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Einflussreicher Rädelsführer der Napoli-Ultras: Gennaro De Tommaso.
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Einflussreicher Rädelsführer der Napoli-Ultras: Gennaro De Tommaso.

Fußball Italien

Gefährlich unterwandert

  • Regina Kerner
    VonRegina Kerner
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Die Mafia verschafft sich immer mehr Einfluss im italienischen Fußball und manipuliert auf vielen Ebenen.

Juventus Turin musste im September 300 000 Euro Bußgeld zahlen, der Klubchef wurde vom italienischen Fußballverband zu einer einjährigen Sperre verurteilt. Fünf Jahre lang soll die Vereinsleitung Hooligans mit Kontakten zur kalabrischen Mafia, der ‚Ndrangheta, unter der Hand und in großem Stil Gratis-Eintrittskarten überlassen haben. Jetzt hat sich der jüngste Skandal um Fußball und Mafia in Italien ausgeweitet.

Mit dem Tabellenführer SSC Neapel steht ein weiterer Verein unter Verdacht, diesmal geht es um Ultras mit Kontakten zur neapolitanischen Camorra. Sie sollen von Spielern und Funktionären Karten bekommen haben, die unter anderem auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. 

Dass die Mafia den italienischen Fußball unterwandert, ist keine neue Erkenntnis. Fußball bedeutet Geld und Einfluss. Kein Wunder, dass sich die organisierte Kriminalität für die Klubs und Stadien interessiert. Auch die Anti-Mafia-Kommission des italienischen Parlaments beschäftigt sich schon länger mit dem Thema. „Die Welt des Sports löst großen Appetit aus in den Mafia-Organisationen“, sagt deren Vorsitzende, die Abgeordnete Rosy Bindi. Der Kauf von Klubs zur Geldwäsche, Schwarzhandel, Manipulation von Spielen und Wetten, die Kontrolle von Ultra-Gruppen und des Geschäfts mit Fanartikeln gehört zum Phänomen. „Das Problem existiert nicht nur im Profisport, sondern auch im Amateurbereich“, sagt Bindi. Keiner sei immun.

Mafia wäscht durch Investitionen in Vereine schmutziges Geld 

Der Volkssport Fußball verschafft kriminellen Organisationen wie Cosa Nostra, Camorra, ‚Ndrangheta oder Sacra Corona soziale Akzeptanz. Das gilt vor allem in Süditalien, wo sie ihren Ursprung haben, aber nicht nur. „Wenn ein Mafiaboss den örtlichen Fußballverein sponsert, dann hat das dieselbe Wirkung, wie wenn er das jährliche Fest zu Ehren des Dorfheiligen finanziert“, sagt Bindi. Es geht dabei auch um politische Macht, Zugang zu allen Gesellschaftsschichten und Kontrolle des Territoriums. Der Klubpräsident ist oft wichtiger als der Bürgermeister. 

Indem sie in Vereine investiert, kann die Mafia zudem schmutziges Geld waschen und ihr Business breiter aufstellen. Längst hat sie große Teile der italienischen Wirtschaft infiltriert, der Fußball ist nur ein Puzzlestein. Sie nutzt aber nach wie vor alte Methoden. Die Schutzgelderpressung von Geschäftsleuten etwa läuft im Fußball unter dem Deckmantel des Sponsorings, sagt Pierpaolo Romani, Autor des Buchs „Calcio Criminale“ – Krimineller Fußball. Das Prinzip „Bälle statt Kugeln“ verringere grundsätzlich das Risiko für die Mafiosi, im Gefängnis zu landen oder ihren Besitz durch staatliche Beschlagnahmung zu verlieren. „Für Drogenhandel bekommt man schnell 20 Jahre, für Spielmanipulationen und Wettbetrug sehr viel weniger“, sagt Romani. 

Betroffen sind vor allem die unteren Spielklassen, aber zuweilen auch Erstliga-Klubs. 2008 versuchte der Camorra-Clan der Casalesi, mit Hilfe von Strohmännern und dem Kauf von Vereinsaktien für 25 Millionen Euro den Verein Lazio Rom zu übernehmen. Der Deal kam nicht zustande, Lazio-Spieler Giorgio Chinaglia wurde damals festgenommen. Er hatte mit Hilfe gewaltbereiter Ultras Druck auf Vereinschef Claudio Lotito ausgeübt, um ihn zum Verkauf zu bewegen. 

Ultra-Fangruppen sind ein besonderes Problem. Einige ihrer Anführer seien bekanntermaßen Kriminelle und Mafiosi, sagt der Experte Romani. Teils verdienten sie mit gefälschter Merchandising-Ware und Schwarzhandel viel Geld. In den meisten Vereinen würden sie aber stillschweigend toleriert, „um den sozialen Frieden in den Stadien nicht zu gefährden“.

Eingeschüchterte Spieler

Die Ultras halten im Gegenzug die Fankurven in Schach. Dass sie oft die wahre Macht im Stadion haben, wurde vor drei Jahren in Rom offenkundig, als ein Pokalendspiel erst angepfiffen werden konnte, nachdem die Polizei nach 45-minütigen Ausschreitungen mit dem martialisch tätowierten Anführer der Neapel-Ultras verhandelte, genannt „Genny ‚a Carogna“- Genny das Aas. Mit erhobenen Armen sorgte er schlagartig für Ruhe. Inzwischen sitzt er wegen organisierter Kriminalität und Drogenhandel im Knast.

Lazio-Chef Claudio Lotito steht unter Polizeischutz, weil er sich den Ultras entgegensetzt und ihnen unter anderem den Verkauf von Fanartikeln entzogen hat. Auch Spieler werden eingeschüchtert, um Partien zu manipulieren. Lotito hat vorgeschlagen, Fußball-Wetten, eine Haupteinnahmequelle der Kriminellen, ganz abzuschaffen. 

Neapel-Präsident Aurelio De Laurentiis, einer der bekanntesten Filmproduzenten Italiens, erklärte dem Ermittler des Fußballverbands, die Vorgänge um Gratis-Eintrittskarten an Ultras seien ihm fremd. Im Juni war er von der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission gehört worden, es ging damals um die Kontrolle von Neapels Fankurve durch Camorra-nahe Figuren. De Laurentiis sagte den Abgeordneten, das Problem müsse der Staat lösen. 

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