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Fifa-Präsident Gianni Infantino hat eine ganz eigene Denkweise.

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Gianni Infantino - ziemlich durchgeknallt

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Fifa-Präsident Gianni Infantino hat offenbar nicht mehr alle Kugeln in der Schüssel. Ein Kommentar.

Es war eine leichtere, angenehmere Zeit, als man Gianni Infantino noch milde belächeln konnte als den Herrn der Kugeln. Wann immer eine Auslosung stattfand bei der Uefa, dem europäischen Fußballverband, trat Infantino aus den Kulissen, um auf grell ausgeleuchteter Bühne Zettel aus Plastikbällen zu fummeln. Dass der Mann mit der glänzenden Glatze dabei aussah, als schraube er seinen eigenen Schädel in Schrumpfform auf, war eine amüsante Randnotiz, und als er in der Saison 2012/13 den Verlauf der Champions League so geschickt zusammenloste, dass im Finale in Wembley Borussia Dortmund und Bayern München gegeneinander spielten, empfand man gar Dankbarkeit. Oder so.

Ach, Gianni, wärst du nur bei deinen Kugeln geblieben. Inzwischen ist der Weltmann aus der Schweiz ja Fifa-Präsident, man lächelt nicht mehr, er sagt jetzt Sätze wie: „Was ein bisschen lustig ist, ist, dass in jedem anderen Geschäft, wenn (…) der Vorsitzende kommt und sagt, ich habe (…) 25 Milliarden, dann sagt man vielleicht nicht Glückwunsch, aber vielleicht wenigstens: nicht schlecht.“ Das ist ganz aktuell, es geht um einen Investorenofferte für die Vermarktung einer reformierten Klub-WM und einer neuen Global Nations League. Um die voranschreitende Zersetzung des Fußballs durch monetäre Interessen, könnte man auch sagen, und lustig ist das eher nicht.

Bei einer anderen aktuellen Aussage Infantinos hätte man zwar fast gelacht, aber schnell war dann klar, dass es der Fifa-Chef auch in dieser Sache ernst meint. Wenn sich Donald Trump und Kim Jong-Un an einen Tisch setzen, behauptet Meister Proper, dann kann auch schon die WM 2022 im kleinen Katar mit 48 Mannschaften gespielt werden. Denn: Das Treffen des US-Präsidenten mit dem nordkoreanischen Machthaber in Hanoi zeige doch, dass „alles möglich ist“, sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes am Mittwoch in Rom. Also auch eine gemeinsame Ausrichtung einer Mega-WM der derzeit tief verfeindeten Ländern am Persischen Golf.

Das zeigt zweierlei. Erstens: Dass man davon ausgehen darf, dass die unsägliche Aufblähung der WM für 2022 von 32 auf 48 Teams längst ausgemacht ist, vor Abschluss der Machbarkeitsstudie. Und zweitens: Dass Gianni Infantino offenbar nicht mehr alle Kugeln in der Schüssel hat. Da wünscht man sich fast den guten alten Blatter Sepp zurück an die Spitze der Fifa, ebenfalls Schweizer, ebenfalls nachgerade durchgeknallt.

So weit ist es also schon.

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