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Immer feste druff: Spieler des 1. FC Kaiserslautern (rote Trikots) und Eintracht Braunschweig demonstrieren Drittligafußball pur. 

3. Bundesliga

Gekommen, um zu gehen

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Die Dritte Liga ist in ihre zwölfte Saison gestartet und bietet einige Skurrilitäten. Waldhof-Trainer Trares moniert: „Viele Vereine überpacen“.

Es sind Namen mit großer, wenn auch mit zuweilen verblichener Strahlkraft unterwegs in der dritten deutschen Fußballliga, die am Freitagabend mit der Begegnung der Traditionsklubs 1860 München gegen Preußen Münster loslegte. Einige Beispiele: Für den MSV Duisburg verteidigt künftig Marvin Compper, ein leibhaftiger deutscher Nationalspieler, wenn auch nur einmalig beim 1:2 gegen England im November 2008. Oder: der 1. FC Kaiserslautern, vierfacher deutscher Meister. Oder: die Spielvereinigung Unterhaching, Titelverderber für Bayer Leverkusen im Mai 2000 und nach Borussia Dortmund der zweite börsennotierte deutsche Fußballklub. Oder: Sebastian Hoeneß, Sohn von Ex-Hertha-Baron Dieter Hoeneß, Neffe von Bayern-Patron Uli Hoeneß, Trainer des Aufsteigers Bayern II, der am Samstag mit tausend Fans zum Auswärtsspiel bei Kickers Würzburg erwartet wird.

14 Meisterschaften und 22 Pokalsiege träumen davon, sich zurückzumelden auf dem ganz großen Präsentierteller. Es ist ein ziemlich gnadenloser Verdrängungswettbewerb in jener Spielklasse, die sich selbstironisch als „perfekt unperfekt“ und als „Basis des Profifußballs“ verkauft.

Was passiert dort an dieser perfekt-unperfekten Basis? Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg wollen sofort wieder hoch in Liga zwei, wiewohl ihre Einnahmen aus TV-Geldern ums Zehnfache geschrumpft sind. In der Dritten Liga gibt’s für jeden Verein 1,3 Millionen aus der Fernseh- und Internetvermarktung, in der zweiten Liga im Schnitt zwölf Millionen. Da ist jene halbe Million Euro, welche die drei Absteiger als eine Art „Finanzfallschirm“ überwiesen bekommen, schnell verbraucht. Die Absteiger der Vorsaison, Eintracht Braunschweig und die Lauterer, können ein garstig Lied darüber anstimmen. Beide haben eine vergessenswerte Spielzeit hinter sich, ebenso wie Hansa Rostock, KFC Uerdingen und die Sechziger. Alle diese Ex-Erstligisten, na klar, wollen so schnell wie möglich wieder raus aus der Klasse, in der keine Milch und kein Honig fließt, wohl aber gute Butter.

Denn: Alle Spiele werden live im Internet bei Magenta-Sport (9,95 Euro im Monatsabo) gezeigt, 86 Begegnungen zudem in den dritten Programmen, der Zuschauerschnitt ist von 5587 im Eröffnungsjahr 2008/09 auf 8132 gestiegen (siehe Grafik) und damit hinter der englischen dritten Liga (8712) „ganz weit vorn in Europa“ – wie DFB-Direktorin Heike Ulrich ein wenig stolz betont. Kaiserslautern, neuerdings vom Luxemburger Milliardär Flavio Becca mit zunächst 2,6 Millionen Euro gepampert (weitere 25 Millionen sollen folgen), Braunschweig und Magdeburg haben mehr als 10 000 Dauerkarten verkauft, die Löwen kratzen an dieser Marke. Bemerkenswerte Zahlen! Platz eins erreichte der letztjährige Tabellenneunte Kaiserslautern im Ranking derjenigen Teams, die den meisten U21-Spielern Spielzeit gaben. Zur Belohnung flossen 218 000 Euro aus dem DFB-Nachwuchsfördertopf aufs leere FCK-Konto.

Zu den Skurrilitäten der Liga zählt die Tatsache, dass sie als Premiumpartner den Wettanbieter Bwin im Boot hat, jedoch nicht weniger als sieben (!) Klubs die in der selben Branche operierende Firma Sunmaker auf der Trikotbrust tragen. Eine gewisse Eindimensionalität in der Abhängigkeit ausgerechnet von zwei Wettanbietern lässt sich ergo nicht dementieren. „Das birgt natürlich ein gewisses Risiko“, räumt auch DFB-Managerin Ulrich ein. Aber irgendwo muss das liebe Geld ja herkommen.

Sportlich, nun ja, sollte niemand von der Dritten Liga den ganz großen Zauber erwarten, wohl aber rechtschaffene Arbeitsnachweise. Eine „fußballerische Entwicklung“ sei sicher sichtbar, sagt Peter Vollmann, „aber es bleibt eine Zweikampfliga“. Vollmann, 61, muss es wissen. Der Sportchef von Eintracht Braunschweig ist mit 237 Spielen für Rostock, Wehen Wiesbaden und den VfR Aalen an der Außenlinie Rekordtrainer und somit profunder Kenner der Spielklasse.

Auch Bernhard Trares ist schon ein bisschen herumgekommen und nun wieder nahe seiner Heimat, bei Waldhof Mannheim, angekommen, wo der einst unnachgiebige Defensivmann prompt den Aufstieg organisierte. Der 53-Jährige will „sauber und realistisch“ an die Dritte Liga herangehen und kritisiert: „Viele Vereine überpacen, weil sie hoffen, so schnell wie möglich wieder hier rauszukommen.“ Waldhof ist gerade wieder drin und erstmal froh darum. „Bei uns herrscht eine gigantische Vorfreude“, sagt Trares, „der Aufstieg hat bei uns eine brutale Energie freigesetzt.“ Als am Donnerstag der Vorverkauf für das DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt (am 17. August) startete, bildeten sich prompt hunderte Meter lange Schlangen.

Nach dem Abstieg der zweiten Vertretung von Werder Bremen 2018 war die Dritte Liga ein Spieljahr lang ohne Bundesliganachwuchs unterwegs gewesen und ganz froh darum. Nun hat sie noch nicht mal gegen die eigentlich ungeliebten zweiten Mannschaften von Bundesligisten aktuell etwas einzuwenden. Nun gut, diesmal sind die großen Bayern hochgekommen. „Die“, sagt der Braunschweiger Vollmann frohgemut, „sind eine gute Marke, die der Liga guttun wird.“

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