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Gianluigi Donnarumma: Der Herzschmerz-Torwart aus Italien

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Von: Frank Hellmann

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Erst 23 Jahre alt, aber schon mit weit mehr als 300 Pflichtspielen: Gianluigi Donnarumma.
Erst 23 Jahre alt, aber schon mit weit mehr als 300 Pflichtspielen: Gianluigi Donnarumma. © AFP

Italiens Gianluigi Donnarumma kämpft um den Status als weltbester Keeper - auch gegen Manuel Neuer.

Es sah kurzzeitig besorgniserregend aus, wie sich Gianluigi Donnarumma vor zehn Tagen sein Torwarttrikot hochzog, um sich mit der rechten Hand die Tränen aus den Augen zu wischen. Die linke Pranke hatte er derweil in die Obhut eines Betreuers gelegt, der mit einem Eisbeutel kühlte. Es schien nach dem Nations-League-Auftakt zwischen Italien und Deutschland (1:1) in Bologna etwas Schlimmeres mit dem Ballfänger der Squadra Azzurra passiert, der kurz vor Schluss mit dem deutschen Abwehrspieler Antonio Rüdiger kollidiert war. Zusammenstoß zweier Körper mit der Konstitution eines Rammbocks – das konnte ja kaum gut gehen. Oder doch?

Nationaltrainer Roberto Mancini hat damals schnelle Entwarnung übermittelt. „Er hat ein Problem mit dem Finger, aber er hat ja neun weitere“, witzelte der Coach. Sein Keeper spielte danach gegen Ungarn (2:1) und in England (0:0) durch und nun auch in Deutschland, wo Manuel Neuer aktuell gerade wieder als der beste Torwart der Welt genannt wird. Doch von einem Duell in Mönchengladbach um die Deutungshoheit auf der Torwartposition wollte Neuer wenig wissen.

Ein solches Urteil stehe ihm nicht zu, beschied der deutsche Kapitän. Sein Gegenüber habe sicher „gute Leistungen“ gezeigt, so der 36-Jährige, „doch es geht nicht um den Vergleich zwischen Gigi und mir. Ich denke, dass es sehr viele super Torleute gibt, die auf einem ganz hohen Niveau spielen.“ Man müsse doch nur mal in die DFB-Reihen schauen. Da ist es ja so, dass der Europa-League-Triumphator Kevin Trapp nun auch im Borussia-Park wieder zuschauen muss, weil die deutsche Nummer eins im WM-Vorlauf jedes Spiel machen will.

Nicht anderes verhält es sich bei seinem italienischen Gegenüber: Der 23-Jährige hat zuletzt mit der Nullnummer bei der Neuauflage des EM-Finals – nur in Wolverhampton statt Wembley – wieder ein persönliches Erfolgserlebnis verbucht. Ein echter Halt für seine Vorderleute. Was für ihn nach einem wechselvollen Jahr nicht unwichtig war.

Frühreifes Wunderkind

Donnarumma, frühreifes Wunderkind, gefühlt mit 16 bereits volljährig, war vor einem Jahr ganz oben angekommen: entscheidenden Elfer im EM-Endspiel gehalten, starkes Turnier gespielt und in Wembley auch noch schnell zum besten Spieler der EM gekürt. Mehr ging nicht.

„Donnarummissimo statt Dollarumma“ schrieb die „Süddeutsche Zeitung“, weil sich der geldgierige Raffzahn in den gefeierten Helden verwandelte. Doch dann vermochte der bärtige Jüngling mit den weit mehr als 300 Pflichtspielen (davon 46 Länderspiele) auf dem breiten Buckel diesen Anspruch nach seinem Wechsel zu Paris St. Germain nicht mehr halten. PSG-Trainer Mauricio Pochettino praktizierte eine Arbeitsteilung mit dem beliebten Routinier Keylor Navas. Unter dem Strich absolvierte der aus Castellammare di Stabia am Golf von Neapel stammende Donnarumma vergangene Spielzeit nur 23 Pflichtspiele bei seinem Arbeitgeber und machte gerade im wichtigsten Spiel keine gute Figur – das Königsklassen-Aus in Madrid ging mit auf seine Kappe.

Vielleicht auch deshalb sagte er kürzlich: „Ich weiß, dass ich mehr erreichen kann. Andererseits habe ich nur die Hälfte der Spiele bestritten, was nicht einfach war.“ Angeblich soll der 35 Jahre alte Costa-Ricaner Navas in diesem Sommer verkauft werden. Donnarumma muss sich einen Status quo als kommender Welttorhüter trotzdem selbst erarbeiten. Diese Wahl entschied im vergangenen Jahr etwas überraschend Edouard Mendy vom FC Chelsea für sich; erst danach folgten Donnarumma und Neuer.

Gerade steht der Belgier Thibaut Courtois von Real Madrid wegen seiner Champions-League-Gala in der Hierarchie vorne, doch klar ist, dass bis zur endgültigen Bewertung auch die WM in Katar zählen wird. Entscheidend wird sein, wie weit I Deutschland oder Belgien unter Zutun ihrer hünenhaften Heroen kommen. Und Donnarumma kann, gezwungenermaßen halt, seinen lädierten Finger schonen..

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