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Gelbe Karten für Trainer.

Kommentar

Gelb für die Meckerkönige

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Die Fußballlehrer sollten erkennen, dass Emotionen zwar gewünscht sind, diese sich aber vordringlich auf das eigene Aufgabengebiet beziehen. Die Trainersperre ist eine Chance. Ein Kommentar.

Robin Dutt war auch eine halbe Stunde nach dem Vorfall noch geladen. So sagte er auf der Pressekonferenz genau vor einer Woche: „Das macht keinen Spaß. Wir haben deswegen nicht verloren, aber du fühlst dich einfach so behandelt, als wenn du wer weiß wer bist.“ Robin Dutt ist natürlich nicht wer weiß wer. Er ist 54, wurde in Köln geboren, coacht seit 1995 Fußballteams, war DFB-Sportdirektor und ist aktuell Trainer des Zweitligisten VfL Bochum. Dieser Mann ärgerte sich am vergangenen Freitag zum einen über die 0:1-Niederlage seines Teams beim Hamburger SV, richtig in Wallung brachte ihn aber zum anderen eine Karte. Jene gelbgefärbte, die er von Schiedsrichter Christian Dingert nach dem Abpfiff wegen allzu lauten Lamentierens über einen nicht gepfiffenen Strafstoß gezeigt bekam. „Da bekommst du die Gelbe Karte unter die Nase gehalten, das fühlt sich scheiße an. Das ist nicht mehr mein Sport“, sagte Dutt.

Alleine ist er mit dieser Einschätzung längst nicht. Friedhelm Funkel, Trainer in Düsseldorf, empfindet die Einführung der Gelben Karte als Strafe für meckernde, Trinkflaschen werfende oder die Coachingzone verlassende Trainer der ersten beiden Ligen als „größten Schwachsinn aller Zeiten“. Und Dieter Hecking, HSV-Coach, sagt über die Trainersperre für eine Partie nach der vierten gezeigten Verwarnung: „Alles, was die Emotionen eindämmt, ist für mich eine Sache, die sollte man gleich einstampfen“.

Trainersperre ist eine Chance

Meine Herren, bei allem Respekt, das sollte man nicht. Denn warum sollte es Ihnen anders ergehen als den Spielern? Warum sollten Sie für eine Motzerei nicht dasselbe Strafmaß erhalten wie die Berufskicker? Etwa, weil Sie sich als Trainer für besonders wichtig halten? Natürlich ist quasi jede Neuerung im Fußballsport per se erst einmal nervig. Denn, so die Meinung allenthalben, früher war ja sowieso alles besser. Doch bei genauem Betrachten bietet die Einführung der Trainersperre viel eher eine Chance. Die Fußballlehrer sollten erkennen, dass Emotionen zwar gewünscht sind, diese sich aber vordringlich auf das eigene Aufgabengebiet zu beziehen haben, auf das Coachen der Spieler. Es muss nicht ständig mit dem Schiedsrichter oder dessen Außenminister, dem Vierten Offiziellen, diskutiert werden, um die Leistung der Spieler positiv zu beeinflussen. Eher im Gegenteil.

Wichtig wird natürlich sein, dass die Schiedsrichter künftig auch nicht bei jeder Kleinigkeit die Karte zücken, das wäre kontraproduktiv, bei ausufernden Ausfällen aber müssen sie Grenzen aufzeigen. Denn die Lehrenden an der Seitenlinie sind leitende Angestellte, sie sind erstes Vorbild für ihre kickenden Jungs, von denen sich einige ohnehin gerne als Dauernörgler auf dem Rasen austoben. Überschreitet die Form der Kritik also ein respektvolles Maß, dann gibt’s eben eine gelbe Strafe – für Spieler wie Trainer. Eigentlich ganz logisch.

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