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Serge Gnabry konnte beim Spiel der Nationalelf gegen Russland überzeugen.

Serge Gnabry

Geheimwaffe mit flinken Beinen

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Serge Gnabry gilt als Hoffnungsträger für die Nationalmannschaft: In der Rolle als hängende Spitze ? und als Geheimwaffe mit den flinken Beinen.

Es ist mittlerweile schon mehr als zwei Jahre her, dass Serge Gnabry eine größere deutsche Öffentlichkeit mit seiner Rasanz erstaunte. Es lief die Bundesligapartie zwischen dem SV Darmstadt 98 und Werder Bremen (2:2) im Stadion am Böllenfalltor, als der Bremer Ousman Manneh den Ball in die Gasse spielte. Allerdings war dem als Flüchtling aus Gambia nach Deutschland gekommenen Fußballer – inzwischen dauerverletzt in der Versenkung verschwunden – der Pass derart missglückt, dass der Absender die Hände vors Gesicht schlug. Doch den Empfänger kümmerte das an diesem 1. Oktober 2016 kein bisschen: Gnabry beschleunigte auf den ersten Metern mindestens so schnell wie ein Topsprinter und plötzlich lag der Ball im Tor. Selbst der damalige Darmstädter Trainer Norbert Meier hob respektvoll jene Sequenz hervor, die er mit einer düsteren Prophezeiung verband: „Ich weiß nicht, ob der noch so lange in Deutschland bleiben wird.“

Dabei war Gnabry gerade als herausragende Figur beim Olympischen Fußballturnier in die Bundesliga gewechselt, um seinem Mauerblümchendasein beim FC Arsenal zu entkommen. Und im Hintergrund soll es die Abmachung mit einem Vorkaufsrecht für den FC Bayern gegeben haben, die nach einem einjährigen Umweg über die TSG Hoffenheim diesen Sommer Wirklichkeit wurde: Inzwischen taugt der 23-Jährige gar als Hoffnungsträger für die Nationalmannschaft. In der Rolle als hängende Spitze – und als Geheimwaffe mit den flinken Beinen.

„Ich denke schon, dass ich die Geschwindigkeit vererbt bekam, die Anatomie hat es hergegeben, dass ich sehr schnell rennen kann“, erklärt Gnabry. Er avancierte bei den Länderspielen in Frankreich (1:2) und gegen Russland (3:0) zu einem der besten Akteure. „Serge hat sich sehr gut entwickelt. Wenn er aus dem Zentrum kommt, ist er sehr variabel, er hat immer Zug zum Tor. Wenn er so weitermacht, kann er ein extrem wichtiger Spieler für uns werden“, lobte Joachim Löw, der gegen die Niederlande (Montag 20.45 Uhr/ARD) kaum auf den Sturmflitzer verzichten dürfte. Außer vielleicht Marco Reus verbindet niemand aus seinem Kreis so viel Tempo und Technik, Flexibilität und Spielwitz.

Löw: „Hoffe, er bleibt stabil“

Wenn komplexe Übungen mit Dribbeln, Passen und Umkurven von Slalomstangen anstehen, erledigt die Nummer 20 alles in der höchsten Geschwindigkeitsstufe. Unbekümmertheit und Draufgängertum garnieren das Gesamtpaket. Auch wenn er sich manchmal noch zu viel zutraut, wagt er wenigstens etwas. Der Bundestrainer hat bestätigt, dass er sich schon bei der Zusammenstellung des WM-Kaders 2014 mit diesem fintenreichen Spielertypen beschäftigt habe. Und auch 2018 war Gnabry in einer bärenstarke Rückrunde in Hoffenheim wieder auf der Überholspur, wenn ihn nicht Ende April ein Muskelbündelriss im Adduktorenbereich gestoppt hätte.

Dass der in Stuttgart geborene Sohn eines Ivorers und einer Deutschen erst vier Länderspiele auf dem Konto hat, hängt mit den verletzungsbedingten Einschnitten seiner Karriere zusammen. Bisweilen wirkte es so, als würden Sehnen und Bänder, Gelenke und Muskeln bei seiner ungeheuren Dynamik regelmäßig rebellieren. Löw versieht seine Vorhersage immer noch mit der Einschränkung: „Ich hoffe, dass er stabil bleibt.“ Gnabry schiebt regelmäßig Sonderschichten, versucht auch, sich im Abschluss stetig zu verbessern.

Nur dann kann der Wirbelwind seinen Torjubel aufführen, den er sich in Bremer Zeiten ausgedacht hat: mit einem imaginären Kochlöffel herumrühren. Abgeguckt hat sich der Basketball-Fan die Geste aus nächtlichen NBA-Übertragungen: „Das ist Cooking. Wenn James Harden von den Houston Rockets übertrieben viele Punkte macht, dann ist er der Chefkoch.“ Irgendwie auch passend, dass er nicht lange um den heißen Brei herumredet. Als ihm zuletzt vorgehalten wurde, er würde Weltmeister Thomas Müller auf die Bank drängen, entgegnete Gnabry: „Wenn ich draußen sitze, ist doch auch ein Hochkaräter draußen, oder?“ Wohl wahr.

Wechsel mit 16 nach England 

Ein Sprücheklopfer ist er trotz allem Selbstbewusstsein nicht. Dass er der Gewinner der vergangenen Wochen in Verein und Nationalmannschaft sein soll, „habe ich gar nicht so wahrgenommen“, richtete er auf der Pressekonferenz vor dem Russland-Spiel aus. Seine wichtigste Weiterentwicklung sei mit 16 Jahren der Wechsel nach England gewesen, um sich bei den „Gunners“ erst im Nachwuchs zu empfehlen, dann bei den Profis durchzusetzen. „Seitdem gehe ich mehr ins Risiko“, sagt Gnabry.

Dass er irgendwann noch einmal einen zweiten Anlauf in der Premier League nimmt, wirkt nicht völlig abwegig. Insofern wäre irgendwann vielleicht sogar Norbert Meier mit seiner Weissagung rehabilitiert.

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