halbserie von Platz neun. 26 Punkte. Diese Marke ist nun wieder realistisch. Der Titel natürlich nicht. Aber der Preis für den Spieler des Monats Dezembers könnte in die Autostadt gehen. Daniel Ginczek war an sechs der letzten sieben Toren beteiligt. Nach seinem Treffer in Nürnberg tritt der 27-Jährige heute gegen seinen zweiten Ex-Klub an.

Schmadtke nutzte im Sommer die Gunst der Stunde, für zehn Millionen Euro aus Stuttgart einen Stürmer loszueisen, der an der Seite von Mario Gomez funktionierte. In Wolfsburg dauerte es, bis Labbadia auf dieselbe Kombination aus zwei Wuchtbrummen setzte. „Es gab Spiele, da bin ich abends nach Hause gekommen und war einfach sauer auf alles“, gibt Ginczek zu. Nun bildet er (1,90 Meter/85 Kilo) zusammen mit dem für elf Millionen Euro aus Alkmaar transferierten Wout Weghorst (1,97/ 84) ein Duo von enormer Durchschlagskraft.

„In unserem Fall spielen zwei Angreifer zusammen, die sich viel und gerne bewegen. Wenn einer nur vorne auf die verwertbaren Bälle wartet, wird es kompliziert“, erklärt Schmadtke. Ginczek sei sogar einer, den sich der Bundestrainer Joachim Löw ruhig mal ansehen dürfe. „Es gibt nur eine überschaubare Größe deutscher Spieler, die für die Mittelstürmerposition infrage kommen. Wenn er diese Performance über einen längeren Zeitraum hält, dann kann das ein Thema werden.“ Denselben Satz hat auch Ginczek bereits aufgesagt. Mit einem Zusatz: dass das nächste Länderspiel im März 2019 in Wolfsburg stattfindet.

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