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Der G&G-Faktor

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Von: Jan Christian Müller

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Mario Gomez (r) bejubelt das 0:1 in Freiburg mit Mannschaftskamerad Daniel Ginczek.
Mario Gomez (r) bejubelt das 0:1 in Freiburg mit Mannschaftskamerad Daniel Ginczek. © Patrick Seeger (dpa)

In Stuttgart funktioniert der Einsatz von zwei ähnlichen Spielertypen im Sturm blendend. Ein Kommentar.

Man kann sich gut vorstellen, dass sich der fürs Sportliche verantwortliche Olaf Rebbe derzeit in Wolfsburg aus der Führungsetage des Volkswagen-Konzerns ein paar schmutzige Lieder anhören muss. Dem Vernehmen nach sollen die Grundtöne jedenfalls schrill sein. Denn den Retter der vergangenen Saison, Mario Gomez, hat Rebbe mit ausdrücklicher Unterstützung des damaligen Trainers Martin Schmidt nach dessen schwacher Vorrunde für ein Taschengeld zu einem unmittelbaren Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt ziehen lassen. Erstens, weil Gomez sich das gewünscht hatte, zweitens aber auch, weil Wolfsburg sich dem Wunsch nicht großartig verwehrte. Denn der VfL wollte stattdessen mit schnelleren Spielern variabler über die Flügel stürmen und sich nicht mehr bloß auf einen Knipser vom Format Gomez verlassen. So weit die Theorie. In der Praxis hat der ganze VfL Wolfsburg seitdem sieben Tore erzielt und damit sechs Punkte geholt. Währenddessen traf  Gomez ganz allein in seiner alten Heimat Stuttgart nur einmal weniger, nämlich genau sechs Mal, als die ehemaligen VfL-Kollegen gemeinsam. 20 Punkte, 14 mehr als Wolfsburg, haben die Schwaben derweil aufs Konto geschaufelt.

Bemerkenswerte Parallele

Eine bemerkenswerte Parallele zwischen Wolfsburg und Stuttgart gibt es: An beiden Standorten ist der Chefcoach auf eigenes Betreiben durch einen anderen ersetzt worden. In bemerkenswert selbstreflektierter Haltung haben sowohl Martin Schmidt als auch Hannes Wolf ihre Ablösung forciert. Mit allerdings völlig unterschiedlichen Folgen: In Wolfsburg übergab Schmidt eine tief verunsicherte Mannschaft an Bruno Labbadia, die ihre Identität als spielstarkes Team völlig verloren zu haben scheint. In Stuttgart übernahm Tayfun Korkut eine Truppe, deren defensive Struktur stabil genug war, um vorne zwei klassische Mittelstürmer oben drauf zu setzen: Eben Mario Gomez und den wiedergenesenen Daniel Ginczek. Seit Uwe Seeler und Gerd Müllers erfolgreicher Zusammenarbeit bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko hat kaum ein Trainer mehr gewagt, zwei derart ähnliche Spielertypen gemeinsam angreifen zu lassen. In Stuttgart funktioniert es blendend, auch deshalb, weil der G&G-Sturm sich nicht zu schade ist, entgegen ihres Naturells intensiv bei der Jagd nach verloren gegangenen Bällen mitzumachen. Das ist im Abstiegskampf die unabdingbare Basis, auf der in Stuttgart nun plötzlich und gänzlich unerwartet Chancen auf einen Platz in Europa wachsen. Natürlich ist Korkut dafür zu einem Gutteil verantwortlich. Es ist gar nicht hoch genug zu würdigen, wie er Stuttgart trotz erheblicher Vorbehalte in der öffentlichen Bewertung und einer Anti-Willkommenskultur der VfB-Fans bei seinem Trainingsauftakt auf Kurs gebracht hat. Es steht allerdings auch zu vermuten, dass dies nur dank der soliden Arbeit seines Vorgängers Hannes Wolf gelingen konnte, dem zudem Respekt dafür gebührt, auf die branchenüblichen Durchhalteparolen gänzlich verzichtet und sein Amt stattdessen zeitig zur Verfügung gestellt zu haben.

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