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Auf dem Weg in die Bundesliga? Union-Trainer Urs Fischer.

Union Berlin

Gemischte Gefühle - nicht jeder Berliner fände den Aufstieg gut

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Mit Gelassenheit will Trainer Fischer Union Berlin in die Bundesliga führen – doch manche würden lieber zweitklassig bleiben.

Urs Fischer, der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1.FC Union Berlin, geht also „unaufgeregt“ in die Relegationsrunde um den Erstligaaufstieg, diese Information war zuletzt diversen Überschriften zu entnehmen. Der Neuigkeitsgehalt dieser Meldungen bewegte sich auf Das-Wasser-ist-nass-Niveau, denn Fischer, ein selbst für Schweizer Verhältnisse bedächtiger Eidgenosse, ist die fleischgewordene Ruhe. So einen wirft auch die Perspektive eines historischen Bundesligaaufstiegs nicht aus der Bahn. Es wäre ja der erste überhaupt für den kultigen Klub aus Berlin-Köpenick.

Von Hektik war naturgemäß also nichts zu spüren bei Fischer vor dem Hinspiel beim Erstliga-16. VfB Stuttgart an diesem Donnerstag (20.30 Uhr). „Warum soll ich in den 48 Stunden völlig aus der Rolle tanzen?“, befand der 53-jährige zwei Tage vor einer der wichtigsten Partien in der Union-Historie: „Ich brauche nur so sein, wie ich selbst bin. Ich bin eigentlich entspannt.“ Eigentlich.

Am Sonntag noch, als die Berliner beim 2:2 in Bochum einigermaßen dramatisch den direkten Aufstieg verpasst hatten, war Fischer nach dem Schlusspfiff für seine Verhältnisse maximal in sich zusammengesackt. Er stand am Spielfeldrand und starrte zu Boden, die Hände auf die Knie gestützt. Schon bei der – reichlich unnötigen – 1:2-Niederlage beim SV Darmstadt Anfang Mai trat beim Berliner Trainer eine Form milder Verzweiflung zutage. Als er sich in der Schlussphase die Haare raufte, während seine Spieler Chance um Chance vergaben, sah das aus, als massiere er vorsichtig eine Pflegespülung ein. Hinterher, auf der Pressekonferenz, wirkte Fischer dann wie schockgefrostet. Zwischen Ruhe und Starre liegt mitunter nur ein halber Moment. Oder auch kein Tor.

„Es geht um alles“

In Darmstadt bereits, am drittletzten Zweitligaspieltag, wirkten alle Unioner, als wüssten sie, dass sie im Begriff sind, eine schier einmalige Chance zu verspielen. Der Hamburger SV war unrettbar kollabiert auf der Zielgeraden des Aufstiegsrennens, der letzte Konkurrent hieß Paderborn, und zum Schluss hätte ein Punkt mehr zum sicheren Aufstieg gereicht, ein einziger Treffer sogar, ob in Darmstadt oder in Bochum.

„Du kannst das nicht rückgängig machen. Wir schauen nach vorn“, sagte Urs Fischer nun, er hat dabei gelächelt. Es gehört zu den Brutalitäten der Relegation, dass es eine halbe Woche nach der größtmöglichen Enttäuschung schon weitergeht, und das gegen einen stark besetzten Erstligisten wie den VfB Stuttgart. „Es geht um alles“, hatte Offensivmann Joshua Mees erkannt: „Für sie geht es ums Überleben in der ersten Liga, für uns geht es darum, Geschichte zu schreiben.“ Bisher hat es die Geschichte nicht so gut gemeint mit Union, wenn die Saison nach der Saison noch weiterging: Nur zwei- von zehnmal gelang der Aufstieg oder Klassenverbleib in Entscheidungsrunden.

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Es soll nicht wenige Anhänger geben, die nicht einmal sonderlich traurig wären, sollte man dem VfB unterliegen. Der 1.FC Union in Liga eins, dieses ewige Opfer, dieser gebürtige Außenseiter, vom System gegängelt in der DDR, zäh, aber immer irgendwie auf der Kippe, auch nach der Wende – eine schräge Vorstellung.

Urs Fischer, der erst vor der Saison ans Stadion an der Alten Försterei wechselte, kennt die Vorbehalte in Teilen der Fanszene. „Die einen sagen: ‚Lasst uns doch bleiben, wo wir sind.‘ Ich glaube aber, dass es ganz viele toll finden, und sie hätten es auch verdient.“

Wie es auch kommt, Urs Fischer, der mit dem FC Basel zweimal Schweizer Meister wurde (2016, 2017) und dennoch direkt rausflog, wegen zu unspektakulärer Spielweise, wird mit der Situation umgehen können. Mit Ruhe und Bedacht. Er kann nicht anders.

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