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Dieser Wechsel war keine gute Idee: Wolfsburgs Trainer Mark van Bommel (rechts), mit Admir Mehmedi, dessen verbotene Einwechselung die Wolfsburger im Nachhinein noch den Einzug in die zweite Pokalrunde kosten dürfte.
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Dieser Wechsel war keine gute Idee: Wolfsburgs Trainer Mark van Bommel (rechts), mit Admir Mehmedi, dessen verbotene Einwechselung die Wolfsburger im Nachhinein noch den Einzug in die zweite Pokalrunde kosten dürfte.

Wechselfehler beim VfL Wolfsburg

Gewaltiger Imageschaden

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Mit einem Wechselfehler steht Trainer Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg gleich in der Kritik - da hilft es ihm auch nicht, dass schon Legenden ähnliches unterlief

Mark van Bommel weiß aus eigener Erfahrung selbst am besten, was die Autorität eines Trainers ausmacht. „Spieler spüren es, wenn nichts dahintersteckt, was man erzählt.“ Glaubwürdigkeit als oberstes Gut. Insofern hätte das Pflichtspieldebüt des langjährigen Bundesligaspielers vom FC Bayern auf der Trainerbank des VfL Wolfsburg schlechter kaum ausfallen können: Ein peinlicher Wechselfehler wird den Niedersachsen vermutlich den mit 3:1 nach Verlängerung bei Regionalligist Preußen Münster ohnehin schwer erkämpften Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals kosten.

Viel schlimmer als der finanzielle Schaden ist der Imageverlust, wenn das DFB-Sportgericht einem möglichen Protest der Münsteraner Recht gibt. Alles läuft auf eine Niederlage am Grünen Tisch hinaus. Denn die Durchführungsbestimmungen für den deutschen Cup-Wettbewerb sind eindeutig: „Während des Spiels dürfen fünf Spieler ausgetauscht werden. Eine darüber hinaus gehende zusätzliche Auswechslung bei Spielen mit Verlängerung ist nicht zulässig.“ Van Bommel und sein großer Helferstab glaubten aber wohl, dass analog zur Europameisterschaft die Verlängerung eine sechste Wechseloption eröffnet – und so kam der Schweizer Admir Mehmedi in der 103. Minute für Maximilian Philipp als sechster Einwechselspieler. Schiedsrichter Christian Dingert vermerkte den Regelverstoß im Spielbericht.

Jörg Schmadtke mit feiner Spitze

VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke sprach am Montag von einem Wechselfehler, der „ausgesprochen ärgerlich, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen“ sei. Man werde das Thema intern analysieren und dafür Sorge tragen, „dass so etwas künftig nicht mehr passiert“. Personelle Konsequenzen werde es nicht geben. „Bei allem Ärger und Frust sollte man aber auch dabei den Ball etwas flacher halten. Auch wenn wir kurzzeitig darüber nachgedacht hatten, alle Beteiligten zu einem Volkshochschul-Grundkurs ‚Richtig Lesen‘ anzumelden, nach reiflicher Überlegung davon aber abgesehen haben.“

Die Leseschwäche wird der Mutterkonzern VW als 100-prozentiger Eigner der Fußball GmbH kaum so komisch finden. Die aufwändigen Inszenierungen als Sponsor und Mobilitätspartner von Uefa und DFB sind Teil einer ausgeklügelten, teuren Imagekampagne, um dem Konzern das Bemühen um Nachhaltigkeit abzunehmen. Da kommt ein amateurhafter Wechselfehler des Champions-League-Teilnehmers im Münsterland nicht ganz so gut.

2004 musste Manager Peter Pander gehen

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass es eine solche Peinlichkeit in Wolfsburg schon gegeben hat. 2004 bot Trainer Eric Gerets gegen die Amateure des 1. FC Köln den nach einer Roten Karten für seinen früheren Verein 1. FC Kaiserslautern nicht spielberechtigten Marian Hristov auf. Der langjährige VfL-Manager Peter Pander trat Tage später nach Gesprächen mit den Autobossen zurück. Heute könnte sich ein derartiges Missgeschick nicht wiederholen, weil die digitalen Spielberichte die nicht einsatzberechtigten Akteure gar nicht erfassen. Doch alles menschliche Versagen schließen auch die elektronischen Vorkehrungen nicht aus.

Ausgerechnet van Bommel, 44, in aktiven Zeiten für seine aggressive, aber ebenso akribische Herangehensweise gefürchtet wie geschätzt, legt damit einen denkbar schlechten Einstand hin. Der Niederländer hatte sich auch deshalb für Wolfsburg entschieden, weil er dort „in Ruhe“ arbeiten wollte. Damit ist es nun schon vor dem Ligastart vorbei. Dabei befindet er sich mit seinem Wechselfehler in prominenter Gesellschaft. Der später auch in Wolfsburg tätige Klaus Augenthaler avancierte vor einem Vierteljahrhundert in seiner Trainerlehrzeit beim FC Bayern zum Gespött, weil der Assistent gegen Fortuna Düsseldorf neben drei Feldspielern auch noch Ersatzkeeper Andreas Probst einwechselte. Die Fortuna erhob gegen das bedeutungslose 2:2 am letzten Spieltag zwar keinen Einspruch, aber „Auge“ grummelte: „Amateure, Ausländern, neue Regeln – da brauchst‘ fast a Sekretärin“.

Auch Otto Rehhagel lag mal daneben

Die hätte auch Meistertrainern wie Udo Lattek, Otto Rehhagel oder Hennes Weisweiler helfen können. Bayerns Lattek leistete sich 1971 mit dem jungen Günther Rybarczyk eine unerlaubte dritte Einwechslung, der Bremer Rehhagel irrte 1976 mit dem ersten Bundesliga-Afrikaner Ibrahim Sunday, 1977 schickte der Kölner Weisweiler auch einen Ausländer zu viel aufs Feld, Roger van Gool. Den folgenschwersten Verstoß beging Christoph Daum, als der Stuttgarter Meistermacher 1992 im Europapokal der Landesmeister gegen Leeds United mit Jovica Simanic einen vierten Ausländer einwechselte. Im Wiederholungsspiel flog der VfB raus.

Nachdem sich zwischenzeitlich Giovanni Trapattoni bei den Bayern mit den Amateuren verrechnete, war im September 1998 noch mal Rehhagel an der Reihe, als er in der Hektik vier Nicht-Europäer für Kaiserslautern auf den Rasen geschickte hatte. Kurz darauf legte der Ägypter Hany Ramzy eine Schauspieleinlage hin, um sich verletzt auswechseln zu lassen. Weil das Bundesligaspiel des FCK gegen den VfL Bochum ohnehin verloren ging, blieb der Protest nach der Schmierenkomödie am Betzenberg aus. Und Rehhagels Ruf litt auch nicht wirklich: „König Otto“ hatte sich mit der Meisterschaft gerade sein Denkmal in der Pfalz erschaffen.

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