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Gerardo Seoane: seine Woche der Wahrheit

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Von: Ingo Durstewitz

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In der Kritik; Bayer-Trainer Gerardo Seoane.
In der Kritik; Bayer-Trainer Gerardo Seoane. © Federico Gambarini/dpa

Der Trainer bei Bayer Leverkusen ist angezählt, Eine Niederlage beim FC Bayern kann sich der Schweizer noch erlauben, dann aber muss er liefern.

Gerardo „Gerry“ Seoane ist zweifelsohne ein hervorragender Fußballtrainer. Der Schweizer mit spanischen Wurzeln hat die Young Boys aus Bern dreimal hintereinander (2019, 20, 21) zum Meistertitel geführt, das erste Double seit 1958 eingefahren, nebenbei den Punkte- und Torrekord geknackt. Und auch in Leverkusen, dem nächsten – logischen – Karriereschritt, wusste der polyglotte 43-Jährige sogleich zu überzeugen, mit Bayer 04 stürmte er im Premierenjahr direkt auf Platz drei der Tabelle, Champions League. Gewusst, wie.

Doch nun ist der Fachmann, ein Ottmar-Hitzfeld-Jünger, erstmals in seiner Laufbahn schwer angeknockt, Leverkusen hat einen kolossalen Fehlstart hingelegt, Platz 15, fünf Punkte nur nach sieben Spielen, genauso viele wie der Vorletzte aus Wolfsburg. Da brennt der Baum. Dass er weiterhin die Geschicke unterm Bayer-Kreuz lenken darf, hat er seiner herausragenden Arbeit in der Vergangenheit, seinem guten Verhältnis zur Mannschaft und dem Mangel an Alternativen zu verdanken. Die Bosse stellten ihm eine Jobgarantie aus – eine vorläufige.

Klar ist: Seoane muss liefern, was nicht leicht wird. Der Coach ist am Abschneiden und Auftreten des Teams nicht unschuldig, er wirkt hilflos, Krisen meistern musste der smarte Kerl noch nie. Er hat es bisher nicht geschafft, dem Ensemble einen klaren Plan aufzuzeigen, ihm etwas an die Hand zu geben. Zuletzt versuchte er es mit weniger Sturm und Drang, mehr mit Verwalten und Kontern. Das liegt freilich nicht in der Bayer-DNA. Die Mannschaft ist verunsichert, sie hat sich selbst ein bisschen verloren, ihr Gleichgewicht und Selbstverständnis.

Der Absturz ist zudem eng mit dem Zustand der Leistungsträger verknüpft, zum Beispiel: Torwart und Kapitän Lukas Hradecky wartet plötzlich mit ungewohnten Patzern in Slapstick-Manier auf, Torjäger Patrick Schick steckt in einem veritablen Formtief.

Und nun geht es ausgerechnet zum großen Krisenduell zum FC Bayern, dessen Trainer Julian Nagelsmann ebenfalls unter Druck steht. Die jüngsten Auftritte gegen die Münchner lassen nichts Gutes erahnen für Seoane: sechs Spiele, ein Remis, fünf Niederlagen. Der Eidgenosse geht in seine persönliche Woche der Wahrheit: Binnen acht Tagen geht es gegen die Bayern, in der Königsklasse nach Porto und dann gegen Schalke 04. Man muss kein Prophet sein, um zu orakeln: Ohne einen Bayer-Sieg wird Seoanes Jobgarantie rein nichts mehr wert sein.

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