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Klare Ansage: Lars Stindl erklärt den Ultras, dass das Spiel abgebrochen wird, sollte das Banner nicht verschwinden.

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Gemeinsames Stoppschild

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Die überwältigende Mehrheit der Gladbacher Fußballfans zeigt den eigenen Ultras die Rote Karte. Die hatten ein unsägliches Hassplakat gegen Hoffenheims Mäzen Dieter Hopp gezeigt. Auf den Rängen ist mehr Zivilcourage gefordert. Ein Kommentar.

Es muss schon einiges passieren, dass ein besonnener Mann wie Max Eberl aus der Haut fährt. Der gebürtige Bayer, der sich als Baumeister bei Borussia Mönchengladbach bundesweite Anerkennung verdient hat, gab nach einem turbulenten Nachmittag im Borussia-Park gerne zu, dass er vor der Nordkurve im Disput mit den eigenen Fans nicht jugendfreie Ausdrücke benutzt hatte. Zu tief hatte ihn der Widerspruch getroffen, der sich am Niederrhein offenbarte: Da gab es vor dem Spiel – wie an allen anderen Standorten – eine Schweigeminute zu Ehren der Opfer des rassistisch motivierten Anschlag von Hanau, um ein starkes Statement gegen Hass und Ausgrenzung zu setzen, doch dann treten einige wenige Ultras diese Botschaft mit Füßen, indem sie Hassplakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp zeigen.

Nicht zufällig ist der zeitliche Zusammenhang dieser unsäglichen Aktion: Am Freitag hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Anhänger von Borussia Dortmund wegen wiederholter Tiraden gegen den Geldgeber für die kommenden zwei Auswärtsspiele in Sinsheim ausgeschlossen. Auch die BVB-Wirrköpfe hatten in ihrem merkwürdigen Selbstverständnis wiederholt Fadenkreuz-Banner gezeigt und damit eindeutig eine Grenze überschritten. Wer Menschen hinter Fadenkreuzen zeigt – und damit symbolisch zum Abschuss freigibt – der kann nicht auf Milde oder Nachsicht hoffen.

Völlig unverständlich

Nun hat der Zwist Hoffenheim-Dortmund eine von beidseitigen Verfehlungen geprägte Vorgeschichte, nachdem vor neun Jahren ein Hausmeister der Sinsheimer Arena an der A6 in Eigenregie mit selbst gebastelter Apparatur den Dortmunder Auswärtsblock mit Hochfrequenztönen beschallte. Warum sich gerade jetzt einige Dutzend Gladbacher Fans als Trittbrettfahrer betätigt und dieselben Anti-Hopp-Botschaften verbreitet haben, wird nur schwer zu ergründen sein. Fest steht: Einen unpassenderen Zeitpunkt hätte es nicht geben können. Wenige Tage nach dem mörderischen Attentat in Hessen einen menschenverachtende Aufruf zu starten, dafür fehlen fast die Worte.

Um diese Auswüchse irgendwie einzufangen, braucht es ein gemeinsames Stoppschild. Vortrefflich das eindeutige Votum der überwältigenden Mehrheit der Zuschauer, die sich lautstark gegen die eigenen Ultras gestellt hat. Auf den Rängen ist mehr Zivilcourage gefordert, um denjenigen, die zu Gewalt aufrufen oder Gewalt ausüben, die Rote Karte zu zeigen.

Richtig, dass sich zur Einordnung der komplexen gesellschaftlichen Thematik umgehend DFB-Präsident Fritz Keller zu Wort gemeldet und Hass und Rassismus als „dümmste Art“ gegeißelt hat, sich in einfachen Strickmustern zu verfangen.

Wichtig, dass Eberl nicht vor der Konfrontation mit der Kurve zurückgewichen ist. Ein Kuschelkurs wäre das letzte, was in diesem Fall hilft. Gut, dass der erfahrene Fifa-Schiedsrichter Felix Brych das Spiel erst fortsetzte, als die unsäglichen Transparente verschwunden waren. Und bemerkenswert, dass der Hoffenheimer Trainer Alfred Schreuder sogar bereit gewesen wäre, seine Spieler vom Feld zu holen und einfach aufzuhören. Es gibt nämlich Werte, die sind wichtiger als drei Punkte in der Bundesliga.

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