Confed Cup

Gestrandet in Woronesch

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Auf dem Weg zum Confed Cup-Finale der Nationalmannschaft strandet unser Autor in einer Stadt, die niemals auf dem Flugplan stand. Was war passiert?

Vor dem Flughafen von Woronesch steht eine ausgediente russische Passagiermaschine. Das wissen wir, weil wir mit unserer fast 30-köpfigen Reportergruppe in dieser uns zuvor unbekannten Stadt in Zentralrussland gestrandet sind. Der Reihe nach.

Wir waren am Freitag um 13.10 Uhr pünktlich mit Ural Airlines nach Moskau, Flughafen Domodedovo, gestartet, von wo aus es am frühen Abend mit Siberia Air weitergehen sollte zum Finalort St. Petersburg. Just, als der Kapitän den Sinkflug einleitete, ging über Moskau ein furchterregender Gewittersturm hernieder. Der schlimmste seit 50 Jahren, wie später berichtet wurde. Wir irrten eine Dreiviertelstunde lang im Rundflug durch die Wolken. Es war kein schönes Gefühl. Irgendwann berichtete eine Stewardess, das Flugzeug würde nach Woronesch umgeleitet. Rund 500 Kilometer südlich von Moskau, fast schon wieder zurück am Starflughafen von Sotschi.

Wir waren froh, als die Maschine auf dem kleinen Airport komplikationslos gelandet war. Woronesch? Nie gehört. 900.000 Einwohner, ein kleiner Fleck in Putins Reich. Auf einem Bildschirm konnten wir in den Abendnachrichten die Bilder von den überfluteten Flughäfen Moskaus sehen. Nur gut, dass wir zeitig abgedreht waren und genug Kerosin im Tank hatten. Es muss ein Chaos geherrscht haben am Himmel über Moskau. Respekt für die Leistung der Fluglotsen und unser Cockpit.

Nach zweieinhalb Stunden in einem zunehmend stickigeren Warteraum wurden die Passagiere zurück zu Fuß über das Flugfeld  in den aufgetankten Flieger beordert.  Auch über uns verdunkelte sich jetzt der Himmel bedrohlich. Nach anderthalb weiteren Stunden wurden wir wieder in den Warteraum geschickt. Es hatte keine Starterlaubnis gegeben. Denn alle drei Moskauer Flughäfen waren wegen des Schlechtwetters  wieder dicht. Die Stimmung bei den weniger strapazierfähigen Mitgliedern unserer Reisegesellschaft sank spürbar. Unsere Reiseleitung besorgte zwei Minibusse und ein Hotel in der 30 Kilometer vom Flughafen entfernten City von Woronesch. Sehr schöne Herberge. Hilton. Das riesige Doppelbett: ein Traum. Ein Himmelbett.

Das Gepäck fliegt alleine weiter

Lediglich unser Reisegepäck befand sich nach wie vor im Bauch der Ural Airline, die inzwischen nach Moskau gestartet war. Immerhin gab es im Hilton ein Zahnbürsten-Set. Die Nacht von halb zwei bis halb sieben, nun ja, sie hätte länger sein können. Aber unser neu gebuchter Flieger der S7-Airlines sollte um 10.20 nach Moskau abheben, wo wir hofften, wieder auf unser Gepäck zu stoßen. Jemand hatte Deo besorgt. Eine gute Idee.

Den Samstagmorgen verbrachten wir, nach Vorbild des Freitagnachmittags und –abends, am Flughafen Woronesch, diesmal draußen vor dem Terminal mit Blick auf die ausgediente Passagiermaschine. Aufgrund der chaotischen Situation auf den Moskauer Flughäfen war unser Flug um dreieinhalb Stunden verspätet.

Der Anschlussflug von Moskau zu unserem Ziel im russischen Norden verspätete sich noch einmal um fast vier Stunden. Nach 36einhalb Stunden erreichten eine Gruppe schließlich erschöpft um kurz vor 22 Uhr unsere Herberge in St. Petersburg.  Die andere kam erst um halb zwei nachts an. Nach mehr als 40 Stunden. Aber immerhin: Das Gepäck war da. 

Nicht das erste Mal

Die Irrreise durch Russland reiht sich  ein in eine Nacht am Flughafen von Charkow in der Ukraine , als der Journalistenflieger  mit allen Passagieren an Bord bei der EM 2012 in der Nacht nach dem Spiel gegen die Niederlande wegen heilloser Überforderung des Towers  viereinhalb Stunden auf die Starterlaubnis warten musste und erst weit nach Morgengrauen wieder im polnischen Danzig landete.

Es folgten bei der WM 2014 drei Tage und zwei Nächte zwischen Recife, Bahia und Porto Seguro in Brasilien, als nach dem 1:0-Sieg gegen die USA die Journalisten-Shuttlebusse vom Stadion zum Airport in Recife stundenlang auf überfluteten Straßen im Stau steckengeblieben waren und die Reisegruppe sich statt mit dem verpassten Flugzeug  schließlich mit einem Kleinbus über enge Landstraßen auf die 800 Kilometer lange Rückfahrt machen musste.

Niemand ist dabei nachhaltig zu Schaden gekommen. Außer bei dem einen oder anderen die Nerven.

Die deutsche Fußballmannschaft war jeweils problemlos pünktlich angekommen.  Sie ist besser organisiert.

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