Auch die Fußball-Bundesliga der Frauen startet wieder.
+
Auch die Fußball-Bundesliga der Frauen startet wieder.

Bundesliga

Gemischte Gefühle

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
    schließen

Der Neubeginn der Fußball-Bundesliga der Frauen am Freitag wirkt nicht gut durchdacht: Viele Spieler können die hohen Corona-Anforderungen nur mit Mühe erfüllen. Wenn überhaupt.

Vordergründig wirkt eine Anstoßzeit am Freitag um 14 Uhr ungewohnt, weil arg zuschauerunfreundlich. Aber darauf muss der VfL Wolfsburg ja in Corona-Zeiten keine Rücksicht nehmen, wenn mit dem Heimspiel des Meisterschaftsfavoriten gegen den Abstiegskandidaten 1. FC Köln der Re-Start der Frauen-Bundesliga eingeläutet wird. Statt wie sonst im Schnitt knapp 2000 Besucher im Stadion neben der werkseigenen Arena finden nur 130 Personen Einlass. Auch sonst ist vieles anders. „Wahnsinn, was wir für Rahmenbedingungen einhalten müssen“, erklärte Stephan Lerch, Trainer des VfL Wolfsburg, während des Quarantäne-Trainingslagers in einem Hotel am Allersee aufhielten. 

Erst mit dem Anpfiff werde so etwas wie „fußballerische Normalität“ einkehren, glaubt Lerch. Ihm ist es das alles wert, um ein „ganz starkes Zeichen“ zu setzen. Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter für die Titelsammlerinnen unter dem VW-Dach, sieht eine Plattform, von der alle profitieren würden: „Der gesamte Frauenfußball in Deutschland kämpft schließlich jahrelang dafür, dass die Spielerinnen als Berufssportlerinnen wahrgenommen werden.“

Doch mittlerweile mehren sich die kritischen Stimmen. Vor allem von Seiten der Spielerinnen, offenbar in den Überlegungen nicht ausreichend einbezogen. Das vom DFB angeführte Argument der „Gleichbehandlung“ (Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg) verfängt nicht bei Aktiven, die statt professioneller Rahmenbedingungen nur amateurhafte Strukturen vorfinden.

„Es sind viele Spielerinnen, die berufstätig sind, die sich dafür jetzt auch Urlaub nehmen müssen“, sagte Sharon Beck vom SC Freiburg in einem SWR-Podcast. Die israelische Nationalspielerin: „Da frage ich mich schon, wie stellt sich der DFB das vor? Im Endeffekt bleibt das alles an den Privatpersonen hängen und die verdienen nicht die Welt dafür.“

Benachteiligtes Schlusslicht

Statt Vorfreude herrscht mancherorts Verdruss. Dort, wo die meisten Fußballerinnen noch zur Schule gehen, studieren oder arbeiten. Viele glauben nicht, dass sie in einer WG die strengen Vorgaben erfüllen können. Besonders krass ist das Dilemma beim FF USV Jena, wo die Spielerinnen in den sozialen Medien scharfe Kritik am engen Zeitplan und der gestiegenen Verletzungsgefahr übten. Der Vorstandsvorsitzende Torsten Rödiger ist „hin- und hergerissen“. Weil die Stadt eine Spielgenehmigung für das Ernst-Abbe-Sportfeld mindestens bis 5. Juni verweigert, geht Rödiger davon aus, nur Auswärtsspiele zu bestreiten. Für die Partie des Tabellenletzten am 7. Juni gegen Freiburg wurde bereits das Heimrecht getauscht. Danach stehen bis 28. Juni sieben Spiele an.

Der USV-Chef bedauert inzwischen, für die Saisonfortsetzung gestimmt zu haben: „Vielleicht hätten wir uns auch besser enthalten.“ Seine Furcht eingedenk von Spielerinnen, die teilweise im Kindergarten oder Krankenhaus tätig sind: „Nach ein, zwei Spieltagen haben wir mehrere Corona-Fälle – und dann war alles umsonst.“ Womöglich wäre es für den Frauenfußball besser gewesen, grübelt Rödiger, „wenn wir mit dem Geld für die Testungen die nächste Saison abgesichert hätten“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare