Die Medienunternehmen steigen demnächst in den Bieterwettbewerb ein.
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Die Medienunternehmen steigen demnächst in den Bieterwettbewerb ein.

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Geld, das vom Himmel fällt

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Bundesligaklubs haben in den vergangenen Jahren vom TV-Geld stets profitiert. Bieten bis zur Selbstausbeutung sollten die Medienunternehmen bei der Rechtevergabe deshalb aber nicht.

Die beiden Fußball-Bundesligen kämpfen um jeden Euro. Das wurde am Dienstag bei der Vorstellung der milliardenschweren Medienrechtevergabe für die Spielzeiten 2021 bis 2025 sehr deutlich. Christian Seifert, der erste Mann im Profifußballland, sagte es frei heraus: „Wir haben einen erheblichen Umsatzdruck.“ Wenn nicht alles täuscht, dürfte es ein ziemlich spannendes Geschacher geben Ende April/Anfang Mai. Die Deutsche Fußball-Liga, der Seifert vorsteht, tut viel dafür, dass der Poker den deutschen Profifußball weiter unter den Top-3-Fußballligen der Welt hält.

Dazu wird das Produkt noch mal ein bisschen aufgehübscht, etwa, indem ab 2021/22 der vorletzte Spieltag nicht mehr gleichzeitig am Samstagnachmittag durchgeführt wird, sondern wie die 32 vorangegangenen Spieltage ganz normal in feinfühlig sezierten Tranchen: Freitagabend, Samstagnachmittag, Samstagabend und Sonntag über die zweite Tageshälfte verteilt.

Zudem verpflichtet die DFL künftig ihre Lizenzvereine, den angeschlossenen Fernsehanstalten und Livestream-Anbietern die vom Klub-TV selbstproduzierten Bilder zur Verfügung zu stellen, um das Angebot zu erweitern und den zahlenden Medienunternehmen für ihr gutes Geld mehr Gegenwert zu bieten. Die Vereine sollen mehr Gefühl dafür entwickeln, wie sehr sich Sky und Dazn und all die anderen, die nach Bundesligabildern gieren, finanziell strecken, teilweise bis zur Selbstausbeutung. Ihre Kassen gefüllt haben die Pay-Anbieter nämlich in all den Jahren keineswegs, ganz im Gegensatz zu den Profis, Cheftrainern und Vorstandsleuten der Klubs. Christian Seifert hat deshalb sehr zurecht darauf hingewiesen, dass der Bundesliga nicht an einem ruinösen Bieter-Wettbewerb gelegen sein kann, nur, um die ohnehin gut versorgten Gehaltskonten der Spieler noch praller zu füllen.

Der Druck, der auf der Vergabe liegt, ist immens, schließlich refinanzieren sich die Lizenzklubs zu mindestens einem Viertel aus den nun zu vergebenden nationalen Medienrechten. Das Geld fällt sozusagen vom Himmel, ohne dass dafür überhaupt ein Ball getreten wurde, es muss nicht mühsam durch den Verkauf von Eintrittskarten, Trikots oder Werbebanden mit Unterstützung teurer Agenturen hart verdient werden. Ohne diese intravenöse Finanzspritze in den prallen Oberschenkel der Vereine, bezahlt von leutseligen Fußballbegeisterten, wäre die Bundesliga bei weitem nicht dieses flirrende, pulsierende Unterhaltungsprodukt, das gerade seine soundsovielte Zerreißprobe erlebt. Und dabei stets unbeeindruckt weiter gewachsen ist.

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