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Daniel Niedzkowski (links) und Tobias Haupt.

DFB

Das Gehirn des deutschen Fußballs

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Der erst 35 Jahre alte Professor Tobias Haupt soll den DFB als Mastermind zurück in die Weltspitze führen.

Wahrscheinlich ist er der coolste Professor im Land. Tobias Haupt war gerade mal 29 Jahre alt, als er zum jüngsten Sportmanagement-Professor im Land berufen wurde. Er erweckt nicht den Eindruck, als bilde er sich sonderlich viel darauf ein. Seit einem halben Jahr ist der 1,95 Meter große Mann das Gehirn des deutschen Fußballs, ein Mastermind, das ziemlich geerdet daherkommt. Offener Blick, einnehmendes Lächeln, klare Sprache. Wenn Anfang Mai an der Frankfurter Galopprennbahn der Spatenstich für die neue, 150 Millionen Euro teure DFB-Akademie erfolgt, wird Haupt eine Hand mit an der Schaufel haben. Der in Landshut geborene Niederbayer ist der neue Boss des gigantischen Projekts, mit dem sich der deutsche Fußball zurück in die Weltspitze hieven will.

Nach einer Kindheit mit Nachmittagen auf dem Bolzplatz hat Tobias Haupt heimlich davon geträumt, es bald zum Profikeeper zu bringen. Irgendwann war der Traum ausgeträumt, immerhin hatte es 2003 und 2004 zu elf Einsätzen in der Bayernliga bei der Spielvereinigung Landshut und beim SC Fürstenfeldbruck gelangt. Mehr war nicht drin für den jungen Mann, der Oliver Kahn als „Maß aller Dinge für Leidenschaft, Fokussierung und Mentalität“ empfand, sich selbst gegenüber aber ehrlich genug war, zuzugeben: „Diesen Wahnsinn bringe ich nicht auf den Platz.“

Vordenker beim Deutschen Fußball-Bund: Tobias Haupt, Leiter der DFB-Akademie.

Tobias Haupt hat den persönlichen Wahnsinn dann auf anderem Terrain ausgelebt, dort, wo sein Talent weit überdurchschnittlich ist. Als Leiter des Internationalen Fußballinstituts in München brachte es der vormalige Sportmanagement- und BWL-Student, der bald als einer der führenden deutschen Digitalisierungsexperten im Sport galt, zu ausreichend Ruhm, dass irgendwann Oliver Bierhoff auf ihn aufmerksam wurde. Ein Anruf des DFB-Direktors, ein Treffen in Frankfurt, „die Wellenlänge stimmte“, und schnell war klar, dass der gelernte Torwart Haupt beim DFB zum Offensiv- und Führungsspieler werden würde.

Seine Verlobte, die in München als Kinderärztin arbeitet, unterstützte den 35-Jährigen beim nächsten Karriereschritt, einmal im Monat versucht er es in seine alte Heimat zu schaffen. Im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen hat er sich schon so gut eingelebt, dass selbst Ebbelwoi ihm angeblich angemessen zusagt. Zudem habe er „die Hessen als sehr tolerant kennengelernt, dass sie einen Migranten wie mich so herzlich aufgenommen haben“.

Haupt, dessen bayerisches Idiom unüberhörbar ist, ist ohnehin viel unterwegs. Der Terminkalender sei „mehr als voll“, sagt er. Die sieben Klubs Hertha BSC, 1. FC Köln, VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund, TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart und RB Leipzig hat er gemeinsam mit Bierhoff bereits besucht, viele weitere sollen folgen, zudem alle 21 Landesverbände. Haupt ist schlau genug zu wissen, dass bei allen Möglichkeiten des digitalen Austauschs der persönliche Kontakt bisweilen unersetzlich ist. Gerade dann, wenn ein Neuer, noch dazu Wissenschaftler, mit großen Ideen ankommt und auch den Fußball an der Basis modernisieren will – mit dem Ziel, „das Talentepool an der Spitze zu erhöhen“ – ist Überzeugungsarbeit notwendig.

Dem DFB stehen im Vergleich zu den Mitbewerbern aus England und Frankreich mutmaßlich sieben dürre Jahre bevor. Wenngleich Haupt deshalb nicht rundheraus bang ist: „Die Masse an Talenten ist geringer geworden. Das heißt aber nicht, dass wir nicht in der Lage wären, eine Top-Nationalmannschaft mit elf bis 14 Weltklassespielern auf den Platz zu bringen.“ Die DFB-Akademie in Frankfurt soll dabei helfen. „Sie wird einzigartig im internationalen Fußball sein“, frohlockt Haupt, es habe bislang „noch kein Verband geschafft, alle Bereiche unter einem Dach zu vereinigen“. Das sei „ein Pfund, das uns ermöglicht, uns langfristig in der Weltspitze zu etablieren“.

Viel Lob von Mitarbeitern

Hört man sich im DFB um, erfährt man viel Gutes über die neue Führungskraft. Haupt sei einer, der nicht nur redet, sondern die Dinge anpackt. Für die Trainerausbildung hat er mit seinem Team ein „virtuelles Klassenzimmer“ entwickelt, damit die Anwärter sich parallel zum Social-Media-Learning auf dem digitalen Campus mehr um ihre Mannschaften vor Ort kümmern können und nicht übermäßig in Sportschulen hocken müssen. Für Toptalente gibt es ein Mentoring-Programm, Ex-Nationalspieler geben regelmäßig persönliche Tipps. „Wenn ich als Jugendtorwart von Oliver Kahn betreut worden wäre, hätte mir das einen Riesenschub gegeben“, beschreibt Haupt die Zielrichtung.

Eines der weiteren Ziele ist es, die „Zahl deutscher Toptrainer zu erhöhen“. Unter anderem werden ehemalige Profis vom DFB angesprochen, um ihnen zum gegenseitigen Vorteil den Einstieg in die Karriere nach der Karriere zu ermöglichen: „Diese Leute brauchen wir, die sind uns bisher verloren gegangen. Wir wollen ihnen sagen: ,Ihr habt noch ein zweites Leben, das mindestens so lang ist wie euer erstes Leben, und das ihr sinnvoll füllen solltet.“ Tobias Haupt selbst ist gerade dabei, es vorzumachen.

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