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Corona ist sein Hauptthema: Helmut Spahn.
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Corona ist sein Hauptthema: Helmut Spahn.

Fifa-Sicherheitschef Spahn im Interview

„Gesundheit steht über allem“

Fifa-Sicherheitschef Helmut Spahn über die Weltmeisterschaft 2022 in Katar und die Lehren des Klub-Turniers.

Herr Spahn, Sie waren als Fifa-Sicherheitschef bei der Klub-WM in Katar. Welche Eindrücke haben Sie mit Blick auf die WM 2022 gewonnen?

Als erstes hoffe ich, dass wir 2022 nicht mehr in dieser Situation sind wie aktuell und die Pandemie weitestgehend unter Kontrolle ist. Ich bin ja unter anderem auch für das Covid-19-Sicherheitsprotokoll der Fifa zuständig. Die WM 2022 hat ja schon begonnen, mit den weltweiten Qualifikationsspielen. Da reden wir über fast 800 Spiele auf allen Kontinenten, und wir müssen auch die Einreise von Spielern sicherstellen. Alles in allem gilt für die Klub-WM: Was dort organisiert wurde, war sehr gut.

Der Virus-Schutz scheint alles andere mittlerweile komplett überlagert zu haben?

Das ist richtig, aber auch notwendig. Meine Aufgaben drehten sich in den letzten Monaten fast ausschließlich um Covid-19. Ich habe mit meinem Team fast nur an Tools gearbeitet, um Spiele möglich machen zu können. Andere Sicherheitsfragen spielen derzeit eine untergeordnete Rolle.

Wie sehen Sie Katar in punkto Hygienekonzept aufgestellt?

Sehr gut. Wir hatten klare Bestimmungen und Konzepte. Das ist in einem kleinen Land mit 2,7 Millionen Einwohnern vielleicht auch etwas einfacher zu organisieren als mitten in Europa. Wir mussten einen negativen Test in Deutschland vorweisen, am Flughafen in Doha wurden wir erneut getestet und mussten dann direkt ins Hotel. Zudem mussten wir eine Corona-App runterladen. Wenn die nicht auf grün schaltete, konntest du nirgendwo hin. Das wurde auch strikt kontrolliert. Ich wurde in zehn Tagen insgesamt fünfmal getestet. Die Mannschaften waren ja ohnehin komplett in der Bubble.

In den Stadien waren Zuschauer erlaubt. Skizzieren Sie doch mal die Abläufe: Wie und unter welchen Umständen durften Zuschauer rein? Und wie wurde das strukturell gelöst?

Maximal 20 Prozent der Zuschauerkapazität war erlaubt. Wir hatten etwa 7500 Zuschauer in den Stadien mit rund 40 000 Kapazität. Zuschauer bewarben sich dabei online um ein Ticket. In Doha musste jeder in einem Testcenter einen Test absolvieren. Nur wer negativ getestet wurde, bekam ein physisches Ticket überreicht. Zudem musstest du die App installiert haben, die wirklich gut funktioniert hat. Nur wenn der Barcode grün aufleuchtete, konntest du dann ins Stadion. Dort waren also definitiv nur getestete Zuschauer.

Gab es Ideen/Umsetzungen, die auch für europäische Ligen überlegenswert wären?

Ich bin der Meinung, dass wir mit einem robusten Hygienekonzept mit Zuschauern spielen könnten. Du brauchst dafür Disziplin und eine gewisse Flexibilität, auch in Sachen Datenschutz. Mit 20 Prozent Zuschauerauslastung könnte man zum Beispiel Freiluft-Events organisieren. Die Frage ist dann aber: Rechnet sich das?

