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Bremer Leid.

Werder Bremen - 1. FC Nürnberg

Gegensätze an der Weser

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Der Aufsteiger 1. FC Nürnberg bejubelt das späte 1:1-Remis in Bremen, während der SV Werder seinen Ansprüchen nicht gerecht wird.

Die Gegensätze vor der Südtribüne des Weserstadions lagen nach Schlusspfiff ziemlich nah beieinander: Hier die blanke Ernüchterung, dort pure Freude. Im Bremer Strafraum sackte nämlich der Torhüter Jiri Pavlenka auf den Rasen und schlug entgeistert die Hände vors Gesicht, während vor der Nürnberger Bank Trainer Michael Köllner und Manager Andreas Bornemann bei einer kräftigen Umarmung wahre Veitstänze aufführte. So lieferte das leistungsgerechte 1:1 (1:0)-Remis zwischen dem SV Werder und 1. FC Nürnberg am Sonntagnachmittag ein Kontrastprogramm der Emotionen, denn erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit belohnte sich der Neuling aus dem Frankenland mit dem eingewechselten Virgil Misidjan für sein gesteigertes Engagement. Der niederländische Last-Minute-Einkauf drosch die Kugel humorlos ins kurze Eck, nachdem ihm Hanno Behrens den Ball im Fallen weitergeleitet hatte. „Das kann für die Moral noch ganz wichtig sein“, sagte der Vorlagengeber und Kapitän. 

Köllner fühlte sich einmal mehr bestätigt, dass der Club eine konkurrenzfähige Mannschaft in die Bundesliga entsandt hat. „Gut zu wissen, dass wir alle drei Spiele mitgehalten haben.“ Der 48-Jährige fand die Mentalität seines Teams auch deshalb beeindruckend, weil es ein vom Videoassistenten mit arger Verzögerung zurückgenommenes Ausgleichstor von Ondrej Petrak wegsteckte. „Du freust dich zwei Minuten lang, und dann kommt der K.o.-Schlag aus Köln“, klagte der impulsive Köllner. „Ich werde kein Freund mehr von diesen Dingen. Hut ab, dass meine Mannschaft so ruhig geblieben ist.“ 

Trainer Kohfeldt hat keine Erklärung

Vor allem in der zweiten Hälfte verdiente sich der Altmeister die Punkteteilung durch jenen Mut und Entschlossenheit, die in der ersten Hälfte noch gefehlt hatten. „Erste Halbzeit hatten wir kaum Zugriff. Dann haben wir die richtigen taktischen Kniffe angewandt und gezeigt, dass auch wir Qualität haben“, beteuerte Verteidiger Enrico Valentini, der sich mit breitem Grinsen in die Kabine machte. „Jetzt ist es an der Zeit, dass wir unseren ersten Dreier holen.“ Dafür ist das Heimspiel gegen Hannover 96 auserkoren. 

In Bremen stehen derweil vor dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg einige grundsätzliche Debatten an: Trainer Florian Kohfeldt will gemeinsam mit seinen Spielern die Woche erörtern, warum Werder den Vorteil einer dominanten ersten Hälfte und des sehenswerten Führungstores von Maximilian Eggestein – der U21-Nationalspieler fasste sich knapp hinter der Strafraumgrenze ein Herz und traf passgenau in den Winkel (26.) – aus der Hand gab. Eine richtige Erklärung konnte Kohfeldt nämlich nicht liefern, wer denn da wirklich den Stecker bei den Grün-Weißen gezogen hatte. „Die erste halbe Stunde war top. Mit das Beste, was ich gesehen habe, seit ich auf der Trainerbank bin. Aber dann haben wir von Minute zu Minute abgebaut. Es begann ein schleichender Prozess, der mit dem Gegentor endet“, sagte 35-Jährige. 

Auch das 20-minütige Debüt von Nuri Sahin hatte nicht den erwünschten Effekt. Der für den bis dahin starken Balleroberer Philipp Bargfrede ins Spiel gekommene Neuzugang erwies sich in der Schlussphase nicht als der ballsichere Stabilisator, gleichwohl hatte es der 30-jährige Ex-Dortmunder auch schwer, die irgendwie längst auf die schiefe Bahn geratenen Mitspieler aufzufangen. „Wir haben das nicht mehr sauber zu Ende gespielt“, erklärte der Debütant. „Ich habe mich gefreut, wieder auf dem Platz zu stehen, aber es braucht noch Zeit.“ Sein Trainer räumte ein, dass auch er gehofft habe, den Vorsprung über die Runden bringen zu können. „Jetzt lernen wir ganz bitter.“ Werders Erkenntnis trotz der fünf Punkte nach dem Startprogramm: Der Weg zu einem echten Spitzenteam ist verdammt weit. 

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