+
Der Ball könnte in der ersten und zweiten Liga auch ohne größere Probleme ohne Zuschauer rollen.

Kommentar

Geisterspiele treffen die Kleinen härter

  • schließen

Im deutschen Lizenzfußball wäre es finanziell allemal verschmerzbar, ein paar Wochen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu kicken - in anderen Sportarten und den Fußballligen abwärts der Dritten Liga nicht. Ein Kommentar. 

Auch in Zeiten der Unsicherheit in Folge des Coronavirus gibt es Institutionen, die in Anflügen ihrer Verzweiflung für Klarheit zu sorgen versuchen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat es für ihre beiden Bundesligen vermeintlich klipp und klar verlautbart: Es stehe „AUSSER FRAGE“, dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden „MUSS“. Übersetzt heißt das so viel wie: Zur Not spielen wir halt den Rest der Spielzeit ohne Zuschauer in den Stadien.

Geisterspiele: Das Fernsehen würde trotzdem übertragen

Der hiesige Profifußball würde unter der Atmosphäre von sogenannten „Geisterspielen“ natürlich leiden, aber das Leid wäre erträglich. Denn für sämtliche Begegnungen ist durch Liveübertragungen gesichert, dass sie einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt werden können. In Zeiten der infolge des Virus abflauenden Realwirtschaft könnte der wegen der zunehmenden digitalen Konkurrenz arg gebeutelte Pay-TV-Sender Sky zu den großen Krisengewinnlern gehören. Wer Bundesligafußball live sehen will, so die aktuelle Aussicht, braucht keine Dauerkarte, sondern das Bezahlfernsehen.

Kleinere Sportarten haben es insoweit schwerer, weil ihre Einnahmesituation viel mehr von den zahlenden Fans vor Ort abhängig ist als das durchkommerzialisierte Unterhaltungsprodukt Profifußball. Gerade mal noch lumpige zwölf Prozent des Gesamtumsatzes der ersten Liga (zweite Liga: 16 Prozent) hängen an den Eintrittsgeldern. Ergo: Im deutschen Lizenzfußball wäre es finanziell allemal verschmerzbar, ein paar Wochen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu kicken.

Coronavirus: Was passiert, wenn sich Akteure anstecken?

Im Eishockey, Basketball, Handball, Volleyball und in Fußball-Spielklassen von der Dritten Liga abwärts stellt sich die Situation vollkommen anders dar. Dort braucht man die Zuschauer, um die Etats zu decken. Deshalb ist dort die Bereitschaft, ganze Spiele zu verlegen, spürbar größer als in den Fußball-Bundesligen. Und deshalb ist dort die Furcht auch begründet viel größer, weil die liquiden Mittel ohne Einnahmen aus Eintrittskarten, verkauften Getränken und Bratwürsten schnell zur Neige gehen würden.

Die DFL hat mit ihrer Basta-Behauptung, die Saison MÜSSE AUSSER FRAGE zeitig zu Ende gespielt werden, erst einmal Pflöcke eingeschlagen, die den großen Fußballzirkus vor unangenehmen Folgen schützen sollen. Denn gerade weil der Profifußball ein derart großes Rad dreht und hierzulande 4,7 Milliarden Euro umsetzt, wären die Folgen einer vorzeitig abgebrochenen Saison so gravierend. Aber ein Abbruch ist auch deshalb nicht komplett unrealistisch, weil sich selbstverständlich auch Profis anstecken könnten, deren Mitspieler sich kollektiv Quarantänemaßnahmen zu unterziehen hätten und folglich eine erkleckliche Anzahl von Spielen oder gar ganze Spieltage abgesagt werden müssten.

Die nächste Bundesligasaison mit 20 oder 21 Mannschaften

Ein Klub wie der aktuelle Zweitliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld könnte mit Fug und Recht den Aufstieg auch dann verlangen, wenn die Spielzeit nach weniger als 34 Spieltagen bereits beendet würde. Anders herum würden derzeit im Abstiegskampf der ersten Liga befindliche Vereine wie der SC Paderborn, Fortuna Düsseldorf oder Werder Bremen einen Abstieg nach vorab abgebrochener Spielzeit natürlich nicht akzeptieren.

Das könnte zur Folge haben, dass die nächste Bundesligasaison mit 20 oder 21 Mannschaften stattfinden müsste. Hätte, wenn und aber – schon damals, im Nachgang der verblichenen DDR-Oberliga, hat es Lösungen gegeben, die der historisch einmaligen Situation gerecht wurden. Man spielte halt in einer 20er-Liga mit Rostock und Dresden und fand am Ende vier direkte Absteiger.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare