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Der Teamarzt des DFB Dr. Tim Meyer schätzt das Infektionsrisiko beim Fußball als gering ein.

Sport und Corona

„Geringes Infektionsrisiko“ beim Fußball

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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DFB-Mediziner Tim Meyer sagt: „Dauer der engen Kontakte ist kurz“, mahnt aber zu Vorsicht in der Kabine und Kneipe

Der Deutsche Fußball-Bund sieht laut Professor Tim Meyer eine Ansteckung mit dem Coronavirus auf dem Spielfeld als „sehr unwahrscheinlich“ an. Das sagte der Teamarzt der deutschen Nationalmannschaft vor dem Treffen des DFB-Teams in Köln. Meyer ist zudem Vorsitzender der Medizinischen Kommission des DFB und der Uefa sowie Leiter der medizinischen Task Force des DFB und der DFL. Der Fachmann, der mit seinem Team das hochgelobte Hygienekonzept entwickelt hat, rechnet damit, dass in Kürze eine wissenschaftliche Studie seine Thesen untermauert.

Während des Fußballspielens, so Meyer, sei „die Dauer der engen Kontakte so kurz, dass es eigentlich auf dem Spielfeld kaum zu Infektionen kommen kann“. Fußball sei nämlich „kein Kontaktsport, sondern eine Sportart mit geringen Kontakten“, der zudem „an der frischen Luft ausgeübt wird“. Auch das spreche für ein geringes Infektionsrisiko auf dem Fußballplatz. Dazu passt die Information von Oliver Bierhoff. Der DFB-Direktor berichtete, dass beim Spiel der deutschen U17 in Belgien 15 Spieler des Gegners an Covid-19 erkrankt gewesen seien und sich dennoch kein einziger DFB-Spieler angesteckt habe.

Zuletzt hatte die SG Ripdorf/Molzen II in der Kreisklasse Heide-Wendland West unter Einhaltung der Abstandsregeln absichtlich mit 0:37 gegen den SV Holdenstedt II verloren, weil es in der ersten (!) Mannschaft des Gegners einen positiven Coronafall gegeben hatte und Ripdorf/Molzen II deshalb aus Furcht vor Ansteckung nicht gegen Holdenstedts Zweite antreten wollte. „Diese Angst war nach meiner Meinung unbegründet“, so Medziner Meyer, fügte aber an: „Die Beobachtung, dass man sich auf dem Platz sehr wahrscheinlich nicht anstecken kann, bedeutet ausdrücklich nicht, dass dies auch außerhalb des Spielfelds gilt.“

Meyer appelliert dringend: „Bei allen Begegnungen von Menschen muss dem Coronavirus aktiv präventiv begegnet werden. Und das gilt auch im Fußballumfeld, zum Beispiel in Besprechungs-, Umkleide- oder Duschräumen sowie der Vereinsgastronomie.“

Meyer ist daran gelegen, nichts zu verharmlosen. Es gebe einen Fall, bei dem ein Spieler, der sich infizierte, zu einer Besprechung auf dem Sportgelände erschien, obwohl er bereits Symptome aufgewiesen hatte. Dabei sei es zu Infektionen von Teamangehörigen gekommen.

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