FC Augsburg - Bayern MÃŒnchen
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Der höchst ehrgeizige Joshua Kimmich möchte offenbar jedes Spiel mitmachen.

FC Bayern

Zu dünne Decke

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der Kader des Triple-Siegers FC Bayern München ist zu klein, das könnte zum Problem werden. Ein Kommentar.

Noch ist nicht bekannt, ob Joshua Kimmich daheim am Kühlschrank einen großen Kalender mit Magneten befestigt hat. Das finden viele Familien praktisch, um im Terminwirrwarr von Eltern und Kindern den Überblick zu behalten. Sportstunde, Musikunterricht oder Skatrunde – jedes Date wird farblich gekennzeichnet. Beim Musterprofi des FC Bayern würde es von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 schon reichen, nur die Spieltermine in Verein und Nationalmannschaft farblich zu unterlegen: Heraus käme ein buntes Gemälde, das ein bisschen an ein Werk von James Rizzi erinnern würde.

Man muss sich nur Kimmichs Programm vom 27. September bis 17. Oktober anschauen: Bundesliga in Hoffenheim, Supercup gegen Dortmund, Bundesliga gegen Hertha, Freundschaftsspiel gegen die Türkei, Nations League in der Ukraine und gegen die Schweiz, DFB-Pokal gegen Düren, Bundesliga in Bielefeld. Acht Spiele in fünf Formaten binnen 21 Tagen.

Niemand von den Veranstaltern, nicht DFL, DFB, erst recht nicht die Uefa, wollen irgendeinen Wettbewerb auch nur irgendwie einschränken. Die Leidtragenden sind – ohne dass deswegen jetzt Mitleid aufkommen muss – Klubs wie der FC Bayern.

Dass die Belastung speziell für deren Angestellte nicht mehr gesund sein kann, versteht sich von selbst. Und wer den eigentlich unverletzlichen Vielspieler Kimmich am Donnerstagabend in der Verlängerung des Supercups gegen den FC Sevilla (2:1) in Budapest pumpen sah, der ahnt nicht viel Gutes: sich nie richtig ausruhen, stets wieder nach einem eigentlich zu kurzen Urlaub sofort auf Hochbelastung hochfahren, das funktioniert irgendwann nicht mehr. Das Erstaunliche ist nur: Der FC Bayern gewinnt trotzdem anscheinend weiter jedes Spiel. Und der höchst ehrgeizige Kimmich, 25, möchte offenbar auch jedes mitmachen.

Bundestrainer Joachim Löw hat seinem zentralen Mittelfeldmann Anfang September in zwei höchst fragwürdigen Länderspielen eine Schaffenspause gegönnt. Schon jetzt sorgt sich der 60-Jährige in höchstem Grade um die Fitness und Form seiner Besten. Nicht heute oder morgen, sondern im April und Mai. Dann wenn es auf die Zielgeraden geht und danach noch eine Europameisterschaft ansteht.

Auch für ihn könnte viel davon abhängen, was in München noch bis zum 5. Oktober passiert. Klar ist schon jetzt: Ohne Thiago, ohne Ivan Perisic, ohne Philippe Coutinho und bald ohne Javier Martinez fehlen den Bayern vier Profis, die in der vergangenen Saison summa summarum 7834 Pflichtspielminuten abspulten – bei zusammen 137 Pflichtspieleinsätzen.

Die Kaderdecke des Triple-Siegers ist fast schon gefährlich dünn. Sollten die Lücken dieses abgewanderten Quartetts nicht noch ersetzt werden, wird der FC Bayern mutmaßlich trotzdem wieder Meister und Pokalsieger und kommt auch in der Champions League recht weit – die Frage ist nur, zu welchem Preis? Und bezahlt den am Ende Joachim Löw? Bayern-Trainer Hansi Flick kann das eigentlich am allerwenigsten wollen.

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