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Genau hinschauen bei den gemischten Teams

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Von: Jana Ballweber

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Soll Alltag werden: Sandra Pfannenstein und Jessica Eckl vom FC OVI-Teunz in der Oberpfalz spielen in einem Männer-Team in der B-Klasse mit.
Soll Alltag werden: Sandra Pfannenstein und Jessica Eckl vom FC OVI-Teunz in der Oberpfalz spielen in einem Männer-Team in der B-Klasse mit. © IMAGO/FAF

Künftig sollen Frauen ab der B-Jugend auch bei den Männer mitspielen dürfen, wenn sie wollen. Der Schritt ist überfällig, aber trotzdem muss der Verband die Probleme anpacken.

Die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs im Amateurbereich ist fatal. Die Zahl der aktiven Fußballerinnen nimmt seit Jahren ab, ebenso die Zahl der Mannschaften. Für Mädchen und Frauen, die gerne kicken möchten, kann die Suche nach einem Team in der Nähe oft so frustrierend sein, dass sie es lieber bleiben lassen.

Der Schritt des DFB, auch nach der B-Jugend Teams zuzulassen, in denen Männer und Frauen zusammen spielen, ist also überfällig. Niemand sollte mit dem Fußballspielen aufhören müssen, weil in der Nähe nicht genug Frauen für ein Team zusammenkommen oder ein Verein kein Frauenteam mehr anbieten kann oder will. Ohnehin war die Altersgrenze, ab der die Geschlechter getrennt werden, vollkommen willkürlich gelegt. Viele Spielerinnen, die bei der EM in England mit ihrem Können begeistert haben, haben in ihrer Jugend lange Zeit mit Jungs zusammengespielt. Sie waren dadurch nicht nur körperlich und technisch besonders gefordert, um mithalten zu können, sondern konnten auch von den vielerorts immer noch besseren Trainingsbedingungen der Jungs profitieren. Es ist wünschenswert, dass alle Landesverbände die neue Regelung schnell umsetzen.

Und doch muss das Pilotprojekt genau beobachtet werden. Es kann nicht sein, dass Vereine und Verbände mit der Möglichkeit, Frauen auch in Männerteams spielen zu lassen, die aktive Förderung des Frauenfußballs vernachlässigen. Immer noch zu viele Menschen sind davon überzeugt, dass Fußball Männersache ist. Es fehlt an niedrigschwelligen Angeboten, um Spielerinnen anzulocken.

Außerdem möchte nicht jedes Mädchen und nicht jede Frau gemeinsam mit Männern in einem Team kicken. Abgesehen von den körperlichen Leistungsunterschieden, die Frauen das Mithalten in einem Männerteam erschweren, haben viele Frauen angesichts des Sexismus, der auf vielen Fußballplätzen herrscht, ein nachvollziehbares Bedürfnis nach einem geschützten Raum. Immer wieder berichten Spielerinnen, im Profi- wie im Amateurbereich, von verbalen und körperlichen Grenzüberschreitungen. Auch diese Frauen sollten die Strukturen vorfinden, um ihr Hobby ausüben zu können und sich dabei sicher zu fühlen.

Gemischte Teams können ein Schritt auf dem Weg in eine bessere Zukunft sein. Einer Frau, die mit Männern kicken möchte, sollte der Verband nicht im Weg stehen. Gemischte Teams sind aber kein Ersatz für eine strukturelle Förderung des Frauenfußballs, für ein stärkeres Engagement der Vereine und des DFB und für ein Umdenken in der Gesellschaft.

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