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Raheem Sterling trifft dreifach gegen Tschechien.

Raheem Sterling

Gereifter Torjäger

Der Stürmer ist für England so wertvoll wie nie.

Die beiden Zeigefinger und der Blick von Raheem Sterling waren gen Himmel gerichtet, unter seinem englischen Nationaltrikot kam ein T-Shirt mit einem Foto von ihm mit Damary Dawkins zum Vorschein. In der Stunde des Triumphes widmete Sterling seinen Dreierpack beim 5:0 (2:0)-Kantersieg der Three Lions am Freitagabend zum Start in die EM-Qualifikation im Londoner Wembley-Stadion gegen Tschechien dem fünf Tage zuvor an Leukämie gestorbenen 13 Jahre alten Jugendspieler von Crystal Palace.

Dieser hatte fünf Jahre vergeblich gegen die heimtückische Krankheit gekämpft, Sterling und der jugendliche Kicker hatten sich häufiger getroffen. Der Profi von Manchester City hatte dem Jungen immer wieder Mut zugesprochen und hatte sich dafür eingesetzt einen Spender zu finden. „Wir hatten gedacht, wir hätten einen gefunden, aber leider hat es nicht zusammengepasst und er ist verstorben“, erzählte Sterling. Das war am 17. März. „Mögest du in Frieden ruhen“, stand auf dem T-Shirt sowie das Geburts- und Todesdatum des Jungen, dessen Leidensgeschichte den 24 Jahre alten Angreifer der Citizens tief bewegt hatte. So versuchte er seinen großen Tag im Team des Fußball-Mutterlandes mit dem verstorbenen Dawkins zu teilen. „Ich wollte seiner Familie etwas zum Lächeln geben“, sagte Sterling.

Rekorde für Teenager

Nach dem Abpfiff ging er schon wieder zur Tagesordnung über. „Es war eine wunderbare Teamleistung“, sagte er, „ich habe großes Selbstvertrauen. Ich gehe in die Räume und versuche aus jeder Situation zu schießen, ohne mir irgendwelche Gedanken zu machen.“ So traf er gegen die hoffnungslos unterlegen Tschechen in der 24., 62. und 68. Minute. Englands Teammanager Gareth Southgate lobte seinen Dreierpacker: „Raheem war heute förmlich elektrisiert, das hatte sich schon im Training angedeutet. Raheem ist als Mensch und als Fußballer gewachsen.“ Er sei heiß aufs Toreschießen gewesen.

In der 70. Minute wurde Sterling unter dem Applaus der 82.575 Zuschauer in Wembley ausgewechselt. Für ihn kam der von Bayern München umworbene Chelsea-Teenager Callum Hudson-Odoi, der mit 18 Jahren und 135 Tagen zum jüngsten englischen A-Nationalspieler in einer Pflichtpartie avancierte. Und noch einen Eintrag in die Geschichtsbücher hatten die Three Lions am Freitag parat. Denn der Dortmunder Jadon Sancho (18 Jahre und 362 Tage) und Hudson-Odoi sorgten dafür, dass England erstmals nach 138 Jahren zwei 18-Jährige in einem Länderspiel aufbot. Letztmals war dies im Februar 1881 gegen Wales durch Thurston Rostron und Jimmy Brown der Fall.

England machte am Freitag deutlich, dass die Mannschaft bei der EM-Titelvergabe bei der paneuropäischen Europameisterschaft 2020 ein maßgebliches Wort mitsprechen will. Der WM-Vierte ist seit 40 Qualifikationsspielen (WM oder EM) in Folge ungeschlagen, dabei gelangen 31 Siege. Am Montag (20.45 Uhr) steht in Montenegro das nächste Qualispiel auf dem Programm. M-Torschützenkönig Harry Kane (45.+2, Foulelfmeter) und Tomas Kalas (84., Eigentor) machten das 5:0 gegen Tschechien perfekt. (sid)

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