Zur Person

Helmut Spahn , der Sicherheitschef des Weltfußball-Verbandes Fifa, ist nach seiner Rückkehr von der Klub-WM in Katar wieder im Homeoffice. Die Pandemie schränkt auch den Weltreisenden in Sachen Fußball ein. Im Interview erklärt der 59-Jährige Ex-Präsident von Kickers Offenbach, wie er es nach den Erfahrungen in Katar für möglich hält, auch hierzulande mit Zuschauern zu spielen. FR

Die Austragung der Klub-WM stand ja schon vor der Corona-Infektion von Bayern-Star Thomas Müller in der Kritik. Ein neuseeländischer Klub sagte die Teilnahme ab, sechs andere flogen teils rund um die Welt, um am Turnier teilzunehmen. Sind das nicht zu viele Privilegien, die sich der Profifußball herausnimmt?

Ich kann Leute verstehen, die dieser Argumentation folgen. Aber wir gehen ja auch einem Job nach und müssen versuchen, das zu realisieren. Für uns steht aber ganz oben: Gesundheit steht über allem. Wir hätten diese Klub-WM gar nicht durchgeführt, wenn das Turnier nicht sicher gewesen wäre. Mehr als die Maßnahmen, die getroffen wurden, geht nicht. Prinzipiell gilt: Einfach den Kopf in den Sand stecken und nichts machen, ist auch keine Lösung. Die Bundesliga und die Champions League sehen auch Millionen Zuschauer am Fernsehen und freuen sich auf diese schöne Abwechslung in Zeiten der Pandemie. Ich habe allerdings eine klare Meinung zum Thema Impfen. Da gibt es eine Reihenfolge, und an der sollte nicht gerüttelt werden.

Wie haben Sie die Atmosphäre bei den Spielen wahrgenommen?

Live in den Stadien, die alle topmodern sind, war sie ausgesprochen gut, auch wenn das im Fernsehen nicht komplett so rüber kam. Aber die Spieler haben selbst gesagt, dass sie es genossen haben, mal wieder vor Zuschauern zu spielen.

Der Fußball, so die Kritik der Basis, entfernt sich immer mehr von seinen Anhängern. Verstärkt eine Weltmeisterschaft in einem Land ohne jede Fußball-Tradition diese Tendenz nicht noch mehr?

Katar wurde 2010 ausgewählt, wir haben jetzt 2021. Das sind Themen, die seither hoch und runter diskutiert wurden. Fakt ist: Die Kataris geben alles, um eine Top-WM zu organisieren. Die Stadien werden fantastisch sein, alle rechtzeitig fertig werden. Wir waren im November da, da waren es 26 Grad und blauer Himmel. Viele Fans freuen sich darauf, denn es wird eine kompakte WM werden. Man braucht nur einen Flug, ein Hotelzimmer und ist schnell in den verschiedenen Stadien, die in einem Radius von 50 Kilometern liegen.

Sie sind seit Jahren beruflich mit Katar und der Golfregion eng verbunden. Wie stehen Sie zur internationalen Kritik an Katar mit Blick auf Stichworte wie Menschenrechte, Rolle der Frau, Arbeitsbedingungen ausländischer Arbeiter?

Als ich 2011 nach Katar gezogen bin, war das Kafala-System (ein umstrittenes Bürgen-Modell für Gastarbeiter mit oft sklavenähnlichen Ausformungen; Anm. d. Red.) noch komplett implementiert. Das ist mittlerweile obsolet. Im Land gibt es eine jüngere Generation, die sich über die Öffnung freut, aber eben auch eine ältere, die die Reformen kritisch sieht. Für die Rechte der Gastarbeiter wurde mittlerweile vieles getan. Insgesamt muss man sagen: Was die Kataris in den letzten zehn Jahren auf den Weg gebracht haben, ist sehr positiv zu bewerten. Aber man muss konsequent weiterarbeiten, denn es gibt immer und überall, auch in unserem Land, Verbesserungsmöglichkeiten.

Ein Blick in die Glaskugel: Glauben Sie, dass 2022 eine WM in Katar ein unbeschwerter Treffpunkt für Fußballfans aus aller Welt sein kann?

Ich bin sicher, dass das so ist. Im November/Dezember dieses Jahres werden wir den Arab Cup als Test haben, an dem aktuell 22 asiatische und afrikanische Nationen teilnehmen werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen werden.

Interview: Jörg Moll

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