Torhüterin Merle Frohms.
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Torhüterin Merle Frohms.

Nationalmannschaft

Gesunden in der Nische

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft startet beim Algarve-Cup gegen das WM-Schreckgespenst Schweden in ein schwieriges Jahr.

An jedem Werktag stimmt sich inzwischen eine Koordinierungsgruppe beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) über die neueste Entwicklung zum Coronavirus ab. Alle Auslandsreisen der Mannschaften und Mitarbeiter stehen auf dem Prüfstand. Grünes Licht gab es für die Frauen-Nationalmannschaft, am Montag von Frankfurt nach Faro zum diesjährigen Algarve-Cup (4. bis 11. März) zu fliegen – anders als bei der weiblichen U20-Auswahl, deren Freundschaftsspielreise nach Japan abgesagt wurde.

„Das Risiko scheint aktuell äußerst gering, so dass man vielleicht eher die Portugiesen fragen müsste, ob sie in der Einreise der deutschen Mannschaft ein Risiko sehen“, sagt Tim Meyer als Leiter der Medizinischen Kommission. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg fügt mit einem Augenzwinkern an: „Wir haben das Glück, dass wir per Charter reisen, da haben wir nicht so viele fremde Menschen um uns herum.“ Und auch für überbordende Zuschauermassen ist das traditionelle Testturnier im Süden Europas nicht bekannt, selbst wenn Deutschland mit dem Klassiker gegen Schweden (Mittwoch 17.30 Uhr) startet.

Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams, nachdem die Skandinavierinnen bei der WM 2019 im französischen Rennes im Viertelfinale (1:2) das Stoppschild aufstellten. Doch diesen Aspekt spielt die Bundestrainerin herunter. „Eine Revanche ist nicht relevant. Wir waren seit November nicht mehr zusammen, haben vorher nur eine gemeinsame Trainingseinheit.“ Dänemark oder Norwegen (7. März) werden der zweite Gegner sein, es folgt ein Platzierungsspiel (10. März) oder bestenfalls das Endspiel (11. März) des erstmals im Playoffmodus geführten Achterturniers. Voss-Tecklenburg will „eine hohe Spielqualität sehen, neue taktische Varianten probieren und möglichst viele Spielerinnen einsetzen“. Die Resultate seien eher zweitrangig.

Rückläufige Zahlen

2020 ist für die Antreiberin mit Wohnsitz im niederrheinischen Straelen ein schwieriges Jahr: Der DFB will 50 Jahre nach Aufhebung des Frauenfußballverbots im eigenen Hause eigentlich Flagge zeigen. Der auch für die Frauen-Nationalmannschaften zuständige Direktor Oliver Bierhoff sprach kürzlich von der der Notwendigkeit, zurück in die Weltspitze zu gelangen. „Es hat ja lange keiner wahrhaben wollen, dass die anderen Nationen aufgeholt haben.“ Gleichzeitig gilt es, etwa die rückläufigen Zahlen kickender Frauen und Mädchen im DFB zu bekämpfen. Die Bundestrainerin tut, was sie kann. „Wir versuchen weiter, an der Basis präsent zu sein und auf uns aufmerksam zu machen“, verspricht die 52-Jährige. „Unser sportlicher Auftrag ist es, den Leuten Lust auf uns zu machen und junge Mädchen anzusprechen.“

Mit der vermasselten Olympia-Qualifikation fehlt ihrem Team in diesem Sommer dummerweise eine wichtige Bühne. Nun sollen ihre besten Talente wie Lena Oberdorf, Klara Bühl, Lea Schüller oder Giulia Gwinn, die teilweise schon zu Leistungsträgerinnen aufgestiegen sind, bei der U20-WM in Costa-Rica mitspielen, um internationale Erfahrung einzusammeln. Am Ende des Jahres, so der Plan, steht im Hinblick auf die EM 2021 ein Gerüst von acht bis neun Spielerinnen. Gesetzt sind bereits Torhüterin Merle Frohms als neue Nummer eins für die schwangere Almuth Schult, die mittlerweile volljährige Oberdorf als Abwehrchefin oder auch das Mittelfeld-Trio mit Lena Magull, Dzsenifer Marozsan und Sara Däbritz. „Wir haben gute Typen“, versichert die Trainerin, „wenn auch nicht jeder ein Charakterkopf ist, der Botschaften in die Welt hinausposaunt“.

Früher spielten beim Algarve-Cup auch Topnationen wie der Trendsetter USA und seiner Weltfußballerin und Vorkämpferin Megan Rapinoe mit. Doch der Weltmeister veranstaltet inzwischen seit 2016 das Einladungsturnier SheBelieves Cup, an dem auch Deutschland bis 2018 teilnahm, und bei dem wieder der EM-Ausrichter England mitspielt. Frankreich hat jetzt erstmals das Format „Tournoi de France“ mit Europameister Niederlande auf die Beine gestellt, um von der WM eine nachhaltige Hinterlassenschaft zu erzeugen. Voss-Tecklenburg war davon schlicht „überrascht“, in die USA wollte sie wegen der Reisestrapazen nicht. „Das macht nicht so viel Sinn.“

Daher nehmen die eigentlich nach mehr Aufmerksamkeit lechzenden DFB-Frauen die eher provinziell anmutende Bühne in den portugiesischen Spielorten Faro und Parchal in Kauf. Trotz intensiver Bemühungen, teilte der DFB am Montag mit, ließ sich kein deutscher Fernsehsender finden, der die Spiele überträgt. Und wegen technischer Probleme kommt nicht einmal bei DFB-TV eine Übertragung zustande.

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