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Verhängnisvoller Patzer: HSV-Keeper Sven Ulreich muss den Heidenheimer Christian Kühlwetter ziehen lassen.
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Verhängnisvoller Patzer: HSV-Keeper Sven Ulreich muss den Heidenheimer Christian Kühlwetter ziehen lassen.

„Krisenderby“

Gemeinsam durchs Tal

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Was die Fußball-Zweitligisten Hamburger SV und Hannover 96 verbindet – und was sie trennt.

Das, was am Samstagmittag im Volksparkstadion passiert, wird je nach Sprechart schon als „Krisengipfel“ oder „Krisenderby“ bezeichnet. „Gipfel“ würde bedeuten, der gastgebende Hamburger SV und Gegner Hannover 96 hätten inzwischen bereits den Höhepunkt der sieglosen Zeit erlebt. Beziehungsweise den Tiefpunkt. Die traditionell unruhigen Standorte sind mal wieder: unruhig!

Dabei hatte es verheißungsvoll (Hamburg) respektive ordentlich (Hannover) angefangen. Der HSV sammelte 15 Zähler zum Start, seit vier Spielen aber nur noch deren zwei. Die Tabellenführung ist demnach futsch. Die 96er gingen immerhin mit drei Heimsiegen in die Spielzeit, holten aus den letzten vier Partien als nun auswärtsschwächstes Team aber nur einen lumpigen Punkt. Fades Zwischenergebnis: Platz 14,

Beim HSV wähnen sich die Fans im Deja-vu. Sie hätten gern darauf verzichtet. Vor zwei Jahren ging es nach der Winterpause rapide bergab, der Aufstieg unter Hannes Wolf wurde so verpasst. Vergangene Saison bekam es Altmeister Dieter Hecking nicht viel besser hin. Nach starkem Start gab es nur noch einen Sieg in den letzten sieben Spielen, gebetsmühlenartig wurden Punkte in Nachspielzeiten hergeschenkt. Und jetzt das: Nacheinander 2:2 gegen St. Pauli, 1:1 in Kiel, 1:3 gegen Bochum und 2:3 in Heidenheim. Die Stimmung entsprechend der Jahreszeit: frostig.

Genau das sollte eigentlich vermieden werden. Sportchef Jonas Boldt holte nicht nur den unverbrauchten Daniel Thioune als Trainer vom VfL Osnabrück, sondern auch einige schon deutlich verbrauchtere Spieler. Klaus Gjasula, 30, fürs Ablaufen und Abgrätschen aus Paderborn, Simon Terodde, 32, fürs Toreschießen aus Köln, Toni Leistner, Stopper, 30, von den Queens Park Rangers, Sven Ulreich, 32, von Bayern München fürs Tor, ablösefrei allesamt. Es sollte mit diesen „Säulenspielern“ (Boldt) mehr Stabilität ins Gefüge kommen, mehr Verlässlichkeit. Falsch gedacht.

Bis auf Terodde haben die Routiniers allesamt nicht die Ausstrahlung, die man sich von ihnen erhofft hatte. Gjasula hat seinen Stammplatz wegen schwacher Form verloren, Leistner fiel durch Tribünenzoff mit anschließender Zwei-Spiele-Sperre in Dresden und Rotsperre wegen einer Notbremse in Fürth auf, Ulreich patzte zuletzt gegen Heidenheim in der Schlussminute verheerend.

In Hannover ging man einen anderen Weg als in Hamburg. Die Routiniers Marvin Bakalorz, Edgar Prib und Ron-Robert Zieler - Kapitän. Vizekapitän und Mitglied im Mannschaftsrat - mussten gehen, die Hierarchie wurde aufgebrochen, so sollte Schwung reinkommen. Es klingt ein bisschen nach Jogi Löw und Hummels, Boateng, Müller. Doch statt Aufschwung nach oben nun Kontakt nach unten, „Wenn ich ehrlich bin, hat das schon überrascht“, äußerte jetzt Geschäftsführer Martin Kind. Trainer Kenan Kocak, der zusammen mit Sportchef Gerry Zuber den Kader umbaute, wird vom mächtigen Boss öffentlich gestützt. „Wir sind insgesamt vom Weg überzeugt. Auch, wenn wir in der Umsetzung andere Ziele hatten.“

Man könnte das auch als Warnung verstehen, aber die Beziehung des Trainers zum Boss ist nach wie vor belastbar. Kind mag den Ehrgeiz, die Gradlinigkeit und den Arbeitsethos von Kocak, der vor einem Jahr von Mirko Slomka in der Tiefparterre übernahm und die Mannschaft auf Platz sechs führte.

Thioune behält die Ruhe

Die Hoffnung und Erwartung, mit dem (nach Düsseldorf und Hamburg) drittgrößten Etat um den Aufstieg zu spielen, erfüllte sich jedoch bisher nicht. Auch deshalb wohl, weil die Niedersachsen dann doch nicht flüssig genug waren, um Serdar Dursun von Darmstadt 98, Simon Terodde aus Köln oder Paul Seguin aus Fürth zu holen. Marvin Ducksch, vergangene Saison noch Torgarant, und Hendrik Weydandt zünden nicht.

Simon Terodde ging statt nach Hannover lieber nach Hamburg, wo er schon ein paar gute Tage erlebte. Neun Tore in neun Spielen sprechen die Sprache des Strafraumstürmers. Dem HSV geht es also besser als Hannover 96. Der Dino machte zwischenzeitlich positive Schlagzeilen, als durch das aufmerksame „Hamburger Abendblatt“ ausgewertet wurde, dass beim 3:1-Sieg gegen die Würzburger Kickers elf Spieler mit deutschem Pass auf dem Platz standen, davon die drei aktuellen U-21-Nationalspieler Josha Vagnoman, Manuel Wintzheimer und Stephan Ambrosius. Mit Deutschtümelei hat das natürlich im weltoffenen Hamburg nichts zu tun. Dafür sorgt schon Trainer Thioune, der auch jetzt mit seiner angenehm unaufgeregten Art die Ruhe behält, Mindestens bis Samstag, 13 Uhr.

